Lost Planet 3 Video-Preview: Das macht ja Spaß?!

Robin Schweiger
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Die Ankündigung von Lost Planet 3 sorgte für Ratlosigkeit. Nachdem der zweite Teil eine große Enttäuschung war, gab Capcom die Serie plötzlich in den Westen ab – zum Entwickler „Spark Unlimited“. Der wiederum zeichnet sich mit „Legendary“ und „Turning Point“ für zwei der schlechtesten Shooter dieser Konsolengeneration verantwortlich. Und das soll funktionieren?

Lost Planet 3 Video-Preview: Das macht ja Spaß?!
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Lost Planet3 - Preview

Lost Planet 3“ spielt zeitlich vor den Geschehnissen des ersten Teils. Der Planet E.D.N. III ist noch immer vollständig mit Eis bedeckt und die Akriden sind eine noch größtenteils unbekannte Gefahr. Verschwunden sind die extrem abgefahrenen Sci-Fi-Mechs der ersten beiden Teile, stattdessen steigt ihr nun in mehrere Meter hohe, langsame Arbeitsroboter. Statt riesiger Maschinengewehre und Raketenwerfer sind Bohrer und Greifzange an die Roboter montiert. Auch der Hauptcharakter wirkt wesentlich schwächer und – man möchte das Wort bei dieser Serie kaum in den Mund nehmen – realistischer. Jim Peytons einziges Ziel ist es nämlich, E.D.N. III zu verlassen und endlich wieder zu seiner Frau auf die Erde heimkehren zu können. Dafür braucht er jedoch viel Geld – das er sich erarbeitet, indem er besonders gefährliche Aufträge seines Arbeitgebers NEVEC annimmt. Für den soll er nach neuen Vorkommen von Thermalenergie suchen.

Bei “Lost Planet” hält der Realismus Einzug

Vorbei sind die Zeiten, in denen euer Charakter wild durch die Gegend sprintete und mit seinem Greifhaken dutzende Meter in wenigen Sekunden zurücklegen konnte. Jim ist wesentlich verletzlicher. Sind wir etwa draußen in einem Schneesturm unterwegs hält er sich schützend die Hand vors Gesicht und läuft langsam durch das kniehohe Weiß. Habt ihr in den ersten beiden Teilen innerhalb einer Spielstunde hunderte von Akriden getötet, ist nun jeder Einzelne eine Bedrohung für euch.

Zu Beginn des Levels können wir uns frei in der NEVEC-Basis umschauen, Gesprächen lauschen und die extrem detaillierte Umgebung studieren. Besonders beeindruckend sind die Gesichtsanimationen, die uns Jim zusammen mit der tollen Mimik und der großartigen englischen Sprachausgabe innerhalb weniger Minuten ans Herz wachsen lassen. Hier können wir dann sogar Nebenaufgaben annehmen.

Nun schwingen wir uns aber zunächst einmal in unser Rig – so heißen die Mechs nun. An dieser Stelle springt das Spiel in eine Cockpit-Perspektive, in der wir das ganze Gewicht des riesigen Roboters besonders spüren können. Jede Bewegung braucht Zeit und wir kommen nur langsam voran. Während wir einige Scans über uns ergehen lassen und uns darauf vorbereiten, den Eisplaneten auf der Suche nach Thermalenergie zu erkunden, bekommt Jim einen Anruf seiner Frau, die ihm erklärt, wie sehr sie ihn vermisst und wie es dem Baby geht. Schnell wird klar: Story und Atmosphäre sind in „Lost Planet 3“ wesentlich wichtiger als in den Vorgängern.

Endlich öffnet sich das Tor und wir stolzieren hinaus auf den Eisplaneten. Vor uns erstreckt sich eine riesige Landschaft, begleitet von toller Musik blicken wir auf gigantische Eissäulen. Am Horizont toben gefährliche Elektro- und Eisstürme. Unser Rig stapft durch die Schneelandschaft, geradewegs auf unseren nächsten Wegpunkt zu, als der Sturm sich urplötzlich auf uns zubewegt. Wie eine Druckwelle jagt das Eis auf uns zu und innerhalb weniger Sekunden sind wir festgefroren. Der einzige Ausweg: Aus dem Rig hinausklettern und den Mech mit Waffengewalt vom Eis befreien.

Sobald wir wieder auf eigenen Beinen stehen wechselt die Kamera in die klassische Third-Person-Ansicht, nun steuert sich „Lost Planet“ wie jeder andere Shooter auch – ein Deckungssystem gibt es glücklicherweise nicht. Kaum sind wir aus unserem metallenen Begleiter ausgestiegen, werden wir auch schon von einer Horde katzenartiger Akriden angegriffen – den ersten erledigen wir in einem geskripteten Quick-Time-Event mit unserem Messer, den anderen heizen wir mit unserem Maschinengewehr ein. Sobald sich eine Gelegenheit bietet, ballern wir außerdem das Eis von unserem Rig weg. Ist das geschafft, steigen wir wieder in die Maschine ein – dann sind die kleinen Akriden chancenlos. Mit der Greifzange am linken Arm greifen wir sie, nur um dann den riesigen Bohrer am rechten Arm in ihren Körper zu jagen.

Kurz darauf finden wir eine Höhle, in der wir Thermalenergie abbauen können. Mit dem in “Lost Planet 3” noch immer vorhandenen Greifhaken (der aber nicht mehr so absurde Entfernungen zurücklegen kann, wie in den ersten beiden Teilen) steigen wir in die Tiefe hinab und treffen dort auf einen großen Zwischengegner. Durch perfekt getimte Ausweichrollen weichen wir seinen Angriffen aus, um daraufhin durch konzentriertes Feuern auf seine orange leuchtenden Schwachpunkte seine Gliedmaßen zu entfernen – auch sein Angriffsmuster verändert sich dementsprechend.

Dead Planet Lost in Space?

Haben wir uns dieser Bedrohung entledigt, begeben wir uns in eine verlassene Forschungsbasis, die wir innerhalb der Höhle gefunden haben. Die Gänge sind dunkel, bedrohliche Musik spielt im Hintergrund und noch bedrohlichere Schatten huschen an den Wänden entlang: „Lost Planet 3“ wagt einen Ausflug in Richtung Survival-Horror à la „Dead Space“, auch das in die Umgebung projizierte Interface scheint direkt aus EA‘s Schocker entnommen worden zu sein. Das muss jedoch nicht schlecht sein: Durch die tolle Grafik und das Sounddesign baut sich eine durchaus bedrohliche Atmosphäre auf.

Schließlich entkommen wir wieder aus der Basis und schwingen uns zurück in unser Rig – woraufhin erneut ein Bossgegner auftaucht. Im Cockpit unseres Mechs müssen wir die Angriffe des riesigen Akriden nun blocken und uns anschließend seine Gliedmaßen greifen, um sie mit unserem Bohrer zu malträtieren. Anstatt also in einem übermächtigen Sci-Fi-Roboter mit Raketen zig Monster gleichzeitig zu beschießen, bietet „Spark Unlimited“ uns das Gefühl, dass die Akriden unseren Rig jederzeit zerstören können – schließlich ist der gar nicht fürs Kämpfen gedacht. Umso brutaler rammen wir den Bohrer durch Beine und Bauch unseres Gegners.

Ausblick:

Wie konnte das nur passieren? Da wird eine tote Serie in die Hände des Entwicklers von „Turning Point“ gelegt und heraus kommt eine der größten Überraschungen des bisherigen Jahres. Bei „Spark Unlimited“ scheint sich einiges getan zu haben, bei Capcom sprach man sogar von einem „Rundumschlag“ bei den Beschäftigten des Entwicklers.

„Lost Planet 3“ hat bis auf das Setting nur noch wenig mit seinen Vorgängern zu tun. Stattdessen scheint sich der Shooter nun sehr viel mehr auf seine Geschichte und die Amtosphäre zu fokussieren. Die neuen Mechs sind zudem eine richtig coole Abwechslung vom Shooter-Einerlei. Nun kommt es ganz darauf an, wie sie später im Spiel eingesetzt werden. Sind wir die ganze Zeit mit dem gleichen Rig unterwegs, wird auch die beste Idee irgendwann langweilig.

So oder so: „Lost Planet 3“ hat uns wirklich aus den Socken gehauen und könnte nicht nur die Rettung der Serie, sondern auch des Entwicklers „Spark Unlimited“ werden.

Ersteindruck: Sehr gut

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