Max Payne 3 Test – Ein Mann, zwei Uzis und 30 Sekunden bis zur Ewigkeit

14

Max ist Kult. Warum eigentlich? War es die Bullet Time? Waren es die unzähligen Leichen, die seinen Weg durch die New Yorker Unterwelt pflasterten, die überbordende Gewalt, die Indizierung in Deutschland? Oder war es vielleicht die ungewöhnliche Erzählweise als pulpige Graphic Novel, die dem traurigen Cop seinem heutigen Weltruhm verhalf? Mag sein. Doch wenn die Chips gefallen sind, wenn es hart auf hart kommt, wenn der letzte Vorhang gefallen ist, dann war es Max selbst, der sich das Überdauern seiner Spielzeit ermöglichte. „Max Payne 3“ existiert vor allem, weil Remedy seinerzeit eine ikonische Figur erschuf.

Auch Rockstar ist bewusst, dass die Fans die letzten zehn Jahre nicht auf eine angestaubte Spielmechanik gewartet haben. Mit dem Verlangsamen der Zeit holt man heute nunmal keinen Spieler mehr hinter dem Ofen hervor. Die Fans wollen vor allem mehr Max.

Konsequenterweise hat Rockstar nicht einmal versucht, die Bullet Time zu überarbeiten. Wie damals stürmt Max in einen Raum mit viel zu vielen schwerbewaffneten Gangstern, setzt zu einen entschleunigenden Hechtsprung an und ist kurze Zeit später der Last Man Standing. Einfach, effizient und viel zu cool für diese Welt. Das war´s dann aber auch schon in Sachen Spielmechanik. Bullet Time, immer wieder Shootdoge und ein minimalistisches Deckungssystem – mehr hat „Max Payne 3“ auch Anno 2012 nicht zu bieten. Keine Taktik, kein Tiefgang, keine neuen Spielideen.

Keine Taktik, kein Tiefgang, keine neuen Spielideen.

Dieses recht flache Gameplay ist dann auch noch ziemlich unausgewogen. So kam uns zum Beispiel die aufschaltbare Zielhilfe zu Beginn viel zu mächtig vor. In späteren Abschnitten segnet man ohne sie wiederum etwas zu oft das Zeitliche. In dem Fall schenkt uns Rockstar dann kommentarlos ein paar zusätzliche Painkiller. Gutes Balancing geht anders, liebe Entwickler. Auch kleinere Spieldesign-Schnitzer wie das automatische Wechseln der Waffen nach einer Zwischensequenz führten bei uns immer wieder zum Stirnrunzeln.

Szenen wie diese bekommen wir in “Max Payne 3″ am laufenden Band spendiert

 

Doch was sind schon ein paar Falten auf der Stirn, wenn einem der Mund die ganze Zeit offen steht. Der neue Max mag seine Fehler haben, doch wenn es ´drauf ankommt, kann man noch immer auf ihn zählen. „Max Payne 3“, das ist nicht nur stilsicheres Storytelling und ein perfekt inszenierter Actionrausch, sondern vor allem die packende Geschichte eines kaputten Mannes, der am Ende der Welt nach einem neuen Leben sucht.

Perfekt inszenierter Actionrausch

Rockstars Entscheidung, den dritten Teil ins brasilianische São Paulo – dem „Bagdad mit G-Strings“ wie Max es nennt –  zu verlegen, erweist sich dabei schnell als echter Glückgriff. Die Armut, die Gewalt, die Korruption und die Verlogenheit der Neureichen, die hoch über den Dächern der Favelas ihres Cocktails schlürfen – das alles ist gut recherchiert und wurde ohne jeglichen Reibungsverlust in den Charakter, den wir so gut kennen, eingepasst. Mehr noch, es dient dazu, die Figur zu bereichern und gegenüber den Vorgängern erkennbar weiterzuentwickeln. Die Schauplätze fungieren als kundige Reflektionen von Max finsteren Seelenleben und sind ebenso abwechslungsreich wie atmosphärisch.

Die Hoffnung stirbt zuletzt – Max beginnt ganz unten.

 

Bei der Inszenierung dieser Orte zeigt Rockstar zudem ungewöhnlich viel Mut. Etwa mit hektischen Verfremdungseffekten und regelmäßigen Worteinblendungen, die den permanenten Vollrausch und die verbitterte Weltanschauung unseres Anti-Helden symbolisieren sollen. Es wird sicher viele Spieler geben, die sich an diesen extravaganten Stilmitteln oder den bisweilen sehr langen Zwischensequenzen stören werden; wir empfangen sie in jeder Hinsicht als einen Gewinn für die Spielekultur.

Folge uns auf Facebook, Twitter oder Youtube. So bist du immer auf dem neuesten Stand.

Weitere Themen: Max Payne 3 Demo, Rockstar Games

Neue Artikel von GIGA GAMES

GIGA Marktplatz