Need for Speed Payback im Test: Fast & Furious - Das Spiel

Sandro Kreitlow

Need for Speed Payback soll die Reihe nach dem enttäuschenden letzten Teil zurück auf die Rennspiel-Bildschirme bringen. Dafür wird alles – natürlich – größer. Ist das Open World-Konzept wirklich die Lösung? 

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Need for Speed: Payback - Offizieller Story-Trailer

Das Need for Speed-Reboot war leider nicht weniger als eine Enttäuschung. Zu viele peinliche Dialoge, zu wenig Arcade-Racing-Spaß. Payback soll der Reihe nun all den Spaß zurückbringen, für den sie einst stand.

Die fiktive Stadt der Superlative

Anders als The Crew, in dem du durch quer durch die USA reisen kannst, begrenzt sich die Open World in Need for Speed Payback auf eine große Stadt der Superlative und ihrem tristen Umland. Klingt nach Las Vegas, denkst du? Stimmt nicht ganz. Die Stadt voller Casinos mitten in der Wüste ist zwar orientiert an der größten Stadt Nevadas, allerdings ist sie fiktiv. Warum Silver Rock im Fortune Valley nicht Las Vegas heißt, verriet mir Game Director William Ho im Anspiel-Event in Köln:

„Wir haben versucht, das Spiel um eine echte Stadt herum zu bauen. Allerdings haben wir gesehen, dass es nicht besonders viel Spaß macht, dort Rennen zu fahren. Echte Städte sind sicher und für den alltäglichen Weg gebaut. Das Ergebnis war nicht besonders gut. Dann haben wir nach echten Örtlichkeiten gesucht, die eine gewisse Persönlichkeit haben. Allen voran mussten wir aber Strecken finden, die spaßig sind. Wir mussten also ein Straßennetz bauen, das für Rennen geeignet ist. Welche Grundrisse brauchen wir für Offroad? Welche für Drag-Races? Es musste viel getestet werden. Erst dann haben wir Sehenswürdigkeiten eingebaut, die an echten orientiert sind. Alles andere kam dann erst. Im Fokus stand immer spaßiges Gameplay.“

Um Silver Rock herum sorgen bewaldete Gebirge, trockene Canyons und staubige Wüsten für Abwechslung. Die Stadt selbst hat allerdings wenig zu bieten. Klar handelt es sich hierbei um ein Rennspiel, doch dass nicht ein Bewohner Silver Rocks zu finden ist, reißt dich immer wieder aus der Geschichte heraus. Anders als im Vorgänger wirst du außerdem keine Wetterwechsel erleben, dafür ist ein Tag-und-Nacht-Zyklus dabei. Die Welt kann also nur teilweise überzeugen.

Paul Walker, bist du es?

Die Prämisse ist kurz erzählt. Protagonist Brian O’Conner (Paul Walker in der Fast & Furious-Reihe) – hier Ryler Morgan genannt – betitelt sich selbst als den besten Rennfahrer der Stadt und bildet mit seinen Freunden Mac (Showman) und Jess (Wheelman) eine Racing-Trio. Allerdings hat die eigentliche Verbündete Lina Navarro das Team an die Polizei verpfiffen, um dem verbrecherischen, herrschenden House-Kartell Vorteile zu verschaffen. Fünf Jahre später gilt es, den Respekt der Untergrund-Szene zurückzuerlangen, um das Kartell zu stürzen. Clever: Um die flache Geschichte ein wenig abwechslungsreicher zu erzählen, wechselst du – nicht frei – zwischen drei Charakteren.

Dabei fährt Tyler Straßenrennen und Dragster-Duelle, während Mac der Offroad-Spezialist ist, Drift-Wettkämpfe bestreitet und Jeff die Rolle des Runners übernimmt, also die Jungs in actionreichen Einsätzen mit gewaltigen Aktionen gegen die Polizei verteidigt. Das Trio gibt eine gute Mischung ab, allerdings bleiben ihre Motivationen bis zum Ende nicht nachvollziehbar. Die Dialoge sind zwar nicht mehr so peinlich wie im Vorgänger, doch gut sind sie nicht. Nicht nur Dialoge und Charaktere schreien nach Fast & Furious, auch die Action ist ebenso überspitzt.

Doch die Geschichte sollte nicht im Vordergrund stehen, denn sie nimmt nur einen kleinen Teil des etwa 15-stündigen Rennspiels ein. In Blockbuster-Missionen stiehlst du nicht nur wertvolle Wagen vom House-Kartell, um bei der anschließenden Verfolgungsjagd zu entkommen, indem Polizeiautos zerstört werden, um nicht in einer Sackgasse zu landen. Neben den vielen Sportwagen bekommst du auch die Möglichkeit, einen Truck steuern – verfolgt von einem Helikopter.

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Wie William Ho im Interview bereits verriet, stand das Gameplay stets über der Handlung und der Open World. Und hier kann Payback punkten: Trotz unterschiedlicher Autos und Modi steuert sich das Spiel – vor allem das Driften – sofort intuitiv. Das Fahrgefühl der Autos erinnert hin und wieder an GTA 5, das eine ähnlich saubere Arcade-Fahrphysik bietet. Anders als im Rockstar-Spiel nimmst du aber spektakuläre Stunts nicht selbst in die Hand. Stattdessen werden sie in Zwischensequenzen gezeigt – naja, zumindest nicht per Quick-Time-Events. Der ein oder anderen Blockbuster-Moment mehr hätte dem Spiel nicht geschadet.

Feintuning

Die offene Welt ist nicht besonders lebendig, da helfen auch keine Mini-Aktivitäten wie das Brechen von Tempolimits oder die Sprünger nach Mindestweite nicht. In Streetracing-, Offroad-, Drag- und Drift-Rennen erarbeitet sich das Trio Respekt. Die langen Sprintrennen und schlauchigen Highway-Strecken sind nicht besonders kreativ gestaltet, nur die Offroad-Duelle mit ihren Rampen bieten etwas mehr Spaß.

In Nebenmissionen schmierst du Polizisten oder suchst alte Wracks, aus denen du gewaltige Sportwagen bastelst. Der Erfolg bei Rennen hängt weniger von der vielfältigen Karosserie- und Lackier-Optionen ab, als von der Leistung, die durch eine Rangziffer symbolisiert wird. Im neuen Tuning-System werden sechs Bauteil-Kategorien mit Speedkarten bestückt, die hin und wieder mit Boni ausgestattet sind. So gibt es beispielsweise einen Tempo-Boost, wenn mindestens drei Karten einer bestimmten Tuning-Marke verwendet werden. Das Speedkarten-Sortiment in Tuning-Shops wechselt alle 30 Minuten. Wichtige Karten bekommst du allerdings nur entweder nach Rennen oder indem du Gutscheine bei einer Kartenlotterie tauschst, die du durch Abgabe überflüssiger Karten oder Lieferungen erhältst.

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Auch Need For Speed Payback kommt nicht ohne Lootboxen aus. Die Lieferungen bekommst du nämlich nicht nur durch Reputation, sondern auch durch Echtgeldeinsatz. Letzteres ist allerdings nicht nötig, um Need For Speed Payback ohne Probleme durchzuspielen, weil du genug Tokens/Karten auch so bekommt. Das Problem ist da eher, dass das Grinden nur häppchenweise Verbesserungen bringt. Mit dem Kauf erhälst du auch nicht auf einen Schlag eine Suprkarre, die dir einen großen Vorteil bringt. Das Problem ist also vielmehr, dass das Hoffen auf die richtige Speedkarte nach dem Sieg eines Rennens einem Glücksspiel gleicht. Denn du wählst lediglich zwischen drei verhüllten Karten aus, sodass du hin und wieder am erneut am gleichen Rennen teilnehmen musst, um an das richtige Upgrade zu gelangen. Der hohe Zeit- und Grinding-Aufwand kann frustrierend werden.

Das sind alle Autos in Need for Speed Payback: 

Need for Speed Payback: Autos und Liste aller Hersteller

Das Spiel ist geprägt von Balancing-Problemen. In Rennen gibt es zwar keinen Gummiband-Effekt mehr, was jedoch zur Folge hat, dass jeder kleinste Fehler bestraft wird und es schier unmöglich ist, noch an die Spitze zu gelangen, da sich NPCs schon in der mittleren von drei Schwierigkeitsstufen kaum und der erstplatzierte Fahrer stets gar keinen Fehler erlauben. Oft sind Gegner uneinholbar, selbst wenn du deinen Schlitten nach ewigem Grinding so sehr hochgezüchtet hast, dass er die Konkurrenz mit niedriger Wagenstufe eigentlich klar besiegen solltest.

Die Handlung ist auch offline spielbar. In der Spielwelt tauchen keine anderen Spieler auf. Im Online-Modus treten maximal acht Spieler auf ähnlicher Leistungsstufe gegeneinander an, die zwischen Racer- und Offroad-Wagen entscheiden. Zur Belohnung gibt es Speedcards, Geld und Erfahrungspunkte. Auf Dauer ist der Multiplayer-Modus wenig motivierend. Wünschenswert wäre ein Modus gewesen, in dem Blockbuster-Missionen gemeinsam mit zwei Freunden absolviert werden.

Optisch schafft Need For Speed Payback schicke Umgebungen, allerdings nicht fehlerfrei. Texturen laden spät, der Schatten springt auch auf der Xbox One X während der Fahrt. Frostbite 3 ist eben vorrangig als Shooter-Engine konzipiert – das zeigt nach Mass Effect: Andromeda nun auch Need for Speed Payback. Immerhin läuft der Arcade-Racer auf Microsofts neuer Konsole in 4K und flüssigen 30 Bildern pro Sekunde.

Zusammenfassung & Fazit

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Need For Speed Payback ein weiteres Spiel, das die Open World nicht nötig gehabt hätte. Zwar könne das Arcade-lastige Gameplay und das umfangreiche Tuning überzeugen, doch die Blockbuster-Handlung verliert sich in einer schönen, jedoch leblosen Spielwelt, die zu wenig Abwechslung bietet. Wäre das Spiel linear, hätten sich die Entwickler sicher mehr auf erinnerungswürdige Charaktere, ordentliches Balancing und motivierendes Grinding fokussieren können.

Wird dir gefallen, wenn du Arcade-Racer magst und Fast & Furious schon immer als Spiel erleben wolltest.

Wird dir nicht gefallen, wenn du Fan von realistischen Rennsimulationen bist.

Wertung

6.5/10
Getestet von Sandro

Eine Rückkehr der glorreichen Need for Speed: Underground-Zeiten ist nicht gelungen, doch zumindest geht die Reihe einen Schritt nach vorne, nur eben in die falsche Richtung namens Open World.

Weitere Themen: Need for Speed, Electronic Arts

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