Mass Effect 3 Test: Shepard lässt’s wieder scheppern

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Reichlich mau ist er, der erste Eindruck von dem, was sich wohl jeder Serienkenner als „Spiel des Jahres“ erhofft hat. Es ist das Ende einer gefeierten Trilogie, die – da sind sich Fans und Kritiker ausnahmsweise mal einig – entscheidend dazu beigetragen hat, dass Spiele mittlerweile kaum noch von filmischer Unterhaltung zu unterscheiden sind. Nein, weniger als ein Meilenstein wird nicht akzeptiert. Und doch ist der Einstieg leider reichlich misslungen.

Wer wie ich die Demo schon gespielt hat, wird die ersten Stunden ohnehin kaum überrascht werden. Die Reaper greifen nach langem Hadern, Zedern und Zittern endlich an, die Galaxis steht am Rande ihrer Auslöschung. Als erstes trifft es die Erde – machtlos muss Commander Shepard deren Zerstörung mit ansehen. Der Horizont brennt. Ein Anblick, den dieses Spiel übrigens nicht zum letzten Mal innerhalb der folgenden 20 Stunden bieten wird.

„Jawoll“, denkt man sich. So muss ein Finale anfangen – und muss dann hilflos mit ansehen, wie Shepard direkt aus der Gefahrenzone erst einmal ins All hinwegdüst. Zunächst auf den Mars. Später dann auf die Kroganer-Heimatwelt, sogar IN einen Computer (a la TRON) wird er entsandt. Hallo – geht's noch? Da legt eine uralte Alienrasse alles Leben in Schutt und Asche und Commander Shepard tingelt zum wiederholten Mal von Planet zu Planet?

Statt des großen Konfliktes, bekommen wir gute zehn Stunden lang nicht viel mehr als ordinäre Raumstationen, planetare Außenposten und sonstige Löcher am Arsch des Weltalls zu Gesicht. Die Völker der Galaxie sollen wir für einen letzten verzweifelten Schlag gegen die Reaper vereinen. „Na sollte doch Ehrensache sein“, denkt man sich. Doch die entgegnen auf derlei Bitten stets wie folgt: „Natürlich helfe ich...WENN ihr vorher dieses und jenes für mich erledigt habt.“

Völlig absurd. Da brennt die gesamte Galaxie lichterloh und ich soll am anderen Ende des Universums den Kindergärtner spielen? Nachdem ich den dritten Planeten anfliege und verlorene Artefakte, Söhne oder sonstige Nichtigkeiten auffinden muss, hätte es mich auch nicht mehr gewundert, wenn ich so ein Gespräch hätte führen müssen: „Klar helfe ich die Auslöschung alles Lebens abzuwenden – WENN du mir zehn Wolfspelze und 30 Goldstücke bringst“.

Erzählerisch herrscht dabei zunächst immense Flaute. Planet Bla will befreit werden. Admiral Blubb hat gesagt, dass Vizepräsident Möp einen geheimen Informanten auf BetaXismirdochegal stationiert hat und so weiter und so fort.  Die Missionen und Dialoge erinnern dabei nicht selten an eine interstellare Seifenoper – von epischer Größe ist zunächst nichts zu spüren. Schwerer wiegt dabei eigentlich nur, dass „Mass Effect“ und „Mass Effect 2“ exakt dieselbe Story boten.

Die eigentliche Tragik daran ist jedoch, dass sich durch den fehlenden narrativen Unterboden ganz andere Probleme offenbaren. Entledigt man ein „Mass Effect“ nämlich seiner Handlung, der Emotionen und Charaktere, zeigt sich, auf welch primitiven spielerischen Füßen diese Reihe steht. Dann wird stumpf im Dauerstakkato geballert, werden Schlauchpassagen abgekaspert, in denen schon winzige Erhebungen als unüberwindbare Hindernisse gelten.

Das kennt man nicht anders von „Mass Effect“ sowie praktisch jedem Bioware-Titel. Nur war es selten offensichtlicher als hier. Zwar kündigte man vorher an, der Rollenspiel-Anteil würde wieder angehoben werden, im fertigen Spiel zeigt sich aber das komplette Gegenteil. Das Talentsystem ist jetzt verzweigt – juhu. Und Waffen darf man neuerdings aufrüsten – aha. Aber das soll wirklich alles sein, was die bioware‘schen Rollenspiel-Profis an Ideen parat haben?

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Weitere Themen: Mass Effect 3 Demo, BioWare

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