Review - Metro 2033

Leserbeitrag
7

Wir schreiben das Jahr 2033. Die Menschheit hat ihren Zenit überschritten. Zwanzig Jahre sind seit der Katastrophe, dem grossen Fallout, vergangen. Die Welt liegt in Trümmern, nichts erinnert mehr an die einst so blühende Zivilisation. Überlebt haben nur diejenigen, die sich in die tiefen Tunnels unterhalb Moskaus rechtzeitig verkrochen haben. Nur dort unten ist die radioaktive Strahlung erträglich; die Luft mit wenigstens ein wenig Sauerstoff angereichert. Doch auch wenn alles verloren scheint, geben die Menschen nicht auf. Innerhalb der Moskauer Metro entwickelten sich Dörfer, ja, sogar ganze Städte, und die blassen Menschen, deren Haut von der ewigen Dunkelheit förmlich ausgebleicht wurde, arrangierten sich mit den neuen Umständen. Auch Artjom, der zur Zeit des atomaren Krieges geboren wurde, hat sich in einer der zahlreichen Metrostationen häuslich eingerichtet. Mit einfachen Mitteln lebt es sich auch unter den letzten Überlebenden der Menschheit nicht schlecht, bis eines Tages die gesamte Metro bedroht wird. Denn längst haben ganz andere Wesen die Herrschaft über den Planeten Erde übernommen: die Homo Novo, die nächste Stufe der Evolution. Die Menschheit allerdings hat ausgedient und kommt nicht mehr in dem Plan der Natur vor.

Als Spieler schlüpft ihr in die Rolle des noch unerfahrenen und wenig kampferprobten Jungen Artjom. Als Hunter, einer der besten Monsterjäger der gesamten Metro, nicht von einem Erkundungsauftrag zurückkehrt, schlägt eure Stunde. Von dem äussersten Rand der Metro müsst ihr euch fortan durch verlassene U-Bahn-Schächte kämpfen und den üblichen Tunnelmist, wie ihn die Einheimischen nennen -, den Garaus machen, bis ihr endlich die Polis erreicht. Dort soll Hilfe warten. Eure Reise führt euch jedoch nicht nur durch mit Monstern verseuchte Tunnelsysteme, sondern auch durch Kriegsgebiet. Auch Jahre nach den letzten Schlachten führen die Faschisten und die Kommunisten unter Tage einen erbitterten Stellungskrieg, und euer Weg zur Metro führt genau mittendurch. Ab der Hälfte des Spiels betretet ihr des Öfteren auch die Erdoberfläche und kämpft euch dort oben durch eine verwüstete Bibliothek und andere Gebäudeüberreste, die 20 Jahre der Verrottung preisgegeben wurden.

Metro 2033 als reinrassigen Shooter zu bezeichnen, in welchem ihr das Köpfchen ausschalten und den Finger auf der Feuertaste festkleben müsst, wäre masslos übertrieben. Zwar gibt es im Spiel zahlreiche Shooter-Einlagen, doch oftmals kommt man auch ohne Waffengewalt weiter. So kann Artjom sich in der Dunkelheit fast lautlos bewegen, ohne von Gegnern gesehen zu werden. Allerdings solltet ihr auch immer einen Blick auf den Fussboden werfen, Sprengfallen werden euch das eine oder andere Mal das Leben erschweren. Doch auch Glasscherben oder Blechbüchsen, die als Alarmsystem umfunktioniert wurden, erwecken nur unnötige Aufmerksamkeit. Pistolen oder MGs, die mit einem Schalldämpfer ausgerüstet sind, eignen sich wie das Wurfmesser hervorragend, um Patrouillen lautlos aus dem Weg zu räumen. Da ihr allerdings ab und zu auch auf Feinde mit Nachtsichtgerät trefft und Monster sowieso mit ihren glühenden Augen im Dunkeln sehen können, bleibt das eine oder andere Feuergefecht nicht aus.Insgesamt könnt ihr drei verschiedene Typen an Feuerwaffen tragen. Neben einem Revolver und einem MG eignet sich eine Schrotflinte hervorragend, um einen Nahkampf auszutragen. Dazu gesellen sich noch ein Messer sowie Dynamit, falls ihr grösseren Problemen gegenübersteht.

Während eurer turbulenten und wendungsreichen Reise durch den Moskauer Untergrund solltet ihr jede Gelegenheit ausnutzen, um euren Vorrat an Munition aufzustocken. Auch wenn es sich bei Metro 2033 um einen recht linearen Shooter handelt, gibt es viele Seitenwege, die ihr unbedingt erkunden solltet, lassen sich so doch viele Munitionsverstecke ausfindigmachen. Ebenso limitiert sind nicht nur die Medizinspritzen, um die Gesundheit wiederherzustellen, sondern auch die Atemluft. Zwar könnt ihr unter Tage normal atmen, an der Erdoberfläche ist die Luft aber kontaminiert und nach wenigen Sekunden tödlich. Um zu überleben, solltet ihr für eure Gasmaske reichlich Vorrat an CO²-Kapseln bei euch führen, die ihr nach Bedarf in eurer Maske erneuern könnt. Es ist sinnvoll, diese Maske von Zeit zu Zeit auszutauschen, da sie schnell verkratzt, wenn euch jemand angreift. Das schützende Glas vor eurem Gesicht droht also zu zerspringen, und euer Leben hängt somit an einem seidenen Faden.Neue Munition und Ausrüstungsgegenstände lassen sich nicht nur hin und wieder in Kisten, Schränken oder in den Taschen getöteter Metroeinwohner finden, sondern auch ganz legal auf dem Waffenmarkt einer jeden Station käuflich erwerben. Bezahlt wird in Metro 2033 nicht mehr mit Papiergeld, sondern mit Mun, die vor dem Fallout hergestellt wurde. Diese ist deutlich effektiver und durchschlagskräftiger als Munition, die später produziert wurde. Auch die Vorkriegsmun lässt sich überall finden und kann notfalls auch verschossen werden. Doch wer ballert schon gerne mit seinem Vermögen wie wild in der Gegend herum? Als kleiner Tipp: Ab der Hälfte des Spiels solltet ihr die teure Mun durchaus benutzen, um euer nacktes Überleben zu gewährleisten, viele Gelegenheiten sie auszugeben bekommt ihr später nämlich nicht mehr.

Die meisten Waffen, die ihr in der Metro findet oder kaufen könnt, sind aus allen möglichen Einzelteilen zusammengeschusterte Exemplare, welche in keiner Kuriositätensammlung fehlen dürfen. So erhaltet ihr im späteren Verlauf ein Luftdruckscharfschützengewehr, welches Pfeile verschiesst. Je mehr ihr die Luftdruckkammer im Gewehr mit dem Mauszeiger aufpumpt, desto weiter fliegen die Geschosse und desto mehr Schaden richten sie an. Um der ewigen Dunkelheit entgegenzutreten, helfen allerdings keine Waffen, sondern nur eure Kopflampe. Elektrisches Licht gibt es in der Metro kaum und wenn, dann nur sehr limitiert, so dass die Kopflampe euer bester Freund wird. Zwar gibt sie permanent ein schwaches Licht ab, wer mit dem mobilen Stromgenerator durch Pumpen ein wenig Energie erzeugt, bekommt als Belohnung aber ein deutlich helleres Licht.

Zur Technik des Spiels kann man nur eines sagen: Hut ab! Die eigens für Metro 2033 entwickelte Grafik-Engine stellt in den höchsten Einstellungen so manch ein Konkurrenzprodukt wortwörtlich in den Schatten. Die Welt ist extrem glaubhaft und detailreich gestaltet, das Licht- und Schattenspiel einfach grandios. Immer wieder werdet ihr euch dabei ertappen, wie ihr einfach nur dasteht – sofern die Monster dies erlauben – und das gruselige Panorama geniesst.Es gibt unheimlich viel zu entdecken. Mit viel Liebe zum Detail wurden von 4A Games auch die Animationen entworfen. Fehlende Bewegungsabläufe gibt es nicht, so drücken eure Kameraden auf einem Bedienfeld echte Tasten, anstatt auf grob aufgelösten Texturen herumzuhämmern. Punktuelle Bewegungsunschärfe, Wasserreflexionen und hübsche DirectX 10- und 11-Effekte gehören da fast schon zum guten Ton. Die Dämonen und der übliche Tunnelmist sorgen das eine oder andere Mal für Schockmomente, die ihr so schnell nicht vergessen werdet. Betrachtet ihr die Monster aus der Nähe, könnt ihr sogar einzelne Haare erkennen. Lediglich die Biomasse, kleine explodierende Kugeln im letzten Spielabschnitt, ist eher nervtötend als nervenkitzelnd.

Metro 2033 gehört nicht in die Hände von Kindern, da mit Splatter-Effekten nicht gegeizt wird. 4A Games hat allerdings versucht, diese Effekte auf ein realistisches Niveau zu heben. Zwar gibt es den einen oder anderen zerfetzten Körper zu sehen, und Einschusslöcher werden physikalisch korrekt in der jeweiligen Körperregion angezeigt, übertrieben wirkt die Szenerie allerdings nicht. Nichtsdestoweniger ist die USK 18-Freigabe gerechtfertigt.

Als einer der wenigen Titel unterstützt Metro 2033 den sofortigen Wechsel der Sprache. Während des Spiels könnt ihr verschiedene Sprachausgaben durchschalten. Wer es authentisch mag, der aktiviert die russische Sprachausgabe und schaltet deutsche Untertitel hinzu. Doch auch die deutschen Synchronsprecher leisten hervorragende Arbeit und tragen mit russischem Akzent zur Atmosphäre des Titels bei. Die gruseligen Soundeffekte und die entsetzlichen Schreie der Tunnelwesen sorgen nicht selten dafür, dass euch echt der Atem stockt. Wer über ein Surround-Sound-System verfügt, der kann förmlich die Tunnel spüren. So wird der Sound deutlich dumpfer, wenn ihr euch von der ursprünglichen Quelle abwendet und in eine andere Richtung blickt.

Fazit: Metro 2033 ist der perfekte Mix aus Action- und Schleichpassagen. Wer mag, der feuert aus allen Rohren und sorgt sich nicht um Munitionsknappheit, bis der Schlagbolzen ins Leere schlägt. Oder er nutzt die Dunkelheit, um ungesehen eine feindliche Stellung zu flankieren. Dass Metro 2033 auch noch so verdammt geil aussieht und dank der erstklassigen Soundeffekte meinen Adrenalinpegel ansteigen lässt, ist nur das Tüpfelchen auf dem i. Damit ist Metro 2033 ein Pflichtkauf für all diejenigen, die mal wieder eine richtig spannende Geschichte erleben wollen.

Weitere Themen: 4A Games

Neue Artikel von GIGA GAMES

GIGA Marktplatz