Life is Strange: Before the Storm in der Vorschau – Keine zweite Chance

Lisa Fleischer
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Wer Chloe ist, das wissen wir seit dem ersten Teil von Life is Strange. Was sie zu genau dem gemacht hat, was sie in dem Spiel ausmacht, das möchte das Prequel Before the Storm beleuchten. Und verzichtet dabei vollkommen auf das wichtigste Feature der ersten Teils: Das Zurückspulen.

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Life Is Strange: Before the Storm First Gameplay

Life is Strange mit Zurückspul-Funktion hat so gut funktioniert, dass einige das Spiel sogar den verwandten, aber deutlich bekannteren Telltale-Spielen vorziehen. Aber kann das Spiel auch ohne Reise in die Vergangenheit überzeugen? Ich habe die ersten Szenen von Before the Storm angespielt und kann jetzt schon verraten: Trotz des Punker-Szenarios des neuen Spiels fühlt sich Life is Strange durch den unumkehrbaren Charakter deutlich erwachsener an.

Etwas Orientierung für Chloe

Das Spiel setzt am absoluten Tiefpunkt für Chloe ein: Lange ist es noch nicht her, dass ihr Vater verstorben ist, ihre beste Freundin Max ist vor kurzem weggezogen. Und dann hat ihre Mutter auch noch einen neuen Freund: Den Ex-Soldaten David, den Chloe von Anfang an nicht leiden kann. Kein Wunder, dass sie anfängt, zu rebellieren, sich die Haare drastisch kürzt und Punk für sich entdeckt.

Genau dort startet meine Demo. Ich betrete mit Chloe ein illegales Punk-Konzert in einer Scheune. Hier hat sie ihre erste Konfrontation mit unfreundlichen Merchandise-Verkäufern, angsteinflößenden Schlägern – und Rachel, ihrer baldigen besten Freundin.

Noch ist ihr das natürlich nicht bewusst, ist Rachel ihr doch als talentierte und allseits beliebte Schülerin an der Blackwell Academy bekannt – mit der Chloe als Außenseiterin nicht wirklich Kontakt hat. Wie ich erfahre, ist Rachel entgegen allem Anschein aber schon weitaus gefestigter in der Punk-Szene als Chloe und rettet sie aus einer ziemlich ausweglosen Lage.

Liebe zum Detail

Anders, als der dem ersten Teil sehr ähnliche Stil suggeriert, arbeitet an Before the Storm nicht etwa Dontnod (die gerade mit Life is Strange 2 beschäftigt sind), sondern Deck Nine Games. Diese haben sich besonders Mühe gegeben, Fans den Entwicklerwechsel nicht bemerken zu lassen. So sieht das Haus von Chloes Eltern genauso aus wie im ersten Teil, nur ist das Zimmer von Chloe weitaus kindlicher.

Auch an noch so kleine Details haben Deck Nine gedacht: Handys sehen weitaus archaischer aus als in Life is Strange. Logisch, spielt Before the Storm doch weit vor den Ereignissen des ersten Teils. Dadurch, dass das Prequel trotz des anderen Entwicklers so nahe an der Vorlage ist, werden überall Erinnerungen an Life is Strange wach. Sei es durch Charaktere, Schauplätze oder alleine den Stil.

Trotzdem versichert mir Publisher Square Enix, dass du Before the Storm auch dann spielen kannst, wenn du Life is Strange verpasst hast. Before the Storm könnte dir sogar einen noch besseren Einstieg bieten, erzählt es doch die Vorgeschichte, ohne etwas vom ersten Teil zu verraten.

Alles beim Alten?

Wie schon bei Life is Strange haben auch in Before the Storm all deine Taten und Entscheidungen Konsequenzen: In der Demo lasse ich Chloe ein Bier trinken. Anschließend trifft sie auf einen Betrunken, der auf dem Boden schläft. Sie lässt verlauten, dass sie heute Abend bestimmt genauso enden wird. Anschließend wird mir gesagt, dass Chloe auf die Betrunkenen anders reagiert, je nachdem eben, wie ich mich bei dem Bier entschieden habe.

Anders als im ersten Teil sind all meine Entscheidungen final und können nicht wieder rückgängig gemacht werden. Noch bin ich skeptisch, ob das in allen Belangen funktioniert. Was beispielsweise passiert, wenn ich mich einmal falsch entscheide und das Leben von Chloe in Gefahr bringe? Sterben werde ich ja wohl kaum können, ist doch bekannt, dass Chloe in Life is Strange quicklebendig ist.

Trotzdem geben die endgültigen Entscheidungen dem Spiel einen reiferen Charakter als noch Life is Strange und verdeutlichen das Dilemma von Chloe: Jede ihrer Entscheidungen prägt sie, bringt sie voran, aber kann auch schmerzen, ohne dass Chloe etwas dagegen machen könnte. Sie muss lernen, dass sie im Leben nicht alles in der Hand hat – und wird so zu dem, was sie in Life is Strange nun mal ist.

Mein Vorschau-Fazit: (Noch) nicht alles rund

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Nicht nur die fehlende Spulfunktion bereitet mir noch Kopfzerbrechen, auch Chloes Gangart ist mir beim anspielen negativ aufgefallen. Weil sie damit cooler wirkt, läuft Chloe nämlich sehr, sehr langsam. Ich hingegen bin die Ungeduld in Person und deshalb schon jetzt gespannt, ab welchem Punkt mir Chloes Tempo so richtig auf die Nerven geht. Noch mehr Bauchschmerzen bereitet mir, dass Before the Storm längst nicht so fantastisch sein soll wie der erste Teil. Wie die Entwickler uns Spieler trotzdem bei Laune halten wollen, ist mir derzeit noch Schleierhaft.

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Trotzdem hat mich das, was ich schon jetzt von Before the Storm gesehen habe, keineswegs enttäuscht. Das Punker-Setting ist stimmig und erinnert mich an meine eigene Jugend, Chloe ist so launisch und draufgängerisch wie eh und je und die erneute Detailverliebtheit macht mir jetzt schon Lust auf einen erneuten Besuch in Arcadia Bay. Wenn es Deck Nine jetzt noch hinbekommt, einen Dreh in der Story zu finden, der Spannung ins Spiel bringt, steht Before the Storm nichts mehr im Wege, wenigstens genauso oder gar noch besser als Life is Strange zu werden.

Weitere Themen: Life is Strange, Square Enix

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