Fazit

Weiter geht es mit der Erkundung der Galaxie. Wo im ersten Teil das Erforschen von Planeten noch relativ zeitaufwändig war, hat man sich im zweiten Teil für ein Minispiel entschieden, in dem der Spieler mithilfe eines Scanners den Planeten nach z.B. Mineralien scannen kann. Auch wenn sich das abwechslungsreich anhört, wird es auf Dauer nur langweilig und nervtötend. Dazu kommt noch, dass die Normandy plötzlich Sprit für ihre Erkundungen braucht und der Sprit alle paar Minuten bei intensiver Erkundungstour wieder aufgefüllt werden muss, was ins Geld geht. Eigentlich hieß es am Anfang, dass die Normandy verbessert wurde, aber naja…

Kommen wir zu den Gegnern und der KI. Die Gegner in Mass Effect 2 haben gute Variation. Man hat nicht das Gefühl, immer gegen die selben Feinde zu kämpfen. Verhaltensmäßig ist die KI recht gut gelungen. Die Gegner suchen Deckung und versuchen teilweise auch, Shepard und seine Crew zu flankieren. Wobei ich mich dann frage, warum das nicht auch die Gefolgsleute Shepards beherrschen. Zwar suchen sich jetzt seine Gefährten auch passiv Deckung und man muss ihnen nicht mehr wie im ersten Teil dazu den Befehl geben, dennoch laufen Miranda und Co. schon mal gerne in die Gegnermassen. Dazu kommt noch, dass ich es häufig erlebt habe, dass meine Teamkameraden nicht schnell genug hinterher laufen. Es kann also ab und an passieren, dass ein Teammitglied einfach mal hinter seiner Deckung verharrt und nicht hinterherkommt.

Zurück zum storytechnischen Teil des Spiels. Ich versuche, so wenig wie es geht zu spoilern. Shepard wurde von einer Organisation namens Cerberus wieder ins Leben geschickt und wird mit einer neuen Normandy ausgestattet, um mal wieder die Menschheit zu retten. Wer den ersten Teil gespielt hat, wird Cerberus kennen, mehr dazu verrate ich nicht. Überall in der Galaxie werden Menschenkolonien angegriffen und die dortige Population verschwindet spurlos. Shepard wird losgeschickt, um Untersuchungen anzustellen, um herauszufinden wer dahinter steckt. Auf seiner Mission trifft er auf unterschiedlichste Hilfe, um ihn dabei zu unterstützen. Hier sei gesagt, dass Shepard zwar auf all seine Ex-Kameraden treffen wird, jedoch nur zwei davon auch ihn wieder auf seiner Mission begleiten werden. Die jeweiligen Persönlichkeiten sind mal wieder wie im ersten Teil genial in Szene gesetzt. Die jeweiligen Synchronsprecher bringen die Gefühle der einzelnen Figuren sehr gut rüber. Sogar die deutsche Lokalisierung leistet hier gute Arbeit. Das einzige Manko ist die deutsche Synchronstimme von Shepard (die männliche wohlgemerkt). Sie passt einfach von vorne bis hinten nicht. Zu der weiblichen Version von Shepard kann ich nichts sagen, da ich nur mit dem männlichen Shepard gespielt habe.

Mass Effect 2 liefert wie sein Vorgänger exzellente Nebenmissionen mit guter Story. Jeder der Gefolgsleute wird Shepard um einen Gefallen bitten. Die Missionen sind gut strukturiert und wechseln sich auch gut ab. Mal muss Shepard eine gegnerische Station infiltrieren, mal muss er eine Zielperson unauffällig verfolgen oder er wird als Köder benutzt. Zwar erlangt der Spieler durch Beenden dieser Nebenmissionen ein Bild der jeweiligen Charaktere, dennoch muss ich sagen, dass man im ersten Teil mehr das Gefühl hatte, eine engere Beziehung zu den Charakteren aufbauen zu können als im zweiten Teil.

Falls man den ersten Teil gespielt hat und seinen Speicherstand importiert hat, wird man auf die verschiedensten Figuren aus dem ersten Teil treffen. Zusätzlich sind auch so gut wie alle Entscheidungen aus dem ersten Teil hier maßgeblich. Zum Beispiel kann der Spieler eine Nachricht von der Rachni-Königin erhalten, sofern man sie im ersten Teil befreit hat. Ich hatte den Eindruck, dass nicht nur Entscheidungen aus dem zweiten Teil für den dritten wichtig sein werden, sondern auch aus dem ersten. Aber da ich nicht spoilern möchte, halte ich mich dort geschlossen. Das Spiel liefert einem Spieler mehrere Enden, für die er sich bewusst und unbewusst entscheiden kann. Bei den richtigen Entscheidungen ist es möglich die komplette Crew, Shepard sowie alle Gefolgsleute am Leben zu halten. Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch Auswirkungen auf den Verlauf des dritten Teils haben. Zusätzlich hat Shepard wieder die Möglichkeit, aus verschieden Liebesbeziehungen zu wählen.
Um die Loyalität der einzelnen Gefolgsleute zu erreichen und damit ihre Spezialfähigkeiten und ein neues Outfit freizuschalten, muss Shepard lediglich die Nebenmission der einzelnen Charaktere beenden. Soviel sei gesagt, das Erreichen der Loyalität wirkt sich auf das Ende von Mass Effect 2 aus.

Das Paragon/Renegade-System hat im zweiten Teil ein nettes Feature bekommen. So ist es nun möglich, sich in gewissen Situationen für eine gute oder böse Handlung zu entscheiden. Während bestimmten Szenen ist es dem Spieler möglich, zur rechten Zeit die linke bzw. rechte Maustaste zu betätigen, um eine gute oder böse Aktion durchzuführen. Z.B kann dadurch ein Mord verhindert werden oder Shepard zieht in einer anderen Konversation dem Gegenüber eins über die Rübe.
Falls man Mass Effect 1 nicht gespielt hat, kann man ein neues Spiel starten und einen neuen Shepard gestalten. Die Charaktererstellung ist im Grunde genauso geblieben wie im ersten Teil. Verglichen mit BioWares Titel Dragon Age: Origins sind die Möglichkeiten, die man in Mass Effect 2 hinsichtlich der Charaktererstellung hat, eher mau. Ich empfehle, einfach mit dem Standard-Shepard zu spielen. Das ist meiner Ansicht nach immer noch die beste Wahl. Ein wenig schade ist, dass man nicht individuell entscheiden kann, was im ersten Teil passiert ist. Man ist immer gezwungen, den selben Storyausgang aus Mass Effect 1 zu spielen, sofern man nicht seinen Spielstand aus dem ersten Teil importiert hat.

Kommen wir zur visuellen und auditiven Qualität des Spiels. Der Score von Mass Effect 2 ist mal wieder gut gelungen, Jack Wall hat wieder gute Arbeit geleistet. Die orchestrale Untermalung passt wunderbar ins visuelle Bild. Sie unterstützt gut gelungen die Stimmung im Spiel und sorgt an manchen Stellen für Spannung. Die Soundeffekte im Spiel sind größtenteils filmreif. Manche Waffen hören sich etwas seltsam an, aber z.B. das vollautomatische MG erfüllt akustisch seinen Zweck.

Visuell kann man sagen, dass Mass Effect 2 mit zu den besten Abenteuern auf dem Markt gehört (zumindest was den PC angeht). Das Spiel hat sehr coole Lichteffekte und die aus dem ersten Teil groben Texturen wurden ersetzt. Besonders die Rüstung Shepards sieht nicht mehr aus wie ein Textur-Matschhaufen. Dennoch sind mir an vereinzelten Stellen matschige Texturen über den Weg gelaufen. Aber im großen und ganzen ist Mass Effect 2 ein visuell großartiges Spiel. Ein paar Sachen haben mich dennoch gestört: Das Spiel hat eine Menge übler Clipping-Fehler, so passiert es manchmal, dass Waffen halb im Körper hängen oder NPCs an manchen Stellen mit ihren Extremitäten in ihren eigenen Körper fahren, was zum Teil ziemlich komisch wirkt. Teils schwebt ein NPC auf einem Stuhl, anstatt darauf zu sitzen. Was bei mir auch öfters vorkam, war, dass die Kamera während mancher Konversationen unpassend gewählt wurde. So passierte es mir öfters, dass eine Person von innen gesehen werden konnte. Eine Sache zu den Effekten noch: Der Raketenwerfer in Mass Effect 2 wirkt ein wenig lächerlich – das ist kein Raketenwerfer, sondern ein mit blau leuchtenden Bällen schießendes Etwas. Dafür kann der Miniatur-Atombombenwerfer doppelt punkten. Zwar kann man ihn nur selten benutzen, dafür knallt es doppelt so gut.

Für viele ist es Ausbeutung, für mich aber ein tolles Feature – die Rede ist von Download-Content. Wer Mass Effect 2 als Original besitzt, erhält eine Freikarte für das sogenannte Cerberus-Network. Dort ist es dem Spieler möglich, auf DLC für das Spiel zuzugreifen, und das völlig kostenlos. Im Moment stehen dort zwei DLCs zur Verfügung. Wer das Spiel gebraucht kauft, wird gezwungen sein, sofern das Cerberus-Network schon mit dem beiliegenden Code aktiviert wurde, einen neuen Code zu erwerben.

Für Mass-Effect-Fans ist ME 2 ein tolles Spiel. Ansonsten kann ME2 als solider 3rd-Person-Shooter gesehen werden mit leichten RPG-Ansätzen und relativ guter Story. BioWare ist mit ME2 den Schritt in das Action-Genre gegangen und hat sich vom RPG-Genre distanziert. ME2 setzt auf schnelle und actionreiche Kampfsequenzen. Der Talentbaum wurde sehr stark gekürzt und eine individuelle Skillung ist somit unmöglich. Die einzige Auswahl, die einem bleibt, ist bei vollständiger Skillung eines Talentes den Schwerpunkt zu wählen. So kann ich z.B. entscheiden, ob eine Fähigkeit mehr Schaden verursachen oder der Wirkungsradius vergrößert werden soll. Wer ein Spiel mit actionreichen Elementen, toller Grafik, akustisch gelungener Untermalung und individueller Charakterentwicklung sucht, ist mit ME2 gut bedient. Wer dem englischen mächtig ist, sollte ME2 in Englisch spielen.

Wertung:

Story: 7
Gameplay: 8
Grafik: 9
Audio: 8

Gesamt: 8

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