PES 2018 im Test: Die Fußballsimulation für Taktikfüchse

Sandro Kreitlow
1

Der größte PES-Kritiker wird seine Rezension vor allem immer darauf beziehen, dass die Lizenzen fehlen. Daran kann Konami nichts ändern, weswegen auch Pro Evolution Soccer 2018 dieses Defizit mit starkem Gameplay und toller Grafik ausgleichen will. Gelingt das? 

Du hast nur wenig Zeit? Ganz unten findest du eine Zusammenfassung!

651
PES 2018 - E3 2017 Trailer

Wenn man die jährliche PES-Reihe mit einem Filmtitel bezeichnen müsste, dann wäre es wohl „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Für Nicht-Fußball-Fans wirkt jeder Teil nur wie ein Spieler-Update. Doch jedes Jahr sind es die Details, die Fußballsimulatoren von ihren Vorgängern unterscheiden, weswegen es vorerst vor allem um die Neuheiten gehen soll. 

Das ist neu (und gut)

PES 2018 ist im Vergleich zum Vorgänger wesentlich langsamer. Das klingt als Videospiel-Fan erstmal negativ, ergibt aber im größeren Rahmen Sinn. Denn vor allem wirken die Spielerbewegungen dadurch realistischer. Die gedrosselte Geschwindigkeit macht sich auch bei den Annahmen bemerkbar, die nun genauer sind. Während sie sich in der Vergangenheit mehr oder weniger auf die wesentlichen Dinge konzentriert haben, bringen die Fußballspieler den Ball nun gefühlt mit jedem zulässigen Körperteil unter Kontrolle. Das führt anschließend zu einer wesentlich besseren Ballkontrolle. Dribblings werden dadurch besonders bei Spielern wie Iniesta, die den Ball nun auch virtuell gekonnt abschirmen, einfacher; clevere Raumverteidigung wird wichtiger. Grund dafür ist das neue Kontrollsystem namens Real Touch+. Willst du gegen Freunde auf der Couch oder online bestehen, gilt es, Real Touch+ zu meistern. Es ist einfach zu lernen, doch wie erfolgreich du dabei bist, hängt von deiner Kreativität ab. 

In Grafik und Präsentation gibt es in PES 2018 wenig zu bemängeln. Die erweiterte, Fox-Engine bietet hervorragende Details. Spieler wirken detailgetreu wiedergegeben – inklusive Tattoos von Spielern, die bei einem von Konamis Partner-Klubs kicken. Neuerdings reagieren Trikots realitätsgetreu auf die Bewegungen der Spieler. Die Liebe zum Detail ist hierbei enorm. Vor allem aber sind es Lichteffekte, die dank neuem REAL Capture System brillieren. Schade, dass kaum mehr Spiele von dieser mächtigen Engine profitieren. Denn was die einst von Hideo Kojima mitentwickelte Engine in die Stadien zaubert, kann sich sehen lassen.

Wie in einer echten Fußballübertragung werden Zahlen, Daten und Fakten zur laufenden Begegnung eingeblendet. Zudem wurden mehr als 20.000 einzelne Komponenten wirklichkeitsgetreu nachgebildet, um Rasen, Tunnel und die Umgebungen der Stadien abzubilden. Wenn dazu noch echte Fangesänge wie „You'll never walk alone“ an Liverpools Anfield Road oder „Heja BVB“ im Dortmunder Westfalenstadion aus dem Lautsprecher schallen, wird dem Fußballfan ganz warm ums Herz. Die atemberaubende Stadionatmosphäre überzeugt – dank Exklusivrechte – vor allem in Champions League-Spielen.

Unbenannt

Die Meisterliga präsentiert sich ziemlich unverändert. Neu sind Vorbereitungsturniere und ein verbessertes Transfersystem, in dem dich Verhandlungen schon mal zur Weißglut treiben können. Neben dem gelungenen Managermodus, in dem während einer Saison Transfers getätigt und Spielerverträge gemanagt werden, darfst du dich auf den MyClub-Modus freuen. Mithilfe von Ganzkörper-Scans wurden dort nun Spielerlegenden wie Diego Maradona, David Beckham, Ian Rush, Lars Ricken oder Michael Zorc detailgetreu im Spiel integriert.

Im Online-Koop-Modus ist es nun möglich, mit bis zu drei menschlichen Mitspielern gegen ein anderes Trio zu spielen. Neu bzw. ein Rückkehrer ist auch der Zufallsmodus. Diesen gab es bereits in PES 6, das viele Jahre lang von Fußballsimulations-Fans FIFA verdrängen konnte. Beim Zufallsmodus handelt es sich um eine Möglichkeit, aus vorher eingrenzbaren Pools zufällig Spieler wählen zu lassen, aus denen du dir deine Wunschmannschaft zusammenbauen kannst. Das ist ein nettes Feature, allerdings ist der Zufallsmodus nur offline verfügbar. 2017, anyone?

Pixelbrei statt Fußballfest: Die 9 besten Twitter-Reaktionen zum Eurosport-Desaster

Taktik wird in PES 2018 groß geschrieben. Weil die KI unberechenbar ist und sich in jedem Spiel anders verhält, sind individuelle Taktiken notwendig. Noch umfangreicher sind die strategischen Eingriffsmöglichkeiten – wer sich hier bis ins kleinste Detail einarbeiten will, kann im Stile eines Pep Guardiola mehrfach in der Partie die Spielweise anpassen. In den 90 Minuten kannst du jederzeit Statistiken über Balleroberungen, Angriffsbereiche und mehr einsehen, um taktische Anpassungen vorzunehmen. Zu Zeiten, in denen die Fußball-Berichterstattung immer taktischer wird, ist diese taktische Herangehensweise sinnvoll und löblich.

Das muss per Update oder in PES 2019 verbessert werden

An Lizenzproblemen kommt natürlich auch PES 2018 nicht vorbei. Während mit Borussia Dortmund, Schalke 04 und R(ed)B(ull) Leipzig nur drei Bundesligisten zur Auswahl stehen, sind Weltklasse-Spieler wie Cristiano Ronaldo oder Toni Kroos zwar vertreten, allerdings heißt deren Arbeitgeber nicht Real Madrid, sondern MD White. Im Clásico FC Barcelona gegen Real Madrid, dem wichtigsten Aufeinandertreffen der spanischen Liga, nimmt das schon eine Menge Intensität weg, auch wenn sich PES seit dem letzten Teil die Exklusivrechte an Barcelonas Camp Nou sichern konnte.

Ein weiteres Defizit sind leider nach wie vor die Kommentatoren. Macht Marco Hagemann seine Arbeit bei DAZN und Eurosport noch sehr gut, ist sein virtuelles Pendant eine komplette Enttäuschung. Beispiel: „Das ist der Hurrikan himself, Harry Kane“ – Wirklich? Kommentare über Taktiken wiederholen sich zu oft, auch werden viel zu wenige Spieler genannt. Stattdessen ist oft lediglich die Rede von „dem Team“, womit selten klar ist, auf welche der beiden spielenden Mannschaften das nun bezogen ist. Im Doppelpack mit Sky-Kommentator Hansi Küpper kommt leider wenig realistische Kommentatoren-Atmosphäre auf, obwohl die Chemie des Duos in der echten Berichterstattung vermutlich glänzen würde.

pess

Fazit und Zusammenfassung

PES 2018 ist mehr für Hardcore-Fußballfans, als für Casual-Spieler. Konami setzt alles Machbare erfolgreich um, doch die fehlenden Lizenzen bleiben nach wie vor ein Problem. Dafür kann PES 2018 dem großen Konkurrenten FIFA in Präsentation und Gameplay mindestens das Wasser reichen, Das Spiel kommt vor allem so richtig in Fahrt, wenn du deine Spielzüge beherrschst. Wer sich gern mit Taktiken auseinandersetzt und Analysen von spielverlagerung.de regelmäßig verfolgt, wird sich mit dem neuesten Teil von Pro Evolution Soccer wohl fühlen.

PES 2018 wird dir gefallen, wenn du Taktik-Nerd oder Fußballromantiker bist, auf die Champions League im Fußballsimulator nicht verzichten willst

PES 2018 wird dir nicht gefallen, wenn dich fehlende Lizenzen stören, du dir die Einarbeitungszeit nicht nehmen willst

Wertung

8/10
Getestet von Sandro

Hast du dich an die Spielmechaniken gewöhnt, kommt der Ball für lange Zeit ins Rollen. Denn dank variabler Gegner-KI wirkt jede Partie anders. Ein Muss für Taktik-Nerds und Fußballromantiker.

Weitere Themen: Pro Evolution Soccer, Konami

Neue Artikel von GIGA GAMES