No Man's Sky & Co: Warum wir uns über Verschiebungen nicht aufregen dürfen

Sebastian Moitzheim
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No Man's Sky ist das neuste Spiel, das (noch) später als geplant erscheinen wird. Bei den Fans hat das hitzige Reaktionen ausgelöst – einige sprachen gar Morddrohungen gegen die Entwickler aus.

No Man's Sky & Co: Warum wir uns über Verschiebungen nicht aufregen dürfen

“Hello Games sieht mittlerweile aus wie das Haus in Kevin – Allein zu Haus“. Sean Murray, Entwickler von No Man’s Sky, twitterte das am Samstag. Es ist ein Witz, aber dahinter steckt auch eine reale Angst: Murray und das Studio erhielten Morddrohungen, weil sie eine (erneute) Verschiebung ihres heiß erwarteten Spiels ankündigten. Kotaku-Autor Jason Schreier wurde sogar bedroht, weil er über die Verschiebung, über die er natürlich keine Kontrolle hat, berichtet hat.

Nun sind wir uns hoffentlich alle einig, dass Morddrohungen, egal aus welchen Grund, indiskutabel sind. Aber die Drohungen sind nur der extremste Ausdruck einer weit verbreiteten Wut unter den Fans von No Man's Sky. Diese Wut ist durchaus verständlich – wohl niemand, der Videospiele liebt, kann behaupten, noch nie durch eine Verschiebung enttäuscht worden zu sein. Aber Enttäuschung hin oder her – wir müssen aufhören, uns über Verschiebungen aufzuregen.

Eine Verschiebung bedeutet ein besseres Spiel

Verschiebungen sind, in den allermeisten Fällen, etwas Gutes. Wann immer ein neues Assassin's Creed oder Fallout erscheint, regen wir uns über Bugs auf; bei Street Fighter 5 waren wir wütend, dass das Spiel im Grunde nicht mehr ist als eine bessere Demo, da wichtige Elemente wie ein brauchbarer Singleplayer-Modus fehlen.

Wer glaubwürdig sein will, muss sich für einen dieser Aufreger – über Bugs oder Verschiebungen – entscheiden.

Spiele erscheinen verbuggt oder unfertig, weil Entwickler sie zu einem bestimmten Datum veröffentlichen wollen – koste es, was es wolle. Wenn ein Entwickler sich entscheidet, das Spiel später als geplant zu veröffentlichen, entscheidet er sich – meistens –, noch länger am Spiel zu arbeiten und da, wo es nötig ist, auszubessern. Wenn wir dann jammern, weil wir das Spiel später bekommen als erwartet, sagen wir: Bugs und fehlende Inhalte sind uns egal, Hauptsache, wir erhalten das Spiel so schnell wie möglich. Persönlich ist es mir da doch lieber, etwas länger zu warten, und dafür ein einwandfreies Spiel zu bekommen – oder wenigstens das Recht zu haben, mich über Bugs zu beschweren, da ich bei der Verschiebung die Klappe gehalten habe.

Natürlich muss man hier eine Einschränkung machen: Nicht immer entscheiden Entwickler sich aus so guter Absicht für eine Verschiebung. Manchmal wollen sie auch einfach noch an Features arbeiten, die keiner haben wollte, wie es gerade allem Anschein nach bei Mighty No. 9 der Fall ist; oder sie befinden sich in einer Art Teufelskreis aus immer größeren Erwartungen durch die lange Wartezeit, was erneut zu nötigen Verbesserungen führt, was erneut zu längerer Wartezeit führt usw.; das war wohl einer der Gründe, warum wir so lange auf Duke Nukem Forever warten mussten, und das Ergebnis war dann nicht einmal besonders toll.

mighty no. 9

Aber auf der Gegenseite stehen so viele großartige Spiele, die offensichtlich von der langen Entwicklung profitiert haben: Half-Life 2, BioShock, GTA IV, The Legend of Zelda: The Wind Waker – alle diese Meisterwerke wurden, oft mehrmals, verschoben, und bei allen haben wir es längst vergessen, einfach, weil sie am Ende so gut waren.

Natürlich besteht bei einem Spiel wie No Man's Sky, das ohne viele Anhaltspunkte einen ziemlich absurden Hype erfährt, die Duke-Nukem-Forever-Gefahr; aber der Entwickler sagt nicht, „Es kommt, wenn es fertig ist“, er nennt ein konkretes neues Releasedatum und einen nachvollziehbaren Grund: Mehr Feinschliff ist nötig. (Es wird auch spekuliert, dass die Verschiebung eine Marketing-Entscheidung ist, da es während der E3 und der Fußball-EM schwierig wird, ein Spiel zu vermarkten. Ich glaube daran nicht, denn wie der Hype zeigt, vermarktet No Man’s Sky sich im Grunde selbst. Außerdem: Hier arbeitet ein Indie-Studio, das zuvor nur zwei kleine Spiele entwickelt hat, an einem gewaltigen Projekt, das eher auf AAA-Level ist; dass dabei Komplikationen entstehen und noch ein paar Bugs ausgebügelt werden müssen, ist nicht abwegig.)

Natürlich ist eine Verschiebung aus gutem Grund trotzdem eine Enttäuschung, aber wütend sollten wir deshalb nicht sein – im Gegenteil, Hello Games verdient unseren Respekt für die Entscheidung: Der Hype um No Man's Sky ist so groß, das auch eine verbuggte Version eine wahre Gelddruck-Maschine für Hello Games sein könnte. Selbst, wenn das Spiel von der Kritik verrissen wird, werden die Fans nicht vom Kauf absehen – eher werden sie die Kritiker angreifen oder, sagen wir, eine bescheuerte Petition starten. Doch das Studio riskiert den Fan-Unmut, den eine Verschiebung meist bringt, und nimmt dafür in Kauf, den Hype etwas zu dämpfen – und das (anscheinend) nur, damit das Spiel besser wird.

Weitere Themen: Mighty No. 9, Duke Nukem Forever, Sony Computer Entertainment

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