L.A. Noire Test - Das kleine Schwarze, ganz groß

Tobias Heidemann
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Die Revolution interaktiver Erzählung, ein Meilenstein des Storytellings – jaja, den Schmuh kriegen wir jedes Jahr wieder von der Spieleindustrie vorgesetzt. Von den unterirdischen Full Motion Videos der neunziger Jahre bis zum letztjährigen Plothole-Fest aus dem Hause Quantic Dream haben wir immer noch einen Schritt gemacht auf dem Weg zum Höhepunkt, zum Ziel: der filmreifen Erzählung in Videospielen.

L.A. Noire Test - Das kleine Schwarze, ganz groß

Sollte Rockstar, heilige Kuh der Open World Gamer, mit L.A. Noire jetzt den Schlusspunkt setzen, den Aufstieg vollenden?

Falls ja, so haben wir das dieses Mal jedenfalls nicht den New Yorkern zu danken, sondern dem australischen Studio Team Bondi, in dessen Portfolio sich bisher nicht das Geringste finden lässt, das aber dennoch den gehypten Adventure-Action-Hybriden für Rockstar Games anfertigen durfte. Ein Frischling also, der uns komplett die Hosen ausziehen will? Und dann auch noch auf so frische Art und Weise? Im Vorfeld hat man nicht einmal wirklich erfahren, was für ein Spiel da auf uns zukommt. Ja gut, wir spielen einen Polizisten und müssen in Los Angeles Verbrechen aufklären, aber welches Genre erwartet uns? So lange Rockstar draufsteht, muss ja Open World und ordentlich Geballer mit von der Partie sein, oder? Mal sehen.


Das Jahr ist 1947, Harry S. Truman sitzt im Weißen Haus und die Nachkriegszeit meint es mit den meisten Menschen nicht allzu gut. Los Angeles ist die Hochburg der geplatzten Träume, ein Schmelztiegel der Enttäuschung, gescheiterter Existenzen und vergessener Moral. Hollywood lockt täglich hoffnungsvolle Verlierer auf das gefährliche Pflaster und viel zu viele enden mit einem Messer im Bauch oder einer Spritze im Arm. Cole Phelps ist hier Streifenpolizist und stolpert eines Tages über einen Fall, der seinen Namen schnell bekannt macht. Von nun an wird Cole, jetzt Detective, durch die verschiedenen Dezernate gereicht und lernt dabei L.A. mit all seinen Facetten und schmutzigen Geheimnissen kennen.

Und somit auch wir. Zusammen mit Cole durchlebt der Spieler nacheinander den Dienst beim Verkehrsdezernat, Mordangelegenheiten, der Sitte und bei der Brandstiftung. Spielerisch unterscheiden sich diese Kapitel nicht voneinander, wenngleich in der zweiten Hälfte ein größerer Fokus auf Action gelegt zu sein scheint. Denn spielerisch ist L.A. Noire ein Hybrid: vorrangig und überwiegend ist es eine Art Pseudo-Adventure mit ordentlichem Ace-Attorney-Einschlag. Cole und sein Partner, je nach Dezernat ein anderer, erhalten einen Fall, fahren zum Tatort und untersuchen dort Spuren.

l a noire

Cole kann Leichen, sofern vorhanden, näher betrachten und kleine Objekte vom Boden aufheben und genauer untersuchen. Manchmal gibt das Aufschluss über das Verbrechen – oftmals ist das untersuchte Objekt aber einfach nur Müll, was Cole uns dann dankenswerterweise schnell genug mitteilt. Wer keine Lust auf Spurensuche hat, kann sich mit optional hinzuschaltbaren Klanghinweisen und Controllervibrationen durch die Tatorte tasten, ein nettes Komfortfeature, das aber natürlich die Entdeckerfreude ein wenig hemmt.

Dann gilt es, mit Zeugen und Verdächtigen zu reden, sie mit den Beweisen zu konfrontieren und Informationen zu erlangen. Auftritt: MotionScan-Technologie, um die im Vorfeld bereits einiges Gewese gemacht wurde und die in Bewegung tatsächlich verblüffend anzusehen ist. Mit 32 Kameras wurden die Schauspieler gefilmt, jede Nuance ihrer Mimik eingefangen und anschließend digitalisiert. Das Ergebnis sind äußerst realistische Gesichtsanimationen, teils erschreckend realistisch.

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