Killzone 3 - Test & Video: Laut, schön, oberflächlich

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Da – ein Helghast. Schnell die Waffe angelegt, über Kimme und Korn gezielt, abdrücken. Und wieder. Und wieder. Bis uns die Ohren dröhnen vom Einschlag der Geschosse. Explosionen links, Motorengeheul rechts. Hinter uns brüllen die Kameraden wahllos Koordinaten in die Luft, vor uns schreit sich der Feind Kommandos entgegen. Plötzlich bricht ein riesiger Mechwalker vor uns aus dem Boden, perforiert unter brachialem Getöse eine ganze Häuserfront. Alles dröhnt, alles brennt – und uns klingeln die Ohr

Killzone 3 - Test & Video: Laut, schön, oberflächlich

Wahrlich, “Killzone 3” befördert uns mitten in einen audiovisuellen Schützengraben, in dem das Speerfeuer nicht unseren Körper durchsiebt, sondern Netzhaut und Trommelfell. Sonys Exklusivtitel ist ein Ritt für die Sinne, ein Fest für jede Heimkinoanlage – und ein Ärgernis für geräuschempfindliche Nachbarn. Zu doof, dass davon absolut nichts im Gedächtnis hängen bleibt.

Am Ende von “Killzone 2” wähnten wir uns eigentlich schon am Ende der Geschichte um den Planeten Helghan und seine übellaunigen Bewohner. Scolar Visari, der Anführer der Helghast, starb den verdienten Schurkentod. Die beiden Verantwortlichen dafür, Sev und Rico, haben allerdings keine Zeit, sich darüber zu freuen, denn die Helghast greifen mit einer weitaus größeren Flotte an und…rrrzzzzz, oh Entschuldigung, da sind wir gerade glatt entschlafen. Tatsächlich ist die Handlung so blöd, dass wir einen eigenen Artikel über das immense Maß an Belanglosigkeiten, Stereotypen und nicht vorhandenen Spannungspunkten schreiben müssten. Haben wir aber keine Lust zu! Daher nur so viel: “Killzone 3″ erzählt im Grunde noch einmal dasselbe wie die Vorgänger, stellt einen (im wahrsten Wortsinne) blassen Oberfiesling in den Mittelpunkt und hangelt sich ansonsten durch einen Storyrumpf, der selbst dem Drehbuchautor von “Rambo 3″ zu peinlich gewesen wäre.

“Killzone” wurde von Sony einst als “Halo”-Killer installiert, als Gegenstück zur Microsoft-Goldgrube. Doch wo der Master Chief Millionen umsetzte, vielfaches Kritikerlob einfuhr und mittlerweile Teil der Popkultur ist, blieb die blasse Darstellerriege von “Killzone” nie mehr als blanke Plagiatur. Ein Grund dafür dürfte die nahezu völlige Abstinenz von Emotionen sein: Wo in “Bioshock”, “Halo” oder “Half Life” dramatische Wendungen und Schicksalsschläge den Spieler in ein kinoreifes Erlebnis hineinziehen und mitfiebern lassen, gibt sich Sonys Shooter-Gegenstück damit zufrieden, einen Haufen blökender Brüllaffen in die Botanik zu stellen, die sich in endlosen Machogebaren militärische Kommandos an den Kopf werfen.

Satzschnipsel wie “Sektor 5, nachrücken” oder “Los Männer, die schnappen wir uns” gehört da schon zur Speerspitze der Dialogästethik. Das macht ein “Gears of War” zwar auch nicht anders, aber dort haben Marcus Fenix und Co. deutlich mehr Charisma und Profil. Sergent Sevchenko und Nervbacke Rico sind uns hingegen herzlich egal. Da “Killzone” bisher die Frauenquote nicht erfüllt hat, gibt’s nun auch eine Dame im Team – die hübsche “Jammer” darf allerdings gerade mal eine Handvoll Wörter am Stück reden, mehr als “Hilfe! Hier drüben!” kommt da aber auch nicht bei herum.

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