Paragon in der Vorschau: So episch wird das neue Game der Gears-of-War-Macher!

Kristin Knillmann
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Epic Games (u.a. Gears of War) hat mich neulich nach London eingeladen, um für dich das neue Multiplayer-Game und allererste PS4-MOBA Paragon zu spielen. Wie gut der Titel wird und warum ich gleichzeitig begeistert und vorsichtig skeptisch bin, erfährst du in meiner Vorschau.

Schau dir das neue Gameplay-Video zu Paragon an:

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Paragon - Gameplay mit neuen Helden

Das steckt hinter Paragon:

Paragon ist das neue Projekt von Epic Games, die du von Gears of War oder Unreal Tournament kennst. Entgegen ihrer sonst sehr Shooter-lastigen Ausrichtung, haben sie sich für 2016 dazu entschieden, ein MOBA (Multiplayer Online Battle Arena, aka. Real-Time-Strategy-Spiel) auf den Markt zu bringen. Ein großes und extrem mutiges Vorhaben, wenn du bedenkst, wie übersättigt der Markt allein von League of Legends, Dota 2 und SMITE ist. Aber das hält die passionierten MOBA-Veteranen des Studios natürlich nicht davon ab, ihrem Paragon einen ganz eigenen Spin zu verleihen und ein Werk zu schaffen, das eventuell auch Nicht-MOBA-Spieler (wie dich?) begeistern könnte.

Gut, ein MOBA also. Das beinhaltet natürlich viele der üblichen Systeme, die bekannt sind für das Genre: Es gibt Minions, die gefarmt werden wollen, Türme, die auf leichtsinnige Spieler schießen und einen “Nexus”, den es zu zerstören gilt, um das Match für das eigene 5-köpfige Team zu entscheiden. Team deswegen, weil auch dieses MOBA in der typischen 5 vs. 5-Konstellation online ausgetragen wird. Epic Games will sich dabei erstmal auf eine einzige Karte mit den drei typischen Lanes und dem Jungle beschränken, lässt aber die Option offen, später noch weitere Spielmodi und Karten zum Spiel hinzuzufügen.

Bis hierhin verstanden? Wenn du das jetzt noch mal in Video-Form sehen möchtest, kann ich dir dieses (englischsprachige) Video empfehlen, welches das Spiel-Prinzip von Paragon in 60 Sekunden zusammenfasst:

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How to Play Paragon in 60 Seconds
Die 10 besten PC-Spiele 2016 im Jahresrückblick

Nicht schon wieder ein MOBA!

Ich weiß, ich weiß. MOBAs sind die Hassliebe der Games-Branche – einige Spieler sind dem Genre total verfallen und zocken kaum noch andere Games. Der Rest? Hat halt einfach keinen Bock auf diese Art von Spielen, in die man ziemlich viel Zeit investieren muss, um sie zu verstehen und zu meistern. Aber bevor du jetzt wieder gehst, hör mir kurz zu: Paragon macht genug Dinge anders, dass sich ein Blick meiner Meinung nach auch dann lohnt, wenn du mit dem Genre sonst nicht so viel anfangen kannst.

Was ist überhaupt ein MOBA? Wir erklären die Grundlagen!

Besonders auffällig ist die Wandlung des Genre-typischen Looks: Statt von oben auf das Geschehen zu blicken, befindest du dich – ähnlich wie schon bei SMITE – mitten im Geschehen von Paragon. Das sorgt für ein völlig anderes Spielgefühl als es klassische MOBAs erlauben. Ganz abgesehen davon, dass Paragon auch noch richtig richtig gut aussieht und bereits damit seine Konkurrenz in den Schatten stellt.

Und wenn dein auserwählter Held dann auch noch eine Knarre in der Hand hat, ist der Weg zum Shooter gar nicht mehr so fern. Nur, dass sich Paragon dabei natürlich nicht wie ein besonders flotter Shooter anfühlt, sondern eher wie einer, der zwar durchaus eine schnelle Reaktion fordert, aber eben auch viel Vorausplanung und Strategie benötigt, damit du erfolgreich sein kannst.

Das Karten-System von Paragon:

Genau diese Strategie erfolgt unter anderem über ein recht ungewöhnliches Item-System, das dem MOBA-Titel eine frische Komponente verleiht. In der Laning-Phase, sowie im Jungle, sammelt dein Held wichtige Orbs, die in Karten-Punkte verwandelt (eine Anzeige am unteren Bildschirm-Rand zeigt dir deinen Fortschritt) und in der Basis für neue Gegenstände (oder das Upgraden von bereits gekauften Gegenständen) eingesetzt werden. Diese Items hast du dir bereits vor dem Start des Spiels ausgesucht – entweder als vorgefertigtes Deck für deinen Charakter-Typen oder mit der Hilfe eines an Kartenspiele angelehnten Deck-Builders.

Lieber ein offensives, defensives oder ein “Utility”-Deck? Du kannst vorab individuell entscheiden, wie du deinen Charakter bauen möchtest. Das Ziel dahinter: Epic Games möchte verhindern, dass du während des Spiels, in dem jede Sekunde gut eingesetzt werden muss, minutenlang im Item-Shop hängst, um dich für einen passenden Gegenstand zu entscheiden. Ein solches vorgefertigtes Deck ist also im Grunde nichts anderes als die “Empfohlenen Gegenstände” in einem MOBA, die den Kauf vereinfachen, fühlt sich durch die alternative Darstellung aber richtig frisch und angenehm an – also, abgesehen davon, dass die Menüführung aktuell noch totale Grütze ist.

Dass du vorher entscheiden kannst, welche Gegenstände du im Spiel kaufen willst, ist eigentlich ganz smart – besonders für Einsteiger. Denn es bedeutet, dass du dir bereits vor einer Spiel-Session Gedanken über deine Strategie machen musst – was durchaus einer dieser tollen Reize ist, welche die MOBA-Welt so spannend und diskussionstauglich machen.

Gleichzeitig hat das System des vorgefertigten Decks ein signifikantes Problem für diejenigen, die strategisch tiefer einsteigen wollen. Wer Spiele wie League of Legends und Dota spielt, weiß dass es besonders reizvoll ist, seinen Champion mit einem sehr ungewöhnlichen Item Build auszustatten. Das ist zwar hier auch durchaus noch möglich, indem man sich vorher seine Karten zurecht legt. Allerdings verhindert das festgelegte System einerseits, dass ich meinen Charakter mitten im Spiel mit Währungsverlust komplett umbaue, wenn ich meinen Gegner überraschen will, mir der Spielstil doch nicht gefällt oder ich auf eine Teamkomposition reagieren will, die ich falsch eingeschätzt hatte. Das gleiche Problem existiert aus der anderen Perspektive auch: Ich kann nicht spontan mit meinem Build auf einen Gegner reagieren, der mit völlig alternativen Gegenständen spielen wird.

Ich habe im Interview mit Epic Games nachgefragt, wie sie das Problem des limitierten Counterplays angehen wollen. Laut Creative Director Steve Superville (epischer Name!) wird es höchstwahrscheinlich irgendwann die Möglichkeit geben, in einer noch kommenden “Pick und Ban”-Phase die gegnerische Zusammenstellung des gewählten Karten-Decks (% der Karten im Bereich Offensiv, Defensiv, Utility) sehen zu können. Inwiefern das reicht, um ein immer noch ausgeglichenes Spiel zu zocken, wird man erst nach langen Testphasen merken können. Ich bleibe skeptisch, hoffe aber natürlich, dass Epic Games Kollegen an Bord hat, die das Balancing so feintunen werden, dass das läuft – für Einsteiger UND Profis.

Dynamische Teamkämpfe ohne Fog of War:

Paragon_Environment_Harvester

Paragon richtet sich eher an SMITE und League of Legends aus als an Heroes of the Storm. Damit wollen die Entwickler den Fokus auf die Strategie und das für die Karten-Punkte wichtige Laning und Jungling legen. Teamfights gibt’s natürlich trotzdem, aber die passieren eben eher im späteren Verlauf des Spiels.

Um sich trotzdem von anderen MOBAs abzuheben, verzichtet Paragon komplett auf den Fog of War, also den Nebel, der üblicherweise zwischen den drei Lanes existiert, um die Karte abzudunkeln und das Gameplay strategischer zu gestalten. Aber moment, wird Paragon dann nicht zu leicht, wenn man alle Kämpfe schon kommen sehen kann? Nein, denn Epic Games hat sich etwas eigentlich recht simples ausgedacht, das Paragon besonders macht: Die Karte hat Höhen und Tiefen.

Das klingt total banal, ich weiß. Aber es macht tatsächlich wahnsinnige Unterschiede, wenn ich eben nicht ordentlich von meiner Lane aus in den Jungle blicken kann, weil dieser tiefer liegt als der Rest der Karte. Und ein Teamkampf fühlt sich eben auch komplett anders und wesentlich epischer an, wenn ich mich mit meiner Sniper-Fähigkeit auf einem Hügel positionieren kann oder Probleme beim wichtigen Rückwärtslaufen bekomme, weil selbst die Lane ihre kleinen Verzweigungen hat, die ich erst verinnerlichen muss. Das ist cool und gibt Paragon ein ganz eigenes Flair.

Paragon und seine Helden:

Paragon wird zum Start über 13 Helden verfügen – darunter typische Figuren wie die Bogenschützin Sparrow oder den Tank Steel. Weitere Charaktere werden mit der Zeit veröffentlicht werden und bringen auf lange Sicht dann mit Sicherheit noch mehr Abwechslung in das Spiel.

Epic Games hat dabei übrigens nicht den Anspruch, Figuren zu entwerfen, die noch nie existiert haben. Stattdessen kommt es ihnen eher auf die richtige Mischung der Skills und Komponenten an. Eine wichtige Regel beim Charakter-Design des Spiels lautete, dass jede Figur eine Fähigkeit haben muss, aus der die Team-Mitglieder eine Möglichkeit erschaffen können. Beispielsweise kann Gideon Portale zaubern, die auch die Kollegen betreten können, um daraus einen geplanten Hinterhalt zu schaffen. Ich bin Fan dieser Design-Philosophie, denn sie setzt gleich fest, dass alle Helden von Paragon mit der Absicht entworfen worden sind, in einem Team-Kampf zu funktionieren. Entsprechend wird es eine spannende Herausforderung, mit meinen Freunden über Teamspeak die besten Strategien und Manöver zu planen – eine essenzielle Grundlage, um ein MOBA durch seine Kombinationen und die Community lange am Leben zu halten.

Über die Hintergrundgeschichten der Charaktere ist übrigens bislang noch nichts bekannt. Das Studio wird diese auch nicht irgendwann komplett am Stück bekannt geben, sondern sich mit der Veröffentlichung an der TV-Serie LOST ausrichten. Stück für Stück soll die Community erfahren und mitspekulieren, welche Story hinter ihren liebsten Kämpfern steckt.

Warum es für Paragon schwierig werden könnte – und warum das Spiel eine tolle Zukunft vor sich hat:

Hach, Epic Games. Alles, was ich da grad beschrieben habe, gefällt mir wirklich richtig gut. Allerdings haben sich die Entwickler ein Genre ausgesucht, in dem es schwer wird, Fuß zu fassen. MOBA-Spieler haben selten Zeit für mehr als ein bis zwei Spiele des Genres. Sich dort zwischen zu pressen, hat meinen Respekt, aber eben auch meine Sorge. Der Markt ist übersättigt.

Paragon_Howitzer_POV

Die Chance, die Paragon hat, ist nicht der PC und das mögliche Ablösen von SMITE als “3D-MOBA” (was ich aufgrund des smoothen Gameplays und der herausragenden Grafik von Paragon allerdings für möglich halte). Es ist die Tatsache, dass das Spiel mit seiner Beta möglicherweise noch vor Battleborn (von den Borderlands-Machern) erscheint und damit das erste MOBA auf der PS4 wäre. Da die Sony-Konsole eine große Spielerschaft hat, die bislang mit dem Genre noch keine Berührungspunkte hatte, könnte Epic Games hier mit der richtigen Vermarktung und einem hervorragenden Spieler-Support eine komplett neue Zielgruppe erschaffen.

Klar, Paragon hat noch einige kleinere Problemchen vor sich – wie die schlechte Menüführung und die drohende Counterplay-Problematik – aber das ist nichts, was nicht in der Alpha mit dem starken Community-Support ausgebessert werden kann.

Denn hier liegt auch eine ganz besondere, bislang nicht erwähnte Stärke, die Paragon mitbringen wird: Epic Games fokussiert sich mit Paragon ganz stark auf die eigene Community. Das geht los bei solchen Dingen wie Unterstützung bei Cosplay-Anfragen, über integrales Feedback während der Alpha-Phase, bis zu dem wohl besten und nötigsten Feature der MOBA Welt:

ES GIBT EIN REPLAY-SYSTEM!

ES GIBT EIN REPLAY-SYSTEM!

ES GIBT EIN REPLAY-SYSTEM!

Ich betone das deswegen so besonders stark, weil es mit diesem Feature nicht nur möglich ist, dass Content-Ersteller (auf YouTube, Twitch & Co.) viel hilfreichen Video-Content zum Spiel erschaffen. Es erlaubt auch jedem einzelnen Spieler, die eigenen Handlungen erneut anzusehen, zu analysieren und sich zu verbessern. Etwas, das zum Beispiel bis heute bei League of Legends fehlt und von den Fans ständig gefordert wird. Bei Paragon ist’s gleich vom Start an mit dabei, und das ist absolut fantastisch und wichtig für den eventuellen Schritt in Richtung E-Sport – für Spieler, Entwickler und auch für das Spiel selbst.

Release-Termin, Beta und ENDLICH ZOCKEN:

Wenn du auch bei Paragon einsteigen willst, kannst du dir bereits jetzt einen Account bei Epic Games anlegen und hoffen, einen Platz in der aktuellen Alpha-Phase oder der späteren Beta-Phase zu erlangen. Ein frühzeitiger Zugang soll kostenpflichtig im Frühjahr 2016 möglich sein. Die offene Beta für alle interessierten MOBA-Fans, Epic-Begeisterten und sonst irgendwie guten Menschen startet dann im Sommer dieses Jahres.

Ein finales Release-Datum gibt es für Paragon noch nicht – was sicher auch davon abhängig gemacht wird, wie gut die Testphasen des Spiels laufen werden. Was allerdings schon feststeht, ist dass das Spiel für PC und PS4 erscheinen wird.

Paragon wird – ähnlich wie viele andere MOBAs – komplett Free to Play sein. Zu den Mikrotransaktionen wollte mir Epic Games im Interview noch nicht so viel verraten, vermutlich wird es aber auch hier auf solche Dinge wie Skins und Verschönerungen hinauslaufen. Versprochen wurde mir jedenfalls, dass es die Karten für dein individuelles Deck – also die Spiel-Items – auf gar keinen Feld für Geld zu kaufen geben wird.

Mein Vorschau-Fazit zu Paragon:

Paragon_SteelVsGideon

Paragon sieht schweinegeil aus, fühlt sich – trotz der ein oder anderen (noch) schlechten Menüführung – absolut fantastisch an und wird kostenfrei spielbar sein. Es bringt genug Innovation in das MOBA-Genre, ohne dabei zu überladen oder komplex zu werden.

Seine klare Herausforderung wird es sein, genug Abwechslung in das noch recht limitierte Item-System in Form der Karten-Decks zu bringen. Wenn das klappt, und das Balancing-Team künftig einen guten Job macht, dann braucht Paragon nur mehr Helden und eine aktive Community, um sich einen festen Platz zwischen den großen Namen zu sichern. Und an genau dieser Stelle wird sich dann auch entschieden, ob Paragon eine epische Zukunft bevorsteht. Ich würde es dem Spiel definitiv wünschen.

GG WP, Epic Games!

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