Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 3 Test – Ich will doch nur spielen…

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Eigentlich dachte ich, ich würde wissen, was eine richtig gute Serien-Umsetzung ausmacht. Für mich war immer klar: Je näher das Spiel an der Vorlage ist, desto besser. Während “Ultimate Ninja Storm 2″ so ziemlich jeden Moment, der auch nur ein bisschen Action im Anime bot mit spektakulären Kämpfen, Zwischensequenzen und interaktiven Quick-Time-Events à la “Asura's Wrath” vollstopfte, wurden die Dialoge oft nur stark abgekürzt dargestellt. Dadurch war die Story gelegentlich nur schwer zu verfolgen. “Ultimate Ninja Storm 3” macht es nun umgekehrt – und wird dadurch das deutlich schlechtere Spiel. 

Im Gegensatz zum letztjährigen Ableger „Ultimate Ninja Storm Generations“ wartet der dritte Teil wieder mit einem vollwertigen Einzelspieler-Modus auf, in dem wir mit Naruto durch die offene Welt laufen können. Die erscheint nun allerdings vollkommen überflüssig.

Während wir im zweiten Teil nämlich noch ständig Nebenmissionen annehmen und die Welt frei erkunden konnten, können wir in „Ultimate Ninja Storm 3“ während der Kampagne immer nur von A nach B rennen. Ab und zu darf man auch mal frei durch das Heimatdorf Konoha laufen, mehr ist jedoch nicht drin. Erst nachdem ihr das Spiel durchgespielt habt, öffnet sich die Welt für euch und ihr könnt wann und wohin ihr wollt reisen.

Auch die Nebenmissionen tauchen bis auf sehr vereinzelte Ausnahmen erst nach den Credits auf. Dieser Umstand ist vor allen Dingen der Story geschuldet: Naruto ist muss ständig dringend irgendwo hin oder ist in einem Areal gefangen – an der Geschichte des Mangas kann CyberConnect 2 natürlich wenig herumspielen, trotzdem hätte man einen Weg finden müssen, die Spielwelt sehr viel früher zu öffnen.

Ultimate Ninja Storm 3 Test: Das Spiel ist der Serie voraus

Das nächste Problem ist offensichtlicher. Während in “Ultimate Ninja Storm 2″ noch eine über 180 Episoden umfassende Geschichte zusammengefasst wurde, liegen für den dritten Teil nur noch ca. 80 Episoden bereit, exklusive Filler. Trotzdem habe ich für den Abenteuer-Modus mit insgesamt vierzehn Stunden Spielzeit ein bisschen länger gebraucht, als für den im zweiten Teil.

Das hat zwei Gründe: Während der Anime noch mitten in der Geschichte rund um den vierten Ninja-Weltkrieg steckt, erzählt das Spiel diese zu Ende – und ist dem japanischen Anime nun damit ca. 20 bis 30 Folgen voraus. Die deutsche Ausstrahlung wird dagegen schon etwa in der Mitte des Spiels überholt.

Der zweite Grund ist sehr viel weniger erfreulich. Denn auch mit dem zusätzlichen Material hat das Spiel weniger Geschichte zu erzählen, als der zweite Teil. Dieses Problem löste CyberConnect 2, indem sie die Zusammenfassungen der Geschichte komplett strichen – und diese stattdessen größtenteils 1:1 wiedergeben. Es ist keine Seltenheit, dass ihr 20 Minuten auf den Bildschirm starrt, während die Charaktere nichts anderes tun, als Dialoge zu führen. Während ich vom zweiten Teil die spektakulären Kämpfe mit ihren noch viel spektakuläreren Quick-Time-Events in Erinnerung behalten habe, kommen mir bei „Ultimate Ninja Storm 3“ als erstes die endlos langen, langweilig inszenierten Dialoge in den Sinn.

Meist stehen sich die Figuren nämlich einfach nur gegenüber, während sie die exakt gleichen Gespräche wie im Anime führen und die Kamera laaaaaaangsam von links nach rechts fährt. Ich habe für eines der insgesamt zehn Kapitel über eine Stunde gebraucht, währenddessen aber nur zwei Mal gekämpft und bin nur wenige Sekunden durch die Gegend gelaufen. Einmal hat sich sogar mein Controller automatisch ausgeschaltet, weil ich ihn so lange nicht mehr benutzt habe.

Die Boss-Kämpfe übertrumpfen selbst jene aus Asura's Wrath

Die toll inszenierten Kämpfe des Vorgängers dagegen sind zur Seltenheit geworden: Meist tretet ihr auch im Abenteuer-Modus nur ganz klassisch gegen euren Gegner an, wie ihr es auch aus normalen 1 vs 1-Kämpfen im Multiplayer-Modus gewohnt seid. Die wenigen, wirklich spektakulären Boss-Kämpfe übertrumpfen dann jedoch selbst die aus “Asura's Wrath” und kommen nicht nur mit den serientypischen Quick-Time-Events daher, sondern lassen euch gelegentlich auch in die Schuhe von riesigen Kreaturen schlüpfen, die ganz eigene Moves und Angriffsmöglichkeiten haben. Diese Highlights übertrumpfen die aus „Ultimate Ninja Storm 2“ mühelos, kommen jedoch schlicht viel zu selten vor.

Neu sind eine Handvoll Kämpfe, in denen ihr gegen mehrere Gegner gleichzeitig antreten müsst. Das hört sich spektakulärer an als es ist. Die Gegner leisten nämlich kaum Gegenwehr, sodass ihr völlig ungehindert auf sie einprügeln könnt: Sieht schön aus, mehr aber eben auch nicht. Ebenso selten könnt ihr im Abenteuer-Modus zwischen zwei Handlungsmöglichkeiten wählen. Meist heißt das, dass man lediglich zwischen „einfach“ und „schwer“ wählt und für die zweite Möglichkeit cooleres Equipment zur Verfügung gestellt bekommt.

Das war bisher sehr, sehr viel Kritik, die jedoch vor allen Dingen daher kommt, dass „Ultimate Ninja Storm 2“ so einen großartigen Einzelspieler-Modus hatte und dementsprechend hohe Erwartungen an den Nachfolger weckte.Das Kampfsystem, das hinter dieser verpatzten Kampagne steckt, ist jedoch spaßig wie eh und je. Noch immer sind sämtliche Angriffe und Kombos durch das Drücken von ein oder zwei verschiedenen Tasten auslösbar, weshalb die Kämpfe auch für Einsteiger sofort spaßig sind.

Die Kämpfe sind auch für Einsteiger sofort spaßig

Im Mehrspieler-Modus reicht das dumpfe Hauen auf die Tasten jedoch nicht. Wenn man gegen erfahrene Spieler antritt, muss jede Kombo und jedes Ninjutsu perfekt abgepasst sein. Eine der wenigen Neuerungen stellt der Erwachen-Modus dar: Während die Charaktere in den früheren Spielen nur in diesen besonders starken Modus wechseln konnten, wenn ihre Energie sehr niedrig war,  können manche Figuren ihn nun auslösen, wann auch immer sie wollen – jedoch nur einmal während eines Kampfes und nur für begrenzte Zeit. Zwei Support-Charaktere unterstützen euch erneut in den Kämpfen und können sogar eure ultimaten Jutsus verstärken.

Das Spiel umfasst mit 88 Figuren eine fast schon absurde Anzahl von Charakteren. Diese Zahl kommt zustande, weil sie sich allesamt fast identisch steuern und größtenteils aus „Ultimate Ninja Storm Generations“ entnommen wurden. Aber auch wenn sie sich deckungsgleich steuern, sehen zumindest alle Kombos, Jutsus und Erwachen-Modi bei jedem Charakter anders aus, wodurch man sie alle zumindest einmal ausprobieren möchte.

Wie bereits in den Vorgängern ist erneut die englische und die japanische Synchro samt deutschen Untertiteln dabei. Grafisch wird „Ni No Kuni“ nach nur wenigen Monaten wieder vom Cel-Shading-Thron gestoßen: „Ultimate Ninja Storm 3“ schaffte es mit seinen Zwischensequenzen und Umgebungen wieder und wieder, meine Kinnlade gen Boden fallen zu lassen und sieht um einiges ansprechender als der Anime aus.

Fazit: 

Ultimate Ninja Storm 3“ enttäuscht mit seiner viel zu ausführlichen Kampagne auf hohem Niveau, da die intensiven Boss-Kämpfe des zweiten Teils zugunsten von stundenlangen Dialogen auf ein Minimum reduziert wurden.

Wenn diese Gespräche zumindest ansprechend inszeniert wären, wäre das halb so schlimm: Stattdessen sieht man jedoch selten mehr als ein paar Charaktere, die sich unbeweglich gegenüberstehen und Stunde um Stunde vor sich hin plappern. Als Naruto-Fan wollte ich diese Sequenzen ständig überspringen, da ich sie schlicht und einfach schon genauso aus dem Anime kenne. Wenn die Hardcore-Fans diejenigen sind, die sich am meisten langweilen, hat man irgendetwas falsch gemacht. Ständig dachte ich mir, dass ich doch eigentlich gerne ein Spiel spielen, statt einen Anime in Spiele-Grafik gucken würde.

Nichtsdestotrotz steckt erneut ein verdammt spaßiges Kampfsystem hinter dem Adventure-Modus, das mit unglaublichen 88 Charakteren alleine schon den Kaufpreis wert ist. Zwar erreicht „Ultimate Ninja Storm 3“ zu keiner Zeit die hohen Standards des zweiten Teils, ist aber trotzdem noch immer eine der besseren Serien-Umsetzungen auf dem Markt.

Wertung: 74%

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