Pokémon GO: Wie geht es nach dem Mega-Erfolg für Nintendo weiter?

Martin Eiser
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Um ein Thema kommt derzeit kaum jemand herum: Pokémon GO. Doch was bedeutet der Erfolg der App eigentlich für Nintendo? Kommen jetzt noch mehr Apps? Brauchen wir überhaupt eine neue Konsole, wenn alle Welt gerade nur noch per Smartphone im „angereicherten Meatspace“ zockt? Eine Analyse.

Pokémon GO: Wie geht es nach dem Mega-Erfolg für Nintendo weiter?

Der Erfolg von Niantics Pokémon GO ist auch ein Erfolg für Nintendo. Die Rechte an der Marke Pokémon und ihren sämtlichen Charakteren liegen bekanntermaßen beim japanischen Spiele-Riesen – aktuell ist allerdings noch unklar, wie viel Geld Nintendo nun anteilig mit Pokémon GO verdient. Wesentlich interessanter ist auch, welche Konsequenzen für den japanischen Hersteller daraus folgen. Schließlich hat sich Nintendo jahrzehntelang gegen die Entwicklung von Spielen für fremde Plattformen gesträubt. Nun aber ist Pokémon GO zu einem weltweiten Phänomen geworden, das in Sachen Aufmerksamkeit selbst Facebook und Twitter in den Schatten stellt.

Ist das also das Signal für Nintendo, den Fokus mehr auf die Entwicklung von Spielen für fremde, erfolgreichere Plattformen zu setzen? Welchen Einfluss hat das auf die neue Plattform NX? Lässt sich ein solcher Erfolg überhaupt wiederholen oder auf andere Marken des Unternehmens übertragen? Und wie wirkt sich die kostenlose Verfügbarkeit von Pokémon GO auf die Verkaufszahlen von Pokémon Sonne & Mond für den Nintendo 3DS aus? Es gibt viele Fragen. Versuchen wir also, ein paar Antworten zu finden.

1. Bringt Nintendo jetzt nur noch Spiele für Smartphones?

Nintendo ist bereits eine Partnerschaft mit deNA eingegangen, um Apps für Smartphones zu entwickeln. Ziel ist, die eigenen Marken bekannter zu machen und neue Zielgruppen für die eigenen Plattformen zu erreichen. Fünf Smartphones-Apps sollen bis zum März 2017 erscheinen. Die erste Anwendung war das Soziale Netzwerk Miitomo, bei dem es vor allem um Kommunikation ging. Es sollen außerdem Apps zu Animal Crossing und Fire Emblem folgen. Einen Release-Termin gibt es für die Titel aber noch nicht.

Miitomo war für Nintendo bereits ein guter Einstand: Innerhalb kürzester Zeit wurde die App zehn Millionen Mal heruntergeladen, binnen einer Woche soll sie bis zu 250.000 Euro in die Kassen gespült haben. Danach ist das Interesse an der App aber offensichtlich deutlich zurückgegangen. Nintendo ist es nicht gelungen, die Nutzer dauerhaft bei Laune zu halten – offenbar muss der Hersteller noch viel lernen, wenn es darum geht, die Nutzer von Apps langfristig zu motivieren. Sich also ganz auf dieses Geschäft zu verlassen, nur weil es mit Pokémon GO anschließend einen Treffer gab, wäre ein Fehler.

Warum Miitomo ein modernes Poesiealbum ist

Zumal sich ein solcher Erfolg nie direkt auf andere Spiele übertragen lässt. One-Hit-Wonder gab es bereits viele in der Branche. Dazu zählen etwa die Franchises Candy Crush Saga von King, Farmville von Zynga oder Angry Birds von Rovio. Trotz des gigantischen Erfolges der Spieleserien konnte keines der nachfolgenden Franchises dieser Studios den einstigen Erfolg wiederholen.

Nintendo wird die fünf geplanten Spiele entwickeln (lassen) und sich genau anschauen, welcher Weg der Richtige ist. Im besten Fall profitieren die eigenen Plattformen im doppelten Sinne: Die gesammelte Erfahrung führt zu besseren Spielen und es gibt einen Werbe-Effekt, der die Verkäufe der Hardware ankurbelt.

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Miitomo - Launch Trailer

2. Kommen jetzt vielleicht sogar Spiele für die PlayStation 4?

Die Wii U mag kein Erfolg gewesen sein, Nintendo gelingt es aber fast immer, aber Ende trotzdem noch Geld mit einer Plattform zu verdienen. Nicht umsonst sitzen die Japaner auf einer Bar-Reserve von fast einer Billion Yen – umgerechnet fast acht Milliarden Euro.

Auf einer eigenen Plattform hat der Hersteller die volle Kontrolle. Bevor Nintendo überhaupt in Erwägung zieht, Spiele für fremde Plattformen wie PlayStation 4 oder die Xbox One entwickelt, muss schon über einen langen Zeitraum eine Menge schief laufen. Auch aus Sicht von uns Spielern kann es keine gute Idee sein, wenn Nintendo anfängt, sich auf mehrere Plattformen zu konzentrieren. Das Besondere an den Spielen von Nintendo ist immer auch die Hardware, für die sie entwickelt wurden. Als Mario mit Super Mario 64 seinen ersten Ausflug in 3D unternommen hat, war es unter anderem der Controller, der das Erlebnis so besonders machte. Außerdem war es die erste Konsole, die standardmäßig vier Anschlüsse für Controller unterstützt hat – so wie später auch der GameCube. Multiplayer-Spiele wie Mario Kart 64 und Mario Party haben davon massiv profitiert.

Darum war die Wii U doch ein Erfolg für Nintendo

Denken wir nur an den DS und die Wii, mit denen Nintendo eine echte Revolution ausgelöst hat, obwohl sie Hardware-seitig über weniger Leistung verfügten als die Konkurrenz. Der Hersteller versucht immer über den Tellerrand zu schauen und gänzlich neue und interessante Konzepte umzusetzen. Uns würde etwas fehlen, wenn Nintendo keine eigene Hardware mehr entwickelt.

So lange für Nintendo die eigenen Plattformen lukrativ sind, werden sie immer die bessere Option bleiben. Würde der Hersteller beispielsweise Spiele für die PlayStation 4 entwickeln, wären plötzlich auch Lizenzgebühren fällig. So gehen zum Beispiel 30 Cent von jedem Euro, der mit Pokémon GO verdient wird, an Apple. Ein weiterer Nachteil für Nintendo, der bei einer solchen Entscheidung sicher nicht vergessen werden darf.

Weiter geht es auf der zweiten Seite mit weiteren Fragen, die ihr euch nach dem Erfolg von Pokémon GO stellt.

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Pokemon Trivia

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