Nippon Nation: Tokyo Ghoul - Der Inbegriff übertriebener Gewalt

Annika Schumann
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Eigentlich habe ich Tokyo Ghoul angefangen, weil es in den ersten Folgen eine erwachsene, düstere Geschichte mit vielen offenen Fragen zu präsentieren schien. Schnell wurde jedoch klar, dass der Fokus der Serie auf einem anderen Aspekt liegt: Gewalt und viel Blut. Ob sich der Anime dennoch gut geschlagen hat, lest ihr in dieser Review.

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Tokyo Ghoul Opening.mp4

Tokyo Ghoul: Gewalt und Blut in Mengen

Ich bin alles andere als zimperlich. Mit Vorliebe schaue ich Horror-Filme und bevorzuge Serien, die von Anfang an einen finsteren Vibe verbreiten, bei denen es auch gerne mal blutig zugehen kann.
Doch manchmal ist es einfach zu viel. Manchmal ist weniger mehr. Das gilt auch für Tokyo Ghoul, das eigentlich viel Potenzial hätte.

Im modernen Tokyo sind nicht die Menschen die Spitze der Nahrungskette – sondern die Ghouls. Diese mögen zwar aussehen wie ihre Mitbürger, doch sie tragen ein gefährliches Gen in sich. Aufgrund ihrer Veranlagung können sie sich nur von menschlichem Fleisch ernähren. Jede andere Nahrung, außer Kaffee, stößt ihr Körper ab. Wenn sie niemanden töten und nicht fressen, versiegt nach und nach ihre Kraft und ihre Energie. Jeder von ihnen verfügt außerdem über eine spezielle Fähigkeit, die sie als Waffe gegen Menschen oder andere Ghouls einsetzen können. Wenn sie diese freisetzen oder ihr wahres Ich zeigen, verändern sich ihre Augen auf groteske Art und Weise – so lassen sie sich am leichtesten von Menschen unterscheiden. Ebenso verfügen die Ghouls über starke und unterschiedlich rasche Selbstheilungskräfte, die teilweise den sicheren Tod abwenden.

Ken Kaneki weiß von alledem, doch er hat bislang keinerlei Erfahrungen mit Ghouls gemacht. Daher trifft er sich auch ohne jegliche Bedenken mit einer jungen Frau, die die gleichen Bücher liest wie er und hofft auf ein schönes Date. Was er jedoch nicht weiß, ist die Tatsache, dass seine Verabredung auch nur auf eines Aus ist – Kanekis Fleisch. Während die beiden gegeneinander kämpfen, stürzen jedoch Stahlträger von einer Baustelle herab und töten den weiblichen Ghoul namens Rize. Kaneki wird schwerverletzt in ein Krankenhaus gebracht, wo ihm Organe von Rize transplantiert werden, damit er überlebt.
Als Kaneki erwacht, wird ihm sofort bewusst, dass etwas nicht stimmt. Er kriegt kein Essen herunter und verspürt nur eine Lust – die nach menschlichem Fleisch. Verzweifelt und verwirrt versucht er, gegen seine neuen Instinkte anzugehen und sich bewusst zu werden, dass er nun Halb-Mensch, Halb-Ghoul ist. Dabei trifft er auf andere Ghouls, die im Café namens Anteiku eine Gemeinschaft bilden, um anderen ihrer Art zu helfen. Dort versucht Kaneki mit seinem neuen Schicksal umzugehen, doch ihm wird schnell bewusst, dass viele Gefahren auch innerhalb der eigenen Reihen lauern und er ständig um den eigenen Fortbestand kämpfen muss…

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Fragen über Fragen sorgen für Spannung

Die Frage, die sich sofort aufdrängt, ist jene nach der Herkunft der Ghouls. Waren sie schon immer da? Kamen sie plötzlich aus dem Nichts? Das ist es, was den Zuschauer zunächst weitertreibt. Auch die Hoffnung, dass Kaneki seinem Schicksal irgendwie entkommen und wieder ein normales Leben führen kann, sind ein Grund, um immer wieder eine neue Folge einzuschalten.
Doch leider möchte der Anime andere Dinge in den Vordergrund stellen. Natürlich ist der Fakt, dass sich die Ghouls nur von menschlichem Fleisch ernähren können eine Prämisse für viele blutige Szenen, doch was Tokyo Ghoul bietet, schießt weit über das Ziel hinaus. So, wie die Charaktere teilweise auseinandergenommen, gefoltert, verstümmelt und zerstückelt werden und dabei literweise Blut verlieren, macht die ausufernden Gewaltarien fast schon lächerlich – ja, sie haben diese Selbstheilungskräfte, aber die Ghouls scheinen sich selbst jedes Mal zu wundern, wenn ein vermeintlich auseinandergenommener Gegner in späteren Folgen wieder putzmunter vor ihnen steht.

Das zeigt, dass diese immense Gewalt gar nicht nötig ist. Die Serie hätte auch mit viel weniger auskommen können, denn die Kämpfe an sich sind gut gestaltet – aber muss es wirklich so viel unsinniges Zerstückeln geben? Ich denke nicht. Andere Serien schaffen es auch eine gute Balance zu finden, wie zum Beispiel Psycho-Pass oder X/1999. Die blutigen Szenen, die darin vorkommen, sind ebenfalls alles andere als harmlos, doch dadurch, dass sie genau im richtigen Rahmen präsentiert werden, fügen sie sich in ein perfektes Gesamtbild ein.
Bei Tokyo Ghoul ist das Hauptmerkmal aber die übertriebene und überzogene Gewalt – was ich schade finde. Wie gesagt, ich bin immer für viel Action, gerne auch blutigen Szenen, da diese oftmals Dramatik hervorrufen. Doch wenn dieses Auseinandernehmen der Gegner doch nicht in einem tödlichen Showdown endet, sondern diese sich einfach nach einer Weile erholen, kann man auch darauf verzichten und den Gewaltpegel herunterschrauben.

Ein guter Charakter-Mix

Dennoch hat die Geschichte von Tokyo Ghoul einige interessante Charaktere wie zum Beispiel Kanekis Ghoul-Bekannte Toka zu bieten. Selten gefallen mir weibliche Figuren in Animes, weil diese oft genug eine nervige Rolle einnehmen – ganz anders Toka. Sie ist ein starker, selbstbewusster und teilweise hasserfüllter Ghoul, der ein klares Ziel verfolgt. Sie weiß sich ständig zu verteidigen und ist nicht auf Hilfe von anderen angewiesen. Solche starken Charaktere gefallen mir und ich hätte gerne nicht nur von ihr mehr Hintergrundgeschichten erfahren. Diese blieben bislang jedoch so gut wie außen vor und wurden, wenn überhaupt, nur kurz angeschnitten.
Kaneki selber ist nicht unbedingt der Protagonist, den man sich wünscht und den man gut findet. Er heult viel und scheint ständig überfordert. Durch die anderen, spannenden Figuren kann man ihn jedoch zum Großteil ignorieren. Das Ende verspricht allerdings andere Aspekte und er könnte in der Fortsetzung durchaus interessanter werden.
Ebenso kamen, meiner Meinung nach, die Charaktere des Ghoul-Verfolgungsdepartments der Polizei namens CCG zu kurz, weshalb mich eine bestimmte Wende und ein Vorkommnis so gut wie kalt gelassen haben, weil ich keine wirkliche Beziehung zu den Figuren aufbauen konnte. In Zukunft würde ich vor allem gerne mehr über diese erfahren.

Fazit:

Tokyo Ghoul hat 12 Episoden und hat somit die erste Staffel vollendet. Für zwischendurch ist der Anime gut geeignet, solange man mit der vielen Gewalt zurecht kommt. Die zweite Staffel wird im Januar 2015 starten. Ich werde sie mir ansehen, um zu erfahren, ob einige der offenen Fragen je geklärt werden und ich noch mehr über die Charaktere erfahren kann. Auf die starke Gewalt kann ich jedoch verzichten und hoffe, dass die neuen Folgen diese etwas herunterschrauben. Um die Zeit zu überbrücken, werde ich mich dem Manga zu Tokyo Ghoul zuwenden und schauen, ob die Vorlage ebenfalls so extrem blutig ist.

Unter dem Titel “Nippon Nation” werde ich euch von nun an Artikel und Specials rund um das Thema Anime, Manga und Japan präsentieren. 

Mehr zu Nippon Nation:

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©Pierrot, Funimation, Kazé Anime

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