Mythos Test - Diablos sperriger Bruder

David Hain
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Wir hatten’s ja schon im März, anlässlich unserer Vorschau, gesagt: Mythos ist ein schönes Spiel. Beziehungsweise war, denn als das – ursprünglich 2006 konzipierte – Action-RPG an den Start gehen sollte, wurde es durch die Pleite der Flagship Studios mit in die Tiefe gerissen. Warum es nun trotzdem im Handel steht? Weil der Berliner Publisher Frogster sich die Lizenz geschnappt, das alte Projekt ausgegraben und wieder aufgepäppelt hat. Nur doof, dass Mythos immer noch im Jahr 2008 feststeckt.

Mythos Test - Diablos sperriger Bruder

Jetzt stellt sich natürlich die Frage: ist das überhaupt etwas Schlimmes? Schließlich hat sich selbst ein “Diablo” in den letzten zwei Jahrzehnten kaum weiterentwickelt und wird mit Teil drei Ende 2011 ebenfalls “nur” mehr vom Gleichen bieten. Trotzdem, so müssen wir einwenden, hat sich das Genre minimal entwickelt, und sei es nur in Details. Die Bedienung etwa, die auch ein “Diablo 3″ nicht mit ins neue Jahrtausend nehmen kann.


Doch genau in dieser Hinsicht patzt “Mythos” ganz gerne mal: Die Menüs sind furchtbar kleinteilig, die Übersicht – vor allem in den völlig überfrachteten Skilltrees – ein Graus. Wer im Crafting-Menü auf Anhieb durchblickt oder ohne zu suchen die Umschalt-Option für die Zweit-Ausrüstung findet, darf sich an dieser Stelle gerne selbst einen Keks schenken. Eine Sortierfunktion fürs Inventar gibt es auch nicht. Warum nicht? Weil die 2006 eben noch kein Standard war.

Dafür läuft der Spielfluss in der Kerndisziplin weitestgehend reibungslos: Monster-Totklicken heißt die, was in etwa 97,77% des Spiels ausmacht. Die restlichen drei Prozent klickt man auf Instanzeingänge oder Händler – das war’s mit den Spielinhalten. “Mythos” ist damit also grundehrliches Hack’n Slay, ohne Schnickschnack, ohne Ideen. Was hier zählt ist die Befriedigung der Suchtspirale: Monster, Erfahrung, Items, Level-Ups, davon möglichst immer mehr.


Das funktioniert natürlich blendend, hat es bisher schließlich noch in jedem der zahllosen Genrevertreter. Die Tiefe der Großen, wird “Mythos” aber nie erreichen. Dafür mangelt es an Klassen – mit Gadgeteer, Bloodletter und Pyromant werden die gängigen Rollenverteilungen bedient, mehr aber auch nicht. Das Balacing der Drei stimmt hinten und vorne nicht, vor allem, weil man sich mit jeder Klasse in Sackgassen spielen kann. Wer falsch skillt, schaut auf hohen Stufen richtig doof aus der Wäsche.

Besonders gut wird “Mythos” den Sammelfüchsen unter euch gefallen: Nahezu jedes Monster lässt irgendetwas Wertvolles fallen, schon früh im Spiel sind das auch mal richtig wertvolle Gegenstände. Auch hier ist die Verteilung nicht immer intelligent gelöst, weil mitunter für bestimmte Itemslots einfach keine passenden Objekte droppen. Wer die nicht findet, zieht hingegen in Richtung Auktionshaus – aufgrund der schieren Itemfülle, gibt’s die da nämlich zum Schleuderpreis.

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