Kirby und der Regenbogenpinsel im Test: Kann Nintendos Knuffelheld als Knetfigur überzeugen?

Dominic Stetschnig
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Nintendos Knutschkugel Kirby feiert seinen Einstand auf der WiiU undsieht fluffiger aus denn je. Hilft  Kirby und der Regenbogenpinsel Nintendos kränkelnder Konsole zur weiteren Genesung oder handelt es sich bei dem Spiel nur um einen fadigen Aufguss des magischen Garn?

Kirby und der Regenbogenpinsel im Test: Kann Nintendos Knuffelheld als Knetfigur überzeugen?

Knuddelknuff-Alarm in Knetenhausen

Ach Gottchen. Ist das niedlich. Da bekommt man ja vom Hingucken allein Diabetes! Im Grunde genommen ist das bei Nintendos Zuckerwatte-Maskottchen ja nichts Neues, aber aus irgendwelchen Gründen (schieben wir es auf den langen Kirby-Entzug) schlägt der Regenbogen-Pinsel ganz neue Dimensionen der Knuffigkeit ein! Wenn nicht schon in der Eröffnungssequenz das Unglück über Dreamland hereinbrechen würde: Nichtsahnend genießen Kirby und seine Waddle Dee-Freunde einen sonnigen Tag, als sich plötzlich ein Portal öffnet und eine fiese Schurkin namens Tonia sämtliche Farben aus dem Dreamland nimmt. Zum Glück entkommt aus dem Portal ein magischer Regenbogenpinsel namens Eline, der Kirby und seinen Freunden wieder Farbe einhaucht. Und da Kirby ja generell ein abenteuerlustiger Typ ist entschließt er sich, Eline durch das Portal auf eine große Reise zu begleiten!

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Touch-A-Touch-A-Touch-A-Touch-Me!

Von der Spielmechanik ähnelt Kirby und der Regenbogenpinsel dem 2007 für Nintendo DS erschienenen Kirby Power Paintbrush: Ihr steuert den pinken Ball komplett ohne Tasten, dafür ausschließlich mit dem Touchpad eures WiiU Gamepads. In den zweidimensionalen Welten zeichnet ihr mit Hilfe des Stylus, der als Regenbogenpinsel fungiert, bunte Bahnen durch das Level, an denen sich Kirby entlang rollt. So sammelt ihr Sterne ein, zerschmettert Felswände und attackiert Gegner. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase geht die Steuerung erstaunlich intuitiv von der Hand, was der Lernkurve sehr zu Gute kommt. Natürlich wäre Kirby nicht Kirby, wenn er sich nicht im Gestaltenwandeln üben könnte. Diesmal könnt ihr eure Gegner allerdings nicht einsaugen, sondern morpht euch von Zeit zu Zeit in verschiedene Fahrzeuge, die ebenfalls guten Nutzen von Touchpad und Stylus machen: So zeichnet ihr als U-Boot- oder Panzer-Kirby beispielsweise die Flugbahn eurer Geschosse auf den Bildschirm. Bei solch doch recht monotoner Spielmechanik könnte man fast vermuten, dass recht schnell Langeweile einsetzt – dem ist ehrlichgesagt auch so, aufgewogen gegen die knuffelige Optik und das abwechslungsreiche Design kann man dies aber sogar eine Zeit lang hinnehmen. Dennoch würde es mich nicht wundern, wenn sich selbst bei großen Kirby-Fans nach den ersten zwei Spielstunden die Lust einstellt. Zu sehr wünscht man sich neben all den neuen Mechaniken altbewährtes Kirby-Gameplay zurück, welches uns schon so lange verwehrt bleibt. Und obwohl das Spiel eindeutig auf ein jüngeres Publikum abzielt: Der Schwierigkeitsgrad darf nicht unterschätzt werden! Zumindest dann nicht, wenn ihr nicht nur auf Beendigung der Levels aus seid, sondern auch alle Truhen und Geheimnisse entdecken wollt. Knapp bemessene Zeit bei den Bonusleveln und schwer zugängliche Schätze machen euch dabei gerne einen Strich durch die Rechnung.

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Alles aus Zucker!

Okay, kommen wir zum definitiv auffälligsten Gesichtspunkt: Die Optik. Nachdem Kirby sich im Vorgänger auf der Wii als quietschbuntes Garn durchs Dreamland geschlängelt hat, schmeißt er sich und seine Umwelt nun in nicht minder farbfältiges Knetgewand. Und was soll man sagen? Ein großes Kompliment an Nintendo. Wie dieses Unternehmen es einfach seit Jahren, ach, Jahrzehnten schafft, seinen Videospielen eine Haptik zu verleihen, die quasi visuell ertastbar ist – es ist ein Traum! Noch nie wurde das Dreamland seinem Namen wirklich so gerecht. Doch bei all der quietschbunten Knet-Optik darf der Soundtrack nicht vergessen werden. Neue Melodien mischen sich mit bereits bekannten Songs aus dem Kirby-Universum, die teilweise so bahnbrechend neu aufgelegt wurden, dass ich mir vor Staunen die Ohren reiben musste und fast Tränen in den Augen hatte. Wer einmal zu Welt 2 vorgedrungen ist und dort die Instrumental-Version von Coo's Theme gehört hat erkennt spätestens dann, dass Videospielmusik zu den großartigsten Vertretern des Mediums gehört. Der absolute Wahnsinn!

Mehrwert durch Staubfänger

Und dann war da noch die Sache mit den Amiibos. Hach Nintendo, ich mag dich ja dafür, dass du dein Handwerk auch in physischer Form beherrscht. Amiibos sind wunderschön, ehrlich. Aber trotzdem will ich sie einfach nicht zu Hause stehen haben. Schieb es auf meinen Einrichtungsstil, aber obwohl sie liebevoll gestaltet sind, sehe ich keinen Grund, mir die kleinen Figürchen zusätzlich zu Hard- und Software zu kaufen. Versteht mich nicht falsch, Amiibos haben definitiv ihre Daseinsberechtigung: Als begehrte Sammlerstücke bei Fans oder Trading-Object bei der jüngeren Spielerschaft. Aber als Bevormundung von Spielern, die weder Kirby noch König Dedede oder den Meta-Knight-Amiibo besitzen? Nope. Denn jede dieser Figuren bringt dem Spieler bei Kirby und der Regenbogenpinsel einen Vorteil, sei es zusätzliche Spurtgeschwindigkeit oder eine Erweiterung der Lebensleiste. Dies sind keine netten Zusatzfeatures, sondern vorteilsbringende Spiel-Elemente. Natürlich lässt sich das Spiel auch ohne diese Extras spielen, dennoch ist es Etwas, dessen Ausbau ich befürchte. Daher ist dies auch der Grund, einem eigentlich tollen Spiel mit kleinen Schwächen nochmals Punkte abzuziehen. Nintendo bekommt als einer der wenigen Publisher seine DLC-Politik hervorragend geregelt, Mario Kart 8 hat es vorgemacht. Ich hoffe, dass Einsatz und Zusatzleistung von Amiibos in Zukunft weiter optional bleiben werden.

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Wertung

6/10
Getestet von Dominic

Hammer Optik. Hammer Soundtrack. Und das Gameplay macht auch Laune - kurzzeitig. Für jüngere Spieler ist Kirby und der Regenbogenpinsel definitiv empfehlenswerter. Ich mag dieses Spiel, aber langfristig hat es mich nicht überzeugt. Und irgendwie hätte ich gerne mal wieder ein Kirby im klassischen Stil. Wie geht es euch?

Na, angefixt?
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