Luigi’s Mansion 2 Test – Fast auf Mario-Niveau

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Angst ist nun wahrlich das Letzte, was ihr in „Luigi's Mansion 2“ empfinden werdet. Dafür werdet ihr aber eure wahre Freude an dem Schrecken haben, den der unfreiwillige Held Luigi in seinem zweiten Gruselabenteuer über sich ergehen lassen muss. Fünf unheimliche Villen gilt es zu besuchen, zahllose Gespenster aufzusaugen, Münzen und Scheine zu sammeln – und auch wenn Nintendos aberwitzige Nachtmahr nie wirklich großartig wird, so ist „Luigi's Mansion 2“ doch durchgehend gut.

Der Dunkelmond wurde zerstört. Das ist doof, schließlich hält der die örtlichen Geister bei Sinnen. Jetzt, da die Teile des Himmelskörpers auf fünf gespenstische Bauten verteilt sind, werden die Geister verrückt und gefährlich. Ein Auftrag für Luigi, der von Professor I. Gidd prompt den Schreckweg-Sauger in die Hand gedrückt bekommt und sich nun nach über zehn Jahren erneut auf Geisterjagd begeben muss.

“Luigi’s Mansion 2″ ist ein sehr detailverliebtes Spiel, das – wie sein Vorgänger auf dem Gamecube damals – versucht, alles aus dem 3DS heraus zu kitzeln. Das Resultat sind atmosphärisch unheimlich dichte Geisterhäuser und fantastische Animationen. Wie sich die spektralen Wesen bewegen, sich gegenseitig Streiche spielen, Luigi erschrecken, Mimik und Gestik – alles ist beinahe auf Pixar-Niveau.

Im Mittelpunkt steht dabei natürlich Luigi selbst, der euch nach diesem so gar nicht furchteinflößenden Horrortrip ans Herz wachsen wird. Seinen Humor bringt „Luigi's Mansion 2“ vor allem mit Slapstick rüber, in dem es Luigi als schreckhaften Tollpatsch zeichnet, bei dem es einfach nur Spaß macht, zuzugucken.

Spielerisch wandert „Luigi's Mansion 2“ auf bekannten Pfaden, die allerdings noch nicht allzu oft betreten wurden. Da wären der Vorgänger und das „Ghostbusters“-Videospiel aus dem Jahre 2009. Dadurch fühlt sich Nintendos Geisterkabinett zumindest anfangs noch frisch an, wenn wir mit Luigi Geister aufsaugen, an Schränken und Vasen rütteln, um Münzen und Scheine zu finden, oder diverse kleine Rätsel lösen.

Gern greift „Luigi's Mansion 2“ zur Illusion, um seine Knobeleien aufzubauen. Oft müssen wir versteckte Gegenstände per Darklight-Strahl vom Schreckweg-Staubsauger sichtbar machen oder müssen auf die Karte schauen, um geheime Türen zu entdecken, die in der Spielwelt sonst nicht erkennbar sind. Das und die Erkundung der teils recht großen Geisterhäuser macht durchaus Spaß, allerdings gibt es da auch ein paar größere Minuspunkte.

Statt uns ein Geisterhaus nach dem anderen frei erkunden zu lassen, ist das Spiel in Missionen aufgeteilt. Mal muss Luigi die Wasserpumpe im Keller reparieren, mal einfach nur den Schlüssel für den Haupteingang finden, mal fehlende Zeiger einer Uhr suchen, um ein Tor zu öffnen. Ist der Auftrag erfüllt, holt uns der kleine Professor I. Gidd in sein Labor zurück, wertet unsere gefangenen Geister und gesammeltes Gold aus und schickt uns auf die nächste Mission.

Dass wir dabei oft bereits erkundete Räume mehrmals besuchen, fällt vor allem im späteren Spielverlauf negativ ins Gewicht. So gibt es etwa Aufträge wie die Verfolgung von Geisterhunden, die wichtige Gegenstände klauen und die wir folglich durch das ganze (ich wiederhole: bereits besuchte) Geisterhaus jagen müssen. Da wird unmaskiert Spielzeit gestreckt – eine offenere Spielstruktur mit dynamischen Aufträgen hätte mehr Spaß gebracht.

Dazu kommen noch kleinere Frustmomente: In einigen Missionen müssen wir Toads retten und eskortieren – keine leichte Aufgabe bei der Wegfindung of Doom. Oder eher Wegfindung of “Dune” – statt sich einen eigenen Weg zu suchen, laufen die Pilzköppe schnurstracks zu uns, auch wenn da ein Hindernis im Weg steht und sie mit dem Kopf gegen die Wand latschen. Das konnte man anno 1992 in Westwoods Echtzeitstrategiespiel noch verzeihen, heute darf sowas nicht mehr passieren. Auch doof: Verlieren wir all unser Leben und haben keinen goldenen Knochen im Inventar (der uns wiederbeleben würde), müssen wir die ganze Mission noch mal starten. Das ist uns nicht oft passiert, an den Frust, eine 30-minütige Mission noch mal spielen zu müssen, erinnert man sich jedoch.

Nach dem Ärger kommt dann die nächste zuckersüße Zwischensequenz, in der sich Toad als Dank für seine Rettung freudig an Luigis Bein schmeißt, um ihn zu umarmen. Oder wir stolpern über ein Versteck, erledigen einen der seltenen Boo-Geister und finden einen geheimen Schatz – „Luigi's Mansion 2“ weiß uns trotz einiger Designfehler durchweg zu motivieren. Was wartet hinter der nächsten Tür auf uns? Und wie komme ich an diese eine Stelle auf der Karte?

Die Story wird euch – je nachdem, wie gründlich ihr die fünf Geisterhäuser nach Geheimnissen durchsucht – etwa zehn bis fünfzehn Stunden bei der Stange halten. Wenn dann die Credits über den Bildschirm rollen, findet ihr noch Kurzweil im Multiplayer-Modus. Dort könnt ihr mit Freunden entweder gemeinsam unter Zeitdruck Geister jagen oder den Levelausgang suchen, um so den Turm des Terrors Etage für Etage erklimmen. Oder ihr macht jagt auf Geisterhunde – je höher ihr kommt, desto schwerer wird es.

„Luigi's Mansion 2“ erlaubt in seinem Mehrspieler-Modus asynchrones Gameplay, da jeder Spieler andere Orte des jeweiligen Levels durchsuchen kann. Wer den Ausgang oder einen Geisterhund findet, ruft die anderen. Es kann aber auch passieren, dass man in eine Falle tappt und nur durch einen anderen Spieler gerettet werden kann – Kooperation ist also tatsächlich essentiell.

Fazit:

An dieser Stelle muss man Nintendo für den Mut loben, eine so alte Franchise wie „Luigi's Mansion“ wiederzubeleben. Statt uns bekannte Jump&Run-Kost zu servieren, bekommen wir ein gemächliches und humorvolles Abenteuer, das den Fokus auf Erkundung und Rätsel legt. Bisweilen wird „Luigi's Mansion 2“ zwar auch zu gemächlich, wenn es uns erneut in bekannte Räume schickt und den Spielfortschritt künstlich drosselt. Aber die Freude bei der Entdeckung aller Geheimnisse der wunderschön gestalteten Gruselhäuser ist stets größer als der Frust über das Backtracking. Und am Ende werdet ihr sowieso – genau wie Luigi – nur noch die Titelmelodie des Spiels vor euch hersummen.

Wertung: 80%

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