Pikmin 3 Test: Pikmin sind niedlich, aber auch ein bisschen doof

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Die armen kleinen Pikmin. Auf dem Gamecube konnten die kleinen Pflanzenwesen nur ein Nischendasein führen, da sich Nintendos Spielekubus kaum auf dem Markt behaupten konnte. Jetzt blüht ihnen ein ähnliches Schicksal, schließlich strauchelt auch die Wii U. Pikmin 3 sollte die ultimative Version von Miyamotos Konsolen-Strategie sein, krankt dabei aber teilweise an Schwächen, die mich zuletzt in den 90ern bei alten Strategie-Klassikern genervt haben.

Die Geschichte des neuen Pikmin-Abenteuers ist so dünn wie das Blättchen auf den Köpfen der Pikmin selbst. Die Raumfahrer Alph, Brittany und Charlie machen sich auf die Suche nach Nahrung für ihren Heimatplaneten. Schließlich finden sie eine der Erde nicht unähnliche Kugel, auf der sich allerlei Früchte befinden, die sogleich in Saft gepresst werden. Bei der „Landung“ verlieren sie allerdings ein Teil ihres Schiffes, das sie nun finden müssen – außerdem gibt es da mysteriöse Signale, denen nachgegangen werden will.

Pikmin 3 Test: Das ultimative Pikmin?

Als packend würde ich dieses narrative Gerüst nicht gerade bezeichnen, das macht aber nichts. Was mir „Pikmin 3“ in Spannung nicht bieten kann, macht es mit Charme wieder wett. Die Dialoge der drolligen Raumfahrer sind durch die Bank weg amüsant, Animationen und Design der Pikmin und der Kreaturen auf dem Planeten sind verspielt und herzallerliebst. Auf der Wii U gibt es wohl gerade kaum ein niedlicheres Spiel als dieses.

Spielerisch hat sich nicht viel getan, wer zuletzt „Pikmin 2“ gespielt hat, wird sich sofort wie zu Hause fühlen. Erneut laufe ich mit meinem Charakter herum, der bis zu 100 verschiedene Pikmin mit sich führen kann. Dieses Mal gibt es gleich drei verschiedene Charaktere, zwischen denen ich hin- und herwechseln kann. Um die stets begrenzte Zeit der in Tage eingeteilten Missionen effektiv zu nutzen, muss ich mich also möglichst in Gruppen aufteilen und an mehreren Stellen der Karte gleichzeitig agieren.

Nur etwa 15 Minuten dauert ein Tag – danach muss ich mit allen Pikmin zum Raumschiff zurück. Ausreißer fallen nach der Dämmerung den nachtaktiven Tieren zum Opfer. Hier kann eine der größten Schwächen des Spiels stark frustrieren: Die Wegfindung der Pikmin ist grauenhaft. Oft verliere ich einzelne Pikmin oder auch gern mal ganze Grüppchen der kleinen Viecher, weil sie an irgendwelchen Felsen festhängen oder blindlinks ins Wasser laufen, obwohl sie gar nicht schwimmen können.

Statt nämlich intelligent und von selbst Hindernissen auszuweichen, präferieren die Pikmin oft den direkten Weg zum Spielercharakter. Auch beim Einsammeln von Früchten und Gegenständen kommt es mit der Wegfindung zu Problemen – an einer Stelle brachten ein paar meiner fliegenden Pikmin etwa Trauben zum Raumschiff zurück und flogen dazu geradewegs auf ein Spinnennest zu, in dem sie elendig verendeten – und dabei war zwei Zentimeter weiter links ein alternativer Weg.

Und ja, es gibt jetzt fliegende Pikmin – eine der neuen Arten in „Pikmin 3“. Sie können über (die meisten) Hindernisse hinweg flattern und leicht fliegende Feinde zu Boden bringen. Auch neu sind die Stein-Pikmin, die Kristallgebilde zerstören können und teils massiven Schaden beim Wurf auf Gegner anrichten. Zu den restlichen der insgesamt fünf Pikmin-Arten gehören die bereits bekannten roten, gelben und blauen Pikmin. Mit meinen kleinen Helferlein muss ich erneut Brücken aufbauen, Rampen errichten, Wände einreißen, Knospen sammeln, Früchte finden – eben das, was ich von „Pikmin 3“ erwartet habe.

Leider schert das neue Pikmin nur selten von dem immer-gleichen Missionsmuster aus. Ich lande auf einer neuen Karte, erschließe Tag für Tag das Gebiet, bis ich schließlich beim Ursprung des Signals angelangt bin, was mich überhaupt erst auf diesen Teil des Planeten geführt hat. Klar stellen sich mir mit der Zeit neue Hindernisse in den Weg, die ich mit den neuen Pikmin bewältigen muss – spielerisch fühlt sich die Reise aber bis zum Ende recht gleich an.

Fette Bosse, fettes Loot

Ausnahmen sind die durchweg sehr eindrucksvollen und herausfordernden Bossgegner, die meine neu gewonnenen Fähigkeiten auf die Probe stellen und schlicht auch verdammt cool aussehen. Von der riesigen gepanzerten Raupe bis zur Über-Biene ist da alles dabei. Das sind dann die spielerischen Highlights im Pikmin-Alltag, der ja auch Spaß macht, oft aber auch zur Zeitschinderei verkommt.

Vielleicht liegt es daran, dass mir persönlich die Zeitmanagement-Komponente von Pikmin einfach nicht so sehr zusagt. Vielleicht ist es aber auch das Spiel, das mir in jedem neuen Gebiet ein oder zwei Hindernisse zu viel in den Weg setzt, so dass ich ein paar Mal zu oft auf der gleichen Map landen muss, mir erneut meine Pikmin-Squads zusammenstelle und viele Wege so mehrmals laufe. Abkürzungen machen das natürlich einfacher und stressig wird die Zeitbegrenzung auch eher selten. Es sei denn, ich befinde mich gerade in einem Bosskampf und der Countdown fängt an zu ticken.

Am Ende ist es dann doch sehr motivierend, wenn ich innerhalb eines Tages gleich drei Früchte und einen versteckten Gegenstand mit nach Hause nehmen kann und sehe, wie mein Vorrat aufgefüllt wird. Jeder Tag kostet nämlich eine Flasche Saft, von denen ich aber irgendwann verschwenderisch viele hatte, so dass durch diese Ressourcen-Begrenzung niemals Stress auftrat. Folglich aber auch keine Spannung, was die ganze Mechanik ein wenig ad absurdum führt.

Der Story-Modus wird euch zwischen 10 und 15 Stunden beschäftigen, je nachdem, wie viele optionale Gegenstände ihr sammeln wollt. Danach lohnt sich ein Abstecher in den Mehrspieler-Part von „Pikmin 3“.

Zu zweit im Splitscreen kann man gemeinsam verschiedene Missionen angehen, etwa in einer bestimmten Zeit so viele Früchte wie möglich sammeln oder einzelne Bossgegner angehen. Das funktioniert teilweise so gut, dass ich mir wünschen würde, auch die Story mit einem Freund auf der Couch angehen zu können. Im Modus Bingo-Battle geht es dann gegeneinander ins Feld, wer zuerst eine Reihe der angegebenen Früchte oder Gegner auf seiner Bingo-Karte sammelt und besiegt, gewinnt.

Das hübscheste Wii U-Spiel?

Auf der technischen Seite ist „Pikmin 3“ ganz vorbildlich. Da wäre etwa die bezaubernde Präsentation mit ihren schönen Klängen und der sehr detaillierten, zwischen Realität und Comic wechselnden Grafik, die zwar an einigen Stellen daran erinnert, dass die Entwicklung von „Pikmin 3“ auf der Wii begann, trotzdem stellenweise zu dem Hübschesten gehört, was man in dieser Konsolengeneration sehen kann.

Bei der Steuerung bietet euch „Pikmin 3“ übrigens gleich drei Optionen: Das Gamepad, der Pro-Controller oder die Wii-Fernbedienung. Mir gefiel Letzteres am besten, auch wenn ich für die Karte selbst mit Fernbedienung noch auf das Gamepad schauen muss. Überhaupt ist die Einbindung des Touchscreens eher nebensächlich: Map und Menüpunkte werden durch Berührung gesteuert, außerdem muss ich bei Funkübertragungen auf das Pad schauen, was besonders deswegen albern ist, weil ich auf dem Fernseher derweil eine kleine Version des gleichen Bilds sehe, nur kann ich da kaum etwas erkennen. Insgesamt wirkt die Wii U Gamepad-Einbindung also etwas erzwungen.

Fazit:

Das ist es also, das „ultimative“ Pikmin-Erlebnis. Es ist charmant, wuselig, zucker-süß, beeindruckt mit tollen Bosskämpfen und einer grandiosen Präsentation und fordert mit neuen Pikmin-Arten ungeahnte Strategien vom Spieler. Und doch ist es kein Meisterwerk, denn Probleme wie eine grausige Wegfindung und geringe Abwechslung im Missionsdesign legen einen leichten Schatten über die sonst so strahlend schöne Pikmin 3-Wiese.

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Wertung

8/10
Getestet von Thomas

Die wuseligen Pikmin sind mir ans Herz gewachsen, auch wenn sie ein bisschen dämlich sind.

Leserwertung
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