Rassismus in Mafia 3: Darum gehört das Spiel zu den mutigsten Veröffentlichungen des Jahres

Alexander Gehlsdorf
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Mafia 3 ist alles andere als ein perfektes Spiel, beweist in einigen Punkten aber immense Stärken. Dazu gehört auch sein Umgang mit dem Thema Rassismus. Wie sich Hangar 13 dem mutigen Thema genähert hat, liest Du in meinem Artikel.

Jede Triple-A-Produktion ist ein finanzielles Risiko. Mögliche Konfrontationen, politische Aussagen und Positionen werden daher weitestgehend gemieden, um es sich mit potenziellen Käufern, die eventuell andere Meinungen teilen, nicht zu verscherzen. Die Spiele der GTA-Reihe persiflieren zwar unsere heutige Gesellschaft, verstecken sich in letzter Instanz dennoch unter dem Deckmantel der Satire und scheuen eindeutige Aussagen. Auch The Division, dessen politische Aussagen sich mit nüchternem Blick nicht abstreiten lassen, will offiziell nicht als politisches Spiel, sondern als Unterhaltung wahrgenommen werden: „Am Ende des Tages ist es ein Videospiel, ein Produkt zur Unterhaltung… es beinhaltet keine bestimmte politische Botschaft.

19.011
Mafia 3 im Test

Whitewashing – Nein Danke

In dieser Kultur der unpolitischen Unterhaltungsprodukte erscheint nun also Mafia 3 und macht seine Ambitionen gleich zu Beginn unmissverständlich klar. Das erste, was den Spieler nach dem Starten des Spiels erwartet, ist eine Nachricht der Entwickler:

Die größte Stärke der Mafia-Serie ist ohne Zweifel das Geschichtenerzählen. Trotz zahlreicher spielerischer Schwächen gehört auch in Mafia 3 die Story zu den Highlights des Spiels. Dabei behandelt der Titel jedoch nicht nur die Geschichte des afro-amerikanischen Vietnam-Veterans Lincoln Clay, sondern auch die einer Gesellschaft, ja einer ganzen Nation. Mafia 3 schickt Dich nach New Bordeaux, das fiktionalisierte New Orleans im Bundesstaat Louisiana. Im 19. Jahrhundert war der Hafen von New Orleans einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte des Sklavenhandels.

Mafia 3 spielt im Jahr 1968, gut einhundert Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, der die Sklaverei in den Südstaaten formal beendet hat. Eine heikle Zeit, denn für die USA war das Jahr geprägt von innen- und außenpolitischen Spannungen. Der Krieg gegen Nordvietnam befand sich auf seinem Höhepunkt, die zweite Welle des Feminismus nimmt ihren Lauf, die Bürgerrechtsbewegung demonstrierte gegen die Rassentrennung in den Südstaaten, Martin Luther King, der Kopf der Bürgerrechtsbewegung, wird im April 1968 erschossen und auch Robert F. Kennedy, der jüngere Bruder des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy, fällt im Juni 1968 einem Attentat zu Opfer.

Große Klappe, nichts dahinter: Mafia 3 im Test

Mafia 3 erklärt es sich zum Ziel, die Schattenseiten der beschriebenen Zeit, das Verhalten und die Sprache der Charaktere realistisch darzustellen und nicht zu beschönigen. Einerseits, da eine authentische Darstellung der damaligen Gesellschaft die Voraussetzung dafür ist, Lincolns Geschichte nachvollziehbar zu erzählen und andererseits aus Respekt vor all denjenigen, die Rassismus, Diskriminierung und Vorurteilen in dieser Zeit ausgesetzt waren – und es noch immer sind. Letzteres halte ich für besonders bemerkenswert. Blockbuster-Produktionen, sei es in Form eines Films oder Videospiels, haben in der Vergangenheit häufig historische Szenarien undifferenziert und inkorrekt dargestellt.

Die als Whitewashing bezeichnete Praxis bewirkt, dass Geschichten aus der beschönigten Sicht weißer Menschen dargestellt werden und Verbrechen gezielt ausgelassen werden. Stellvertretend sei hier Roland Emmerichs Der Patriot genannt: Neben diversen historischen Unstimmigkeiten geriet der Film unter anderem bezüglich der Darstellung seines Protagonisten, gespielt von Mel Gibson, in die Kritik. Dessen Rolle basiert auf dem Südstaatler Francis Marion, der nachweislich indigene Einwohner ermordete und Sklavinnen vergewaltige – Aspekte auf die der Film an keiner Stelle eingeht.

Auf Seite 2 erfährst Du, wie im Gameplay von Mafia 3 mit Rassismus umgegangen wird.

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