Erinnerst du dich noch an deine Jugend? Wie sich von einem Tag auf den anderen alles verändert hat, ob du es wolltest oder nicht? Before the Storm versetzt dich jetzt noch einmal in genau diese Phase und konfrontiert dich mit Entscheidungen, von denen du dachtest, dass du sie nie wieder treffen müsstest.

Darum geht es in der gesamten Season von Life is Strange – Before the Storm:

Life is Strange: Before the Storm – Trailer der kompletten Season
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Du hast keine Lust, den gesamten Test durchzulesen? Ganz unten findest du eine Zusammenfassung! 

Before the Storm setzt am gefühlten Tiefpunkt von Protagonistin Chloe Price ein. Ja, genau die Chloe Price, die im ersten Teil von Life is Strange knallblaue Haare trägt und die du in der Rolle von Max in der Anfangssequenz vor dem Tod bewahrst. In Before the Storm ist das alles noch gar nicht passiert. Max ist erst vor wenigen Monaten nach Seattle gezogen, Chloes Vater ist bei einem schweren Autounfall ums Leben gekommen und ihre Mutter trifft sich mit einem neuen Mann, David, den Chloe von Anfang an nicht ausstehen kann.

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Das Feuer breitet sich aus

Ganz schön viel zu verdauen für eine Sechzehnjährige. Ihre Wut auf ihre Mitmenschen, die sich in den letzten Monaten angestaut hat, lässt sie auf mehrere Arten heraus. Sie riskiert eine dicke Lippe, schwänzt die Schule, raucht Gras oder hinterlässt ihre persönliche Marke in Form von Graffitis auf wahllosen Gegenständen. Natürlich gibt es in ihrem tristen Teenager-Leben trotzdem Highlights. So schleicht sie sich ganz am Anfang der ersten Episode auf ein illegales Punk-Konzert der Band Firewalk.

Hier gerät sie nicht nur an zwielichtige Kerle, die ihr an den Kragen wollen, sondern trifft auf Rachel Amber – das beliebteste Mädchen der Schule, in deren Liga Chloe nicht mal ansatzweise ist. Aus dem ersten Teil weißt du sicherlich schon, dass sie trotzdem zu besten Freundinnen (oder mehr) werden. Wie, das will dir Before the Storm erzählen.

Alter Charm im neuen Gewand

Das Prequel ist nicht die direkte Fortsetzung zu Life is Strange und wird auch nicht von Dontnod, sondern Deck Nine entwickelt. Das neue Team hat es sich zur Aufgabe gemacht, den alten Charme von Life is Strange in neuem Gewand zurückzubringen. Dazu haben sie eng mit den ursprünglichen Entwicklern zusammengearbeitet. Das merkst du vor allem, wenn du Gebiete betrittst, die du schon aus dem ersten Teil kennst. Das Zimmer von Chloe wirkt kindlicher, ist aber trotzdem das gleiche große Chaos wie in Life is Stange. Und auch altbekannte Charaktere wie Victoria oder Nathan laufen dir über den Weg.

Trotz der großen Fußstapfen haben es die Entwickler geschafft, so einige neue Elemente ins Spiel zu bringen. Da Chloe wesentlich jünger ist als im ersten Life is Strange, ist sie trotz ihrer harten Attitüde immer noch verspielt. Um das zum Ausdruck zu bringen, hat Deck Nine im Spiel einige optionale Mini-Games versteckt. Diese sind nicht nur eine gelungene Abwechslung zum eher ernsten Thema des Älterwerdens, sondern fügen sich flüssig ins sonstige Gameplay ein und zaubern dir durch ihre Leichtigkeit ein Lächeln aufs Gesicht.

Life is Strange ohne Zurückspulen – funktioniert das?

Erwachsen werden ist brutal

Der größte Unterschied zu Life is Strange ist das Gameplay. Von Anfang an betonte Entwickler Deck Nine, dass die Zurückspulfunktion, die den ersten Teil ausmachte, hier keine Rolle spielt und damit Max vorbehalten bleibt. Das heißt, jede deiner Entscheidungen ist final. Teilweise haben sie ein Nachspiel, das Chloe sicherlich nicht gefällt, dafür aber umso mehr prägt. Das ist konsequent und sagt aus: Erwachsen werden ist brutal; ob du willst oder nicht.

Natürlich bietet dir Before the Storm dafür noch nie dagewesene Mechaniken an. Dass du T-Shirts sammeln und anziehen sowie Graffitis an bestimmten Stellen hinterlassen kannst, war schon bekannt. Interessant ist daran, dass sich diese vermeintlich kleinen Entscheidungen unerwartet auf das ganze Spiel auswirken können. Je nachdem, welches Shirt du beispielsweise zu Beginn der zweiten Episode anziehst, macht Rachel dir ein darauf abgestimmtes Kompliment. Und entscheidest du dich in der ersten Episode dafür, ein Graffiti an Drogendealer Franks Bauwagen zu hinterlassen, hat das für ihn in der zweiten schwerwiegende Konsequenzen.

Ganz neu ist, dass die vorlaute Chloe verbale Duelle starten kann. Diese gestalten sich wie ein kleines Minispiel; je nachdem, was dein Gegenüber erwidert, wählst du wiederum eine passende Antwort aus. Anders als andere Entscheidungen im Spiel musst du diese allerdings unter Telltale-artigem Zeitdruck treffen. Liegst du falsch oder läuft dir die Zeit davon, geht die Diskussion zu deinem Nachteil aus und du musst mit den Konsequenzen leben.

Problembehaftet

Mich hätte das neue Konzept sicherlich voll und ganz in seinen Bann gezogen, wären da nicht die vielzähligen technischen Schwächen, die Before the Storm überschatten. Ja, die Texturen bei Life is Strange waren ebenfalls weit weg vom Optimum. Bei Before the Storm hatte ich aber leider so sehr mit der Kamera zu kämpfen, dass mich das immer wieder aus der Geschichte riss. Ständig setzte das Spiel die Kamera, die ich mühevoll ausgerichtet hatte, auf den Nullpunkt zurück und verweigerte mir so einen besseren Überblick über die liebevoll gestaltete Welt.

Ein weiterer Punkt, der mir bei der Ankündigung von Before the Strom Bauchschmerzen bereitet hat: Im Spiel wollten die Entwickler komplett auf übernatürliche Elemente verzichten. Wie trotzdem Spannung aufgebaut werden sollte, war mir ein Rätsel. Anders als befürchtet, verzichten sie aber nicht auf die psychedelischen Sequenzen aus Life is Strange, sondern betten sie in einen psychologischen Kontext ein. Nicht nur einmal führt Chloes Gehirn ihr den Tod des eigenen Vaters erneut vor Augen. Schnell wird klar: Das prägende Erlebnis hat tiefe Wunden in ihrer Psyche hinterlassen, die sich vielleicht nie mehr ganz schließen.

Rachel auf der anderen Seite kommt aus einem scheinbar behüteten und vor allem ziemlich gut betuchten Elternhaus. Doch auch sie sieht sich mit immer mehr familiären Problemen konfrontiert, die sie nicht alleine lösen kann. So wirst du in der ersten Episode Zeuge eines scheinbaren Fehltritts ihres Vaters, den Rachel zunehmend betrübt, fühlt sie sich doch allein gelassen, In den folgenden Episode versuchen die beiden Mädchen, vor allem über diesen Zwischenfall mehr herauszufinden – und geraten dadurch nicht nur einmal in verängstigende und sogar lebensbedrohliche Situationen.

Genau dieses fehl am Platz fühlen verbindet die beiden Mädchen – Rachel verliert das Vertrauen in die Familie, die Chloe schon lange nicht mehr hat. Im Verlauf des Spiels stehen sie sich zur Seite, schmieden Pläne für die Zukunft und sehen, dass nicht alles immer so läuft, wie sie sich das vorgestellt haben. Chloe muss lernen, dass auch sie nicht unfehlbar ist und Rachel wird mit Verlusten konfrontiert, die ihre neue beste Freundin im Verlauf des Spiels immer besser zu verarbeiten weiß. Das alles schweißt sie zusammen – und gibt den Geschehnissen des Hauptspiels einen noch tiefgründigeren und traurigeren Unterbau.

Mein Fazit zu Life is Stange: Before the Storm

Auch, wenn mich die fehlerbehaftete Kamera und die Texturfehler, die noch gravierender sind als beim ersten Teil, oft an den Rande der Verzweiflung trieben, habe ich dem Spiel die Probleme angesichts der emotional packenden Geschichte schnell verziehen. Die Kombination aus Punker-Musik, Schwierigkeiten mit dem Erwachsenwerden und psychischen Problemen macht betroffen. Aufgelockert werden sie durch innovative Mini-Spiele, die sich perfekt in den sonstigen Verlauf des Spiels einfügen.

Deshalb ist Life is Strange besser als jedes Telltale-Spiel

Eine emotionale Achterbahnfahrt, die dich im Verlauf des Spiels oft Tränen kostet, aber trotzdem nicht verpasst, dir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Leider fällt das Ende (zumindest in meinem Fall) wesentlich unemotionaler als der Rest des Spiels aus. Das macht aber nichts; bei Before the Storm gilt eben wie im Leben: Der Weg ist das Ziel. Mit den ein oder anderen Ausnahmen schafft es Deck Nine mit Before the Storm, die Fäden so zusammenzuziehen, dass das Hauptspiel Life is Strange passend mit neuen Zusammenhängen unterfüttert und dadurch sogar noch schlüssiger und runder wird.

 

Wird dir gefallen, wenn du die Welt, Charaktere und Atmosphäre von Life is Strange geliebt hast, auf innovative Spielkonzepte sowie psychologischen Horror stehst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du Punker scheiße findest, technische Fehler als No-Go betrachtest und Life is Strange erst zu Ende spannend für dich wurde.

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