Am 23. Januar brachten Tokyo RPG Factory und Square Enix Lost Sphear auf den Markt – ein JRPG, das an die goldenen Zeiten des Rollenspiels anknüpfen soll. Gelingt die Zeitreise?

Lost Sphear - Trailer
968 Aufrufe

Mit I Am Setsuna machten Tokyo RPG Factory und Square Enix 2006 eine besondere besondere Freude. Das Rollenspiel-Abenteuer um eine todgeweihte junge Frau lehnte sich grafisch und spielerisch an die größten Hits der 16-Bit-Ära an und präsentierte sich als spielbarer Liebesbrief an RPG-Klassiker wie Final Fantasy III, Secret of Mana oder Chrono Trigger.

Das am 23. Januar erschienene Lost Sphear ist nun der zweite Streich der Entwicklerschmiede. Held des Spiels ist der junge Kanata. Er allein hat die Gabe, auf mysteriöse Weise verschwundene Menschen und Orte wieder in die Welt zurück zu holen, indem er die verlorene Erinnerung an sie aufspürt. Unterstützt wird er dabei – natürlich – durch eine Riege illustrer Freunde.

Mehr Retro-JRPGs gefällig? Hier geht's zum Test von I am Setsuna.

Ready? Fight!

Die Fähigkeiten seiner Freunde wird Kanata auf seiner Reise auch brauchen, denn um verlorene Erinnerungen zu bergen, gilt es das ein oder andere Monster zu besiegen. Hierbei greift Lost Sphear, ähnlich wie I Am Setsuna, auf das altbewährte Active Time Kampf-System aus Chrono Trigger zurück.

Kämpfe beginnen automatisch, sobald die Helden sich einem Gegner nähern. Ist die Aktivitäts-Anzeige eines Helden voll aufgefüllt, kann er mit Standard-Attacken, Zaubersprüchen oder Gegenständen in den Kampf eingreifen. Vorab lassen die Helden sich auf dem Schlachtfeld auch noch so positionieren, dass ihre Attacken die maximale Wirkung entfalten können – strategisches Denken lohnt sich in Lost Sphear.

Ob Lost Sphear in diese Liste aufrücken kann? Das hier sind die besten (J)RPGs aller Zeiten: 

Bilderstrecke starten
11 Bilder
Famitsu-Leser: Das sind die 10 besten (J)RPGs aller Zeiten

Wie in I Am Setsuna verfügt auch hier jeder Held außerdem über eine Momentum-Anzeige, die sich füllt, wenn er angreift oder selbst einsteckt. Ist der Balken voll, kann eine mächtige Momentum-Attacke ausgeführt werden, die dem Gegner ordentlich zusetzt. Tatsächlich lohnt es sich, auf Momentum-Attacken zu setzen, wann immer es möglich ist, denn es kann nichts für einen späteren Zeitpunkt angespart werden – ungenutztes Momentum verpufft am Ende eines Kampfes einfach.

Zusätzliche Verstärkung erhalten Kanata und seine Freunde durch die uralten Vulcosuits, die im Spielverlauf freigeschaltet werden können. Die machtvollen Mech-Rüstungen dürften das Herz jedes Gundam- oder Power-Rangers-Fans höher schlagen lassen. Allerdings kommen sie in der Realität eher selten zum Einsatz, da ihre Akkus ziemlich schwach sind und nur an bestimmten Orten in der Spielwelt wieder aufgeladen werden können. Für den oder anderen besonders harten Boss-Kampf sind die Vulcosuits aber allemal zu gebrauchen.

Lost Sphear: Das Best-Of-RPG

Klingt ganz schön viel? Ist es auch. Und dabei habe ich noch nicht mal alles erwähnt. Damit kommen auch wir zu einem der Hauptprobleme von Lost Sphear: Das Spiel wirkt an vielen Stellen reichlich überladen.

Die zahlreichen Features und Mechaniken sind zwar gut durchdacht, aber für die relativ lineare Quest einfach unnötig. Wer nur ein bisschen aufpasst und die sich bietenden Chancen nutzt, ist schon nach dem ersten Drittel des Spiels so stark, dass die restliche Reise kaum noch eine Herausforderung darstellt. Mehr als einmal erwischte ich mich dabei, dass ich Power-Ups und neue Zauber einfach am Wegesrand liegen ließ, weil ich sie nicht brauchte. Für absolute RPG-Anfänger könnte die Fülle der Möglichkeiten dagegen schnell überfordernd sein, da nicht klar gestellt wird, was spielentscheidend und was nebensächlich ist.

Kauf' hier Lost Sphear für Deine Playstation oder Nintendo Switch! *

Fast scheint es, als habe Tokyo RPG Factory in Lost Sphear einfach alle Features unterbringen wollen, die es jemals in klassischen JRPGs gab. Die Story des Spiels unterstreicht diesen Eindruck noch. Die ist kompetent erzählt und stets um emotionale Tiefe bemüht, aber auch absolut vorhersehbar. Selbst die vermeintlichen Twists der Handlung sieht der erfahrene Rollenspieler schon aus kilometerweiter Entfernung kommen. Was dabei am Ende rauskommt, ist eine Geschichte, die an Malen nach Zahlen erinnert: Passt gut zusammen und kann durchaus hübsch aussehen, hält aber keinerlei Überraschungen bereit.

Das alles soll allerdings nicht heißen, dass Lost Sphear keinen Spaß macht. Im Gegenteil: Die farbenprächtige, vielfältige Spielwelt lädt vom ersten Moment an zum Erkunden ein und wird bis Ende des Spiels nicht langweilig. Auch die skurrilen, kreativ erdachten Bosse tragen hierzu einen großen Teil bei. Neben insektenartigen Drachen und Riesen-Fröschen trifft Kanatas Truppe auch auf Steampunk-Roboter oder eine lebende Wand – da macht das Kämpfen gleich doppelt Spaß.

Zusammenfassung und Fazit

Mit Lost Sphear ist Tokyo RPG Factory ein zweiter Liebesbrief an die goldenen Zeiten des Rollenspiels geglückt. Während I Am Setsuna noch als Hommage durchgehen konnte, präsentiert Lost Sphear sich eher als Remake oder Best-Of der klassischen Vorbilder. Wer auf einen reinen Nostalgie-Trip aus ist, ist mit Lost Sphear mehr als gut bedient. Nur Überraschungen oder Neuheiten sollte hier niemand erwarten.

Lost Sphear wird Dir gefallen, wenn du bis heute nicht genug kriegen kannst von Secret of Mana oder Chrono Trigger.

Lost Sphear wird Dir nicht gefallen, wenn du so ziemlich jedes RPG unter der Sonne gespielt hast und von neuen Spielen auf jeden Fall neue Ideen erwartest.

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

* gesponsorter Link