Metal Gear Rising: Revengeance Video-Test – Perfektioniertes Chaos

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Wer mir das eine oder andere Mal im Podcast zugehört hat, wird zwei Dinge über mich wissen: Ich liebe “Metal Gear Solid” und Platinum Games. “Bayonetta” ist meiner Meinung nach zusammen mit “God Hand” eines der besten Hack ‘n Slays, Vanquish zähle ich zu den besten Action-Spielen dieser Generation. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an “Metal Gear Rising: Revengeance“. Diesen Erwartungen konnte Platinums neuester Streich jedoch nicht ganz gerecht werden – wieso ihr euch “Revengeance” trotzdem auf keinen Fall entgehen lassen dürft, erfahrt ihr im Test.

Wie es sich für einen Metal Gear-Test gehört, sollte ich nun wohl eigentlich die ersten drei Absätze damit verbringen, über die Geschichte zu philosophieren. Bei “Rising” wäre das jedoch arg kontraproduktiv – denn diese ist mit einem Satz zusammengefasst: Die Desperado-Söldner wollen wegen wirtschaftlicher Interessen einen Krieg auslösen, töten dafür den Präsidenten eines kriegsgebeutelten Landes und Raiden muss die ganze Sache ausbaden. Viel komplizierter wird die Geschichte nicht mehr. Typisch für Platinum Games wird diese simple Story jedoch mit völlig verrückten und interessanten Boss-Gegnern garniert, von denen jeder ein eigenes Spiel verdient hätte. Ganz wichtig: Das Spiel nimmt sich selbst zu keinem Zeitpunkt ernst und wird in einigen Zwischensequenzen zu purer Comedy, durch die ich einige Male laut lachen musste.

Wenn ihr “Rising” also nur für die Geschichte kaufen wollt, werdet ihr enttäuscht werden. Das Spiel steht und fällt mit seinem Kampfsystem und glücklicherweise brilliert es genau da. Statt dutzende Kombos auswendig lernen zu müssen, steht das Timing der Angriffe an erster Stelle. Greift ihr einen Gegner genau in der Sekunde an, in der er euch attackiert, pariert ihr seinen Angriff und könnt ihn in der dadurch ausgelösten Zeitlupe problemlos erledigen – einen eigenen Knopf fürs Blocken gibt es nicht. Dadurch steht ihr in den Kämpfen niemals an einer Stelle sondern seid ständig in Bewegung, wechselt starke und schwache Angriffe miteinander ab, pariert die entgegenkommenden Attacken und zerlegt die gegnerischen Cyborgs in ihre Einzelteile.

Vor allen Dingen in den Zeitlupen kommt der sogenannte “Blade Mode” zum Tragen. Durch das Halten einer Schultertaste zoomt die Kamera unmittelbar hinter Raidens Schulter und ermöglicht euch, mit dem rechten Analog-Stick euer Schwert zentimetergenau zu steuern. Habt ihr einen Gegner genug geschwächt, erscheint im Blade-Modus ein rotes Viereck auf seinem Körper. Schneidet ihr durch dieses Viereck hindurch, reißt Raiden ihm seine elektronische Wirbelsäule heraus, zerquetscht sie und erhält dadurch neue Lebensenergie. Auch der Blade-Modus ist dadurch sofort wieder verfügbar, während ihr ihn sonst durch normale Angriffe und Kombos erst aufladen müsst. Da sich Raiden in diesem Modus jedoch nicht bewegen kann, kommt er hauptsächlich in geskripteten Szenen und den besagten Zeitlupen vor.

Einer meiner größten Kritikpunkte an DmC: Devil May Cry waren die wenigen und viel zu einfachen Bosskämpfe. Metal Gear Rising: Revengeance dagegen trumpft genau in diesem Bereich auf. Alle 10 Minuten wartet ein neuer Zwischen- oder End-Gegner auf Raiden. Im seltensten Falle sind das riesige Metal Gears, stattdessen tretet ihr hauptsächlich gegen andere Cyborgs an. Diese Kämpfe sind jedoch tatsächlich die spannendsten im ganzen Spiel: Viele der Bosse reagieren genauso schnell wie Raiden selbst, sodass ihr die Parier-Fertigkeit tatsächlich perfektionieren müsst, um später noch Land zu sehen. Auch auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist “Rising” nämlich bockschwer.

Also, alles perfekt, keine Kritikpunkte, bestes Spiel aller Zeiten? Leider nicht, denn die kurze Entwicklungszeit macht sich dann doch immer wieder bemerkbar. Während die neu entwickelte Engine Charaktermodelle und Gesichter sehr detailliert darstellen kann, sind die Umgebungen über die gesamte Spielzeit kaum mehr als grau-brauner Matsch. Selbst Raidens Besuch im futuristischen Denver wird dadurch versaut, dass er sich allzu schnell in eines der Büro-Gebäude verzieht.

In dessen engen Räumen und Fluren wird dann die Kamera zum Ärgernis, da sie nicht wirklich weiß wo sie hin soll, wenn Raiden gerade mit geschätzten 200 km/h von Gegner zu Gegner fliegt. Diese Kamera-Probleme treten glücklicherweise nur selten auf, schaden dem Spiel aber trotzdem.

Für die meisten Diskussionen wird jedoch höchstwahrscheinlich die sehr kurze Spielzeit sorgen. Ich habe Metal Gear Rising: Revengeance an einem Abend in etwa 5 bis 6 Stunden durchgespielt, das Spiel selbst zeigte mir sogar eine Gesamt-Spielzeit von 3 Stunden und 50 Minuten an – bei dieser Zeit fehlen jedoch sämtliche Cutscenes und Tode, die das Neuladen eines Checkpoints nötig machten. Während dieser 5 Stunden war mir zu keiner Sekunde langweilig und ich bekam bis zum Ende alle paar Minuten neue Gegner-Typen vorgesetzt, weshalb ich diese Spielzeit für nahezu perfekt halte. Trotzdem wird es jedoch viele Spieler davon abhalten, “Metal Gear Rising: Revengeance”  zum Vollpreis zu kaufen.

Immerhin ist “Rising” auf mehrere Durchgänge ausgelegt, denn auch im zweiten Durchgang lernt Raiden noch neue Combos und Angriffsmöglichkeiten dazu. Für jeden Gegner erhaltet ihr nämlich Punkte, mit denen ihr nicht nur eure Schwerter und Cyborg-Anzüge verbessern, sondern auch neue Combos und Waffen kaufen könnt. Im ersten Durchgang werdet ihr euch nur einen Bruchteil davon leisten können, was das erneute Durchspielen zu einer völlig neuen Spielerfahrung macht.

Fazit:

“Metal Gear Rising: Revengance” kommt mit einem der besten Kampfsysteme im gesamte Genre daher und wischt vor allen Dingen dank seiner Boss-Gegner in diesem Bereich mit DmC  den Boden auf. Die Zwischensequenzen und Quick-Time-Events erinnern mit ihrer Absurdität mehr an “Asura’s Wrath” als an “Metal Gear Solid”, jedoch macht genau das den Charme dieses Spiels aus – und dank Platinum Games war das auch gar nicht anders zu erwarten.

Wenn ihr euch von der kurzen Spielzeit nicht abschrecken lasst, wartet mit “Metal Gear Rising: Revengeance” eines der besten Hack & Slays der jüngeren Zeit auf euch.

Wertung: 89% 

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