Rosenstolz: Wir sind am Leben - Schlager gegen den Burnout

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Man kann es nennen, wie man will, "Erschöpfungssyndrom" bei Ralf Rangnick, "Mid-Life-Crisis" oder Depressionen – auch Rosenstolz-Songschreiber Peter Plate musste wegen eines Burnouts Anfang 2009 eine Pause einlegen, entfloh für zwei Jahre der Öffentlichkeit und dem Business. Nun kehrt er mit seiner besseren Hälfte AnNa R. zurück, mit einem Album, um dem es genau um das geht, was drauf steht – "Wir sind am Leben", um das Weitermachen und Zurückkommen.

Rosenstolz: Wir sind am Leben - Schlager gegen den Burnout

Burnouts drehen sich immer darum, dass Leute zu viel arbeiten. Warum das in den vergangenen Jahren öfter auftritt, ist eine offene Frage. Vielleicht hängt es mit einer Verschiebung in der Arbeitswelt zusammen, dass generell verlangt wird, sich auch über die Arbeitszeit hinaus mit seinem Job zu beschäftigen und zu identifizieren, und dass schon ab der Kindheit (Schule, Praktika, Studium…) alle Aktivitäten daraufhin abgeklopft werden, ob sie einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt bringen. Schwer zu sagen, ob sich das auch für Fußballtrainer oder Popstars in den vergangenen zwei Jahrzehnten so verändert hat. Hier spielt auch der Druck einer Medienöffentlichkeit eine größere Rolle – und wie sagte Robin Dutt zum Fall Rangnick: Wir müssen feststellen, dass Fußball nicht das Wichtigste auf der Welt ist.


Und das gilt (neben dem Job allgemein) auch für die Popmusik. Peter Plate sagte Anfang 2009 die letzten Konzerte der Tour ab, nahm eine Auszeit, ging nach London, um dort inkognito in einer WG zu wohnen. 2010 entschied er zusammen mit AnNa R., dass es Rosenstolz weiter geben würde, schrieb neue Songs, die sich mit dem Fallen und Wiederaufstehen beschäftigen.

Für das neue Rosenstolz-Album muss man eine gehörige Portion Kitsch-Resistenz mitbringen. Man darf sich nicht daran stören, wenn “vermissen” auf “küssen” gereimt wird, wenn Texte überhaupt den eher offensichtlichen Weg nehmen, um sich zu reimen. Andererseits liefert “Wir sind am Leben” immer wieder Anknüpfungspunkte für jede und jeden.

Rosenstolz
Tags: Viva TV

Die Antwort auf Burnouts lautet bei Rosenstolz: “Liebe ohne Ende/offene Türen und keine Wände”, wie es im Seeed-Bläser-unterstützten Pophit “Überdosis Glück” heißt. In der groß angelegten orchestralen Feuerzeug-Ballade “Sprachlos” heißt es “Ich muss kein Gewinner sein”, und die Antwort ist wiederum Liebe. Neben den Piano-Schnulzen und den Aufbruchs-Hits, die AnNa R. so eindringlich singt, ist da aber auch noch “Mein Leben im Aschenbecher”, das einzige Lied auf der Platte, das von Peter Plate gesungen wird. Und das ist ebenfalls intensiv, wie aus dem merkwürdigen Bild, im Aschenbecher zu liegen, aber noch zu glühen, ein leuchtendes Losrenn-Lied wird.

Rosenstolz liefern mit , das zwischen Chanson und orchestralem Romantik-Pop changiert. Das zu denen spricht, die keine Subkultur brauchen, um gerne emotionale Musik zu hören. Und das als Antwort auf alles die Liebe anführt – was dann am Ende doch etwas einfach ist, aber wahrscheinlich viele Leute anspricht.

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