Machinarium: Point-and-Click-Adventure für Mac

Tizian Nemeth

Wieder einmal ist das Spielefieber ausgebrochen: Virulenter Träger ist diesmal Machinarium. Das Point-and-Click-Adventure ist ganz neu für den Mac erschienen und sollte auch den einen oder anderen Skeptiker davon überzeugen können, dass gute frische Spiele für den Mac doch existieren. Der Spieler schlüpft ins Roboterhemd und leiht der Spielefigur Verstand und Herz: Denn am Ende muss man nicht nur die Welt retten, sondern auch die große Liebe.

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Zur Geschichte: Eine schwebende Maschine lädt einen kleinen, in seine Einzelteile zerlegten Roboter in einer Welt voller Apparate und Maschinen ab. Alles in dieser Welt trägt, wie seine Bewohner, im Inneren Schrauben, Muttern, Federn und besteht aus den unterschiedlichsten Legierungen. Damit ist die Welt von Machinarium umrissen, ebenso die einführende Handlung.

Wer nun glaubt, Adventure benötigen eine ausgefeilte Exposition, den belehrt Machinarium eines besseren. Als Spieler schlüpft man in die Hülle der kleinen Blechbüchse, entdeckt die Welt der Roboter und kommt dabei hinter eine Verschwörung, in deren Zentrum die Blech-Banditen der Black Cap Brotherhood stehen. Um die große Liebe und die Stadt zu retten, gilt es anspruchsvolle Rätsel zu lösen.

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Einziges nennenswertes Talent des Protagonisten neben einem scharfen Verstand, dem ihn der Spieler leiht, ist die Fähigkeit, sich auf Mausklick wie eine Ziehharmonika in die Länge zu strecken oder sich auf halbe Größe zusammenzustauchen. Um im Spiel vorwärts zu kommen, muss man von diesem Talent oft genug Gebrauch machen.

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Die meisten der sehr schön ausgedachten Rätsel stellen den Spieler vor unterschiedliche Mechanismen, die mit Hilfe herumliegender Gegenstände bearbeitet werden wollen. Sollte man irgendwann doch einmal in einer scheinbaren Sackgasse stecken, kann man eine etwas vage, aber hilfreichen Lösungshilfe zu Rate ziehen. Allerdings muss man dazu erst eine andere kleine Aufgabe bewältigen – damit hält Machinarium den Spieler vor allzu ausgiebigem Spicken ab.

So knobelt sich der Spieler von Ort zu Ort, was der Übersicht im Spiel sehr zu Gute kommt. Hat man erst einmal einen Raum hinter sich gelassen, dann kann man ihn auch getrost aus dem Geiste streichen. Vergessene Gegenstände gibt es nicht und ein nervenaufreibendes Herumirren, wie man es aus anderen Adventure-Spielen kennt, entfällt ebenfalls. Zwischendrin löst man das ein oder andere Steinchen- und Schieberätsel, durch die schöne grafische Umsetzung hat man aber nie den Eindruck, im Spielfluss gehemmt zu werden.

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Ebenso verzichtet Machinarium auf ein unüberschaubares Arsenal an Gegenständen, als Spieler muss man sich nicht erst mit einer Lupe auf die Suche nach gemein versteckten Schlüsseln und anderen unscheinbaren Gegenständen begeben. Auch oft nervenzerrüttende Item-Kombination wie „Tauche Katze in Farbeimer und wende sie auf Van Gogh-Bild an“ erlassen einem die Programmierer. Die wenigen Hilsmittel, die der kleine Blechmann braucht, führt er mit in seinem Bauch.

In einer weiteren Hinsicht unterscheidet sich das Spiel von anderen Vertretern des Genres: Machinarium kommt ohne ein gesprochenes Wort aus, ebenso verzichtet das Adventure auf Multiple-Choice-Dialoge. Stattdessen verfolgt man die seltenen Dialoge zwischen dem rostfreien Protagonisten und den anderen Bewohnern in Form von comicartigen Sprechblasen über ihren Köpfen und anstatt ihre Wünsche und Nöte verbal zu kommunizieren, sieht der Spieler diese in anschaulich animierten Sequenzen.

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Stimmungsvoll ist der Soundtrack, die sphärischen Klänge von Tomas Dvorak lassen in manchen Passagen an die Filmmusik zu Blade Runner denken. Wer sich an der Musik nicht satt hören kann, der kann sie auch auf der Musikanlage immer wieder anhören – Daedalic legt dem Spiel neben einem Poster eine CD mit den Titeln des Spiels bei.

Genre-Veteranen führt das Spiel zurück zu den Ursprüngen, es nutzt dabei die Gunst der späten Geburt und entschlakt das etwas angestaubte Genre: Einige altgediente Elemente und Adventure-Konventionen fallen dabei unter den Tisch und übrig bleibt ein unterhaltsames und frisches Point-and-Click-Adventure, wie es seit Jahren keines mehr den Weg auf den Mac gefunden hat.

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Hinter dem Flash basierten und mit dem Independent Games Festival 2009-Preis ausgezeichneten Spiel stecken die tschechischen Entwickler von Amanita Design, die bereits Samorost 2 produziert haben. Die liebevoll gezeichneten Charaktere und die Umgebung, in denen die kleinen und großen Roboter agieren, haben durchaus die Qualität einer Lithografie des holländischen Künstlers Maurits Cornelis Escher.

Eine lockere Schraube fällt beim Spielen dann doch auf, die Steuerung könnte an manchen Stellen intuitiver sein: Störend ist es beispielsweise, dass man die nicht benötigten Gegenstände nicht unkompliziert mit einem Rechts-Klick wieder ins Inventar verbannen kann, da diese Aktion das Flash-Kontext-Menü aufruft.

Allerdings fällt dieses kleine Minus kaum ins Gewicht, Machinarium ist eine klare Kaufempfehlung und ein Lichtblick in diesem Genre für alle Adventure-Fans und Freunde unterhaltsamer Knobeleien. Die Grafik ist sehr schön anzusehen und man wandelt wie durch einen Traum – was auch an der, vor dem Rechner, verbrachten Zeit spürbar wird. Die musikalische Untermalung tut ihr übriges.


Preis: 30 Euro
MacOS 10.4 (Tiger) oder besser
1,6 GHz Prozessor mit 1GByte RAM
400 MB Festplattenspeicher
1.024 x 768 Bildschirmauflösung (1.280 x 800 empfohlen)

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