Metro Last Light Test: Das Licht am Ende des Tunnels

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Metro: Last Light” könnte euch geradewegs in eine Depression stürzen. Egal, wohin ihr geht, welche Menschen ihr trefft oder welche Basis ihr betretet – der nächste Betrug und das nächste schreckliche Verbrechen warten bereits hinter der nächsten Ecke. Exekutionskommandos, chemische Waffen und Vergewaltigungen sind in der Metro so alltäglich wie die Knappheit von Nahrung. Es ist ein verabscheuungswürdiges Szenario, das der Buch-Autor Dmitri Gluchowski da entworfen hat – und eine der atmosphärischsten und beklemmensten Spielwelten seit “Silent Hill”.

“Metro: Last Light” ist die direkte Fortsetzung zu “Metro: 2033” und erzählt eine völlig neue Geschichte, die mit der Buchvorlage nichts mehr gemein hat. Nachdem Hauptcharakter Artjom im Vorgänger die unterirdische Militärbasis D6 eingenommen und mit ihr die angeblich gefährlichen „Dark Ones“, im Deutschen etwas unglücklich in „die Schwarzen“ übersetzt, ausgelöscht hat, ist er nun Teil der Ranger. Die Ranger bezeichnen sich selbst als neutrale Kämpfer für den Frieden innerhalb der Metro und verwalten D6.

Die anderen Fraktionen innerhalb der Metro sind damit nicht wirklich einverstanden und wollen etwas vom Kuchen abhaben. Schnell erheben das rechtsextreme Reich und die linksextremen Kommunisten ebenfalls Anspruch auf die Basis voller Waffen. Artjom muss nicht nur den drohenden Krieg verhindern, der die gesamte überlebende Metro-Bevölkerung auslöschen könnte, sondern sich auch noch auf die Suche nach dem letzten Schwarzen machen. Denn Artjom beginnt zu bezweifeln, ob die Mutanten überhaupt jemals eine Gefahr für die Menschen waren.

Von einem Spiel, das von sich selbst behauptet, in der russischen U-Bahn zu spielen, sollte man eigentlich vor allen Dingen eines erwarten dürfen: Eintönigkeit. Stattdessen erinnert „Metro: Last Light“ vor lauter Abwechslung immer wieder an “Half-Life 2″. Man macht keine 20 Minuten das selbe, ständig ändern sich die Umgebungen und Aufgaben. In 30 verschiedenen Leveln schleicht ihr an Gegnerpatroullien vorbei, irrt durch unübersichtliche und von Monstern bewohnte Sümpfe an der Oberfläche, fahrt mit einem Schienenfahrzeug durch die Gegend, feuert aus allen Rohren oder schlendert einfach nur durch eine friedliche Metro-Station und interagiert mit deren Bewohnern. Eine absolut ungewöhnliche Liebe zum Detail durchzieht dabei alle Aspekte des Spiels.

So kann ich etwa in einer der Stationen knapp 15 Minuten (!) damit verbringen, Musikanten, Tänzern, Dompteuren und Feuerschluckern dabei zuzugucken, wie sie auf einer Bühne ihr Programm darbieten. Oder ich höre ein weinendes Mädchen, das ihren Teddy verloren hat und bringe in ihr zurück, nachdem ich ihn zufällig wiederfinde. Oder ich gebe einem Bettler eine Patrone, die in dieser Welt als Geld dient, und höre mir anschließend einen minutenlangen Monolog über seine Vergangenheit an. Oder ich rette eine Frau vor drei Vergewaltigern, nachdem ich ihren Schreien in einen komplett optionalen Bereich des Levels gefolgt bin. Oder, oder, oder.

„Metro: Last Light“ ist vollgestopft mit spielerisch völlig sinnlosen Details wie diesen. Denn es gibt keine Erfahrungspunkte, keine mächtigeren Waffen, wenn ihr diese Dinge tut. Sie ziehen euch stattdessen kontinuierlich immer weiter hinein in diese Welt und geben euch das Gefühl, dass die Metro lebt, ganz unabhängig von euren Aktionen. Nachdem ich die Frau vor den Männern gerettet habe, poppt nicht etwa ein Erfolg oder ein Belohnungsfenster auf. Stattdessen sinkt sie einfach nur in sich zusammen und weint hemmungslos. Auf diese Art und Weise bauen die ukrainischen Entwickler von 4A Games eine Atmosphäre auf, wie man sie nur selten zu Gesicht bekommt.

Vor allen Dingen spielerisch hat sich „Metro: Last Light“ seit seinem Vorgänger sehr stark weiterentwickelt. Während „Metro 2033“ viel Potential hatte, litt es doch unter etlichen Kinderkrankheiten und Bugs, die mich immer wieder aus der Spielwelt hinauszogen. Bevor „THQ“ pleite gingen, scheinen sie jedoch ordentlich Geld in „Last Light“ hineingebuttert zu haben. Das Spiel fühlt sich nun tatsächlich wie ein „AAA“-Projekt an, das sich vor keinem seiner amerikanischen Konkurrenten verstecken muss.

Der wohl größte Fortschritt wurde beim Stealth-System gemacht. Während es theoretisch auch schon bei „2033“ möglich war, an Feinden vorbeizuschleichen und sie leise auszuschalten, hat das in der Praxis so gut wie nie funktioniert. Es war nicht nachvollziehbar, wann man für die Feinde sichtbar war. Wurde man auch nur ein einziges Mal entdeckt, war es zudem nicht mehr möglich, sich wieder zu verstecken: Künftig wusste die KI automatisch, wo man war, egal ob man nun wegrannte oder nicht. Das führte dazu, das blindes Losballern die wesentlich einfachere Möglichkeit war.

Hätte ich die Feuergefechte nicht für diesen Test ausprobieren müssen, hätte ich „Metro: Last Light“ vollständig ohne das Töten von Menschen – Skript-Sequenzen ausgenommen – beendet. Das Stealth-System erinnert nun nämlich mehr an “Splinter Cell” als an seinen Vorgänger. Ein blaues Lämpchen an Artjoms Armbanduhr zeigt an, ob er sich im Schatten befinden. Schleiche ich mich hinter einen Gegner, kann ich ihn entweder töten oder bewusstlos schlagen. Mit Schalldämpfern und Wurfmessern bleibe ich auch auf Entfernung tödlich – schade ist lediglich, dass man Leichen nicht bewegen kann. Das hat bei mir jedoch nie zu Problemen geführt, da man Lichtquellen schlicht zerstören oder auspusten und die Körper so schnell im Schatten verschwinden lassen kann.

Wer an dieser ruhigen Vorgehensweise keinen Spaß hat, der kann stattdessen auch wie Rambo höchstpersönlich durch das Spiel rennen. Dementsprechend sollte man sich vorher jedoch auch an den Basen mit Waffen und Zubehör versorgen: Während ich immer mit einer schallgedämpfter Pistole, einem ebenso leisen Luftdruck-Gewehr und – für die Notfälle – mit einer Schrotflinte bewaffnet war, bieten sich diese Waffen bei der Haudrauf-Methode nicht wirklich an. Immer wieder trefft ihr jedoch auf Händler, bei denen ihr euch mit Waffen eindecken und sie mit längeren Läufen, größeren Magazinen und besseren Zielvorrichtungen euren Wünschen entsprechend anpassen könnt. Außerdem sind die Level häufig sehr weitläufig und bieten viele optionale Wege, an deren Ende man besonders gut ausgestattete Waffen findet. Das Erkunden der Umgebung lohnt sich also.

Auch das Herumballern macht mehr Spaß als im Vorgänger, in dem die KI noch eine einzige Katastrophe war. Zwar gewinnen die gegnerischen Soldaten auch in „Last Light“ keinen Nobelpreis, verhalten sich jedoch durchaus glaubwürdig. Schwächere Feinde feuern aus der Deckung heraus, während die gepanzerten Kameraden versuchen, euch auf die Pelle zu rücken. Ab und an hat die KI noch immer ihre Aussetzer und reagiert vereinzelt nicht so, wie man sich das vorstellt. Diese Situationen sind jedoch sehr viel seltener geworden. Das Gunplay ist währenddessen nichts großartig besonderes und ist auf der Konsole weit entfernt von der intuitiven Leichtigkeit eines „Halo 4“. Die braucht es aber auch gar nicht, da sie kaum zum restlichen Spielgefühl passen würde.

Neben den menschlichen Gegnern warten vor allen Dingen an der Oberfläche, auf der ihr in „Last Light“ nun wesentlich mehr Zeit verbringt, fliegende, schwimmende, kriechende und laufende Mutanten auf euch. Da schafft es 4A Games dann regelmäßig, richtige Horror-Atmosphäre aufzubauen, von der ein „Dead Space 3“ nur träumen kann. Denn die Mutanten sind meist extrem schnell und tödlich, sodass eine Unachtsamkeit schnell das Neustarten vom (nun wesentlich besser verteilten) Checkpoint bedeutet. Wenn die Gegner dann auch noch riesige Skorpion-Spinnen-Viecher sind, die in einem völlig dunklen und von Spinnweben durchzogenen Seitengang überall um euch rum aus ihren Eiern schlüpfen, dann kann einem das Herz auch ruhig mal in die Hose rutschen.

Auf der Xbox 360 läuft „Metro: Last Light“ immer flüssig, profitiert von erstaunlich kurzen Ladezeiten und sieht trotz der alten Hardware noch immer hervorragend aus. Trotzdem ist die Konsolenversion kein Vergleich zur PC-Version. Diese kann nämlich locker mit „Crysis 3“ um den Grafik-Thron konkurrieren. Es bleibt zu wünschen, dass Deep Silver auch über eine Umsetzung für die Next-Gen-Konsolen nachdenkt.

Auch die deutsche Synchro muss sich nicht verstecken und ist auf konstant hohem Niveau. Wer besonderen Wert auf die Spiel-Atmosphäre legt der kann sogar die russische Sprachausgabe mit deutschen Untertiteln aktivieren.

Robins Fazit: 

Erst „Bioshock Infinite“ und nun „Metro: Last Light“. Die Single-Player-Shooter im Geiste von „Half-Life 2“ scheinen mal wieder auf dem Vormarsch zu sein und machen ihre Sache großartig.

Die größte Stärke von „Metro: Last Light“ ist zweifelsohne die Atmosphäre. Doch auch spielerisch hat sich im Vergleich zum Vorgänger so einiges getan. 4A Games muss den Vergleich mit den besten US-Studios nicht mehr scheuen und bietet euch ein Abenteuer, dass euch von der ersten bis zur letzten Sekunde durch immer neue Ideen niemals loslassen wird. Dass „Last Light“ zudem noch eines der gruseligsten Spiele der jüngeren Zeit ist – ohne überhaupt ein Horror-Spiel zu sein – ist da nur die Spitze des Eisbergs.

Wer einfach nur den Kopf ausschalten und ein wenig rumballern will, der ist mit anderen Shootern wohl besser verdient. Alle anderen bekommen mit „Metro: Last Light“ jedoch einen einzigartigen und mitreissenden Horror-Trip geliefert, an den man sich noch lange zurückerinnern wird.

Davids Fazit:

So ganz kann ich Robins Lobeshymnen nicht beipflichten, denn wer dieses Spiel wie ich als klassischen Shooter spielt und auf Schleicheinsätze verzichtet, bekommt einen Titel, der im Vergleich zur überrragenden Konkurrenz “nur” gut ist – zumindest wenn man ihn auf spielerische Details reduziert. Dafür ist das Gunplay zu schwammig, die Wahl der Waffe zu egal – welches Kaliber man auch wählt, große Unterschiede gibt es nicht. “Metro: Last Light” verzichtet allerdings auf Schnickschnack wie Erfahrungspunkte, Zeitlupenfunktionen oder Plasmide. Das hier ist deftiges Geballer der alten Schule, ohne überzogenes Tempo, ohne Open World, ohne Gnade.

Und dahingehend funktioniert das Gebotene wirklich exzellent: Die Atmosphäre überragt nahezu jeden anderen Konkurrenten, das Level- bzw. Art-Design gehört mit zum Besten, was dieses Genre zu bieten hat. Düstere Katakomben, eisige Stadtruinen, schummrige Moore – ständig winken neue Umgebungsdetails, die Grafik ist auf dem PC ein Augenschmaus. Die KI hat zwar teils derbe Ausfälle, aber das hat sie in Crysis auch. Und als durchaus hartgesottener Spieler erfreut es mich umso mehr, dass es endlich mal wieder ein Shooter geschafft hat, mich teils heftig zu erschrecken. W

as mir im Gegensatz zu Robin wenig Spaß bereitet, ist das ewige Warten auf die Story. “Last Light” erzählt sich in Momenten, in denen ich teils quälend lange auf die Ausführungen der KI-Kameraden warte. Während ich in “Bioshock Infinity” die Welt und deren Charaktere gerne und freiwillig entdecke, wird mir das Zuhören hier aufgezwungen – erst wenn ein Monolog beendet ist, geht es weiter. Das ist rückständiges Erzählen, ohne das die Story allzu spannend wäre. Eine 9/10 wäre das für mich (ganz knapp) nicht. Dennoch: im großen Meer der Story-Shooter ragt “Metro: Last Light” als gelungenes Exempel heraus.

Beschissene Randnotiz: “Metro: Last Light” verlangt für den höchsten Schwierigkeitsgrad tatsächlich bares Geld! Schöne neue Downloadwelt…

 

GEWINNSPIEL:

Unter allen Kommentaren verlosen wir ein großes Gewinnspielpaket zu “Metro”. Zu gewinnen gibt es die Romane von Glukuhvosky “Metro 2033″ und “Metro 2034″ und von Djakow “Die Reise in die Dunkelheit”, “Metro Last Light” First Edition für PC, Logitech Gaming Keyboard G110, “Metro 2033″ für PC, ein Last Light-Poster und ein Metro-Shirt in Größe L.

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Wertung

9/10
Getestet von Robin

Die beklemmende Welt der Metro hat mich auch noch einige Tage nach dem Beenden des Spiels nicht losgelassen, eine solche Atmosphäre ist mir seit "Silent Hill" nicht mehr untergekommen. "Last Light" ist mehr als die Summe seiner Gameplay-Teile und ein einzigartiger Abstieg in die menschlichen Abgründe.

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