Poker Night 2 Test – GLaDOS und Claptrap gehen in eine Bar…

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Vor ein paar Jahren muss es bei Telltale Games mal ein Meeting gegeben haben, in dem ein paar Entwickler einem hochrangigen CEO die Idee zu einem Pokerspiel vorgestellt haben. Ein Pokerspiel mit bekannten Charakteren aus anderen Spielen wie denen von Valve oder sogar aus Comics wie Penny Arcade. Und zu diesem Lizenzalbtraum hat jener CEO „Ja, machen wir!“ gesagt. Danke, oh du bewundernswerter CEO!

„Poker Night at the Inventory“ erschien 2010 für den PC und gilt unter Kennern nicht nur als ordentliche Pokersimulation, sondern auch als einer der witzigsten Charakter-Mashups, die man sich vorstellen kann. Dass diesem winzigen Downloadspiel mal ein Nachfolger spendiert wird, hätte ich nie vermutet. Und dass ich mich dann auch noch so sehr darüber freue, überrascht selbst mich.

In „Poker Night 2“ bleibt vieles beim Alten, noch immer gibt es keinen Mehrspieler-Modus und an der grundlegenden Simulation wurde nicht großartig herumgeschraubt. Aber die trat schon beim Vorgänger in den Hintergrund, denn hier geht es nicht darum, einfach nur ein Kartenspiel zu zocken. Hier geht es darum, mit ein paar der coolsten Typen der Videospiel-, Comic- und Filmgeschichte abzuhängen.

Am Pokertisch sitzen dieses Mal nämlich Brock Samson von den Venture Bros., Sam (mit Unterstützung von Max) aus Telltales eigener Adventure-Reihe „Sam & Max“, Ashley Williams aus „Die Armee der Finsternis“ und Claptrap aus der „Borderlands“-Serie. Geleitet wird jedes Spiel von der Psycho-KI höchstpersönlich: GLaDOS.

Zugegeben: Von Brock Samson habe ich vorher noch nie etwas gehört. Eine schnelle Google-Suche später weiß man aber, dass „The Venture Bros.“ eine amerikanische TV-Serie auf Cartoon Network ist. Und wie zum Teufel es eine Comic-Version von Ashley Williams mit in die Runde geschafft hat, ist mir ein Rätsel. Plant Telltale Games vielleicht eine Adventure-Reihe zu „Armee der Finsternis“? Hmmm...

Bis auf die Tatsache, dass Ash nicht von Bruce Campbell vertont wird, behalten alle Charaktere ihre englischen Originalsprecher. An und für sich ist auch „Poker Night 2“ wieder eine gute Pokersimulation, nur eben gewürzt mit den Sprüchen von Claptrap und Co., wenn mal wieder jemand „All-In“ geht oder bei einem Showdown alle anderen abzieht. Außerdem entstehen ständig Gespräche zwischen den Mitspielern. Mal unterhalten sich Claptrap und Sam über Claptraps Fähigkeit, auf nur einem Rad zu balancieren. Mal fragt sich Brock, ob Sam nun ein eigentlich ein Hund ist, der sich wie ein Mensch verhält, oder andersrum.

Neben haufenweise Anspielungen auf die Spiele-, Cartoon- und Filmserien der Spieler, gibt es auch massig popkulturelle Referenzen, etwa an die Horatio-Oneliner aus „CSI Miami“ oder an den Dubstep-Wahn. Die meisten Gags von „Poker Night 2“ sitzen, setzen aber auch voraus, dass man die Charaktere einigermaßen kennt. Wenn ihr also Claptrap unheimlich nervig findet oder mit Ash und Brock nichts anfangen könnt, werdet ihr keine Freude an diesem außergewöhnlichen Kartenspiel haben.

Nach ein paar Runden Texas Hold'em oder Omaha Hold'em wiederholen sich die Sprüche von GLaDOS und Co. – das ist etwas schade. Zwar habe ich auch nach fünf Stunden noch neue Dialoge gehört und neue Szenen gesehen, trotzdem wäre ein System, was die schnelle Wiederholung unterbindet, willkommen gewesen.

Ein paar spielerische Kniffe bringt „Poker Night 2“ dann doch mit sich. Ich kann der Crew Drinks spendieren, wodurch sie eher preisgeben, ob sie gute Karten haben oder bluffen. Das geschieht durch verschiedene Animationen etwa nach dem Flop. Jeder Mitspieler hat einen spürbar anderen Charakter – Brock spielt etwa sehr vorsichtig, während Ash sich schnell zu einem „All-In“ hinreißen lässt.

Als Währung dienen Inventory-Tokens, mit denen man auch neue Chips, Decks und Tische freischalten kann. Wenn ihr zudem drei gesetzte Ziele erfüllt – also etwa zwei Spieler auf einmal eliminiert oder drei Mal „All-In“ geht – bekommt ihr in der nächsten Runde die Gelegenheit, einen Gegenstand von einem der Charaktere zu gewinnen. Also sowas wie Sams Banjo oder das Necronomicon von Ash. Diese Items schalten dann wiederum Hüte in „Team Fortress 2“ oder Ausrüstung in „Borderlands 2“ frei. Eine nette Zusatzmotivation, aber gleichzeitig auch ein sehr durchschaubarer Marketing-Schachzug.

Fazit:

Selbst wenn ihr mit Poker eigentlich so gar nichts anfangen könnt – so wie ich – werdet ihr mit diesem kleinen Spiel sehr viel Freude haben. Für mich ist fast jedes Wort von Claptrap und GLaDOS reines Comedy-Gold, so viel wie in dieser absurden Pokerrunde habe ich schon lange nicht mehr gelacht. Im Kern reden wir hier zwar immer noch über ein gemächliches Kartenspiel, aber was Telltale bei “Poker Night 2” an Fanservice und Dialogwitz abfeiert, gehört belohnt. Und nicht vergessen: Das Ding kostet nur fünf Euro.

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Wertung

8/10
Getestet von Thomas

Poker mit Claptrap, Sam und GLaDOS? Bin ich dabei!

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