Portal 2: Dieses Spiel macht glücklich

Mit Portal gelang Valve seinerzeit ein echtes Sahnestück. Als nette Dreingabe zur legendären Orange Box kam der First-Person-Action-Puzzle-Shooter zunächst höchst unscheinbar daher; wurde dann aber zum heimlichen Star der Sammlung. Heute gilt Portal auf allen fast allen Plattformen als eine grandiose Sternstunde des innovativen Game-Designs.
In der Rückschau ist der phänomenale Erfolg von Portal kaum überraschend, war das ungewöhnliche Spiel doch bis ins letzte Byte gefüllt mit tollen Ideen und einem herrlich subtilen Humor. Die Flucht der Protagonistin Chell aus dem, von der künstlichen Intelligenz GLaDOS kontrollierten Testlabor, begann damals als harmlose Rätselei in der Ego-Perspektive – entpuppte sich aber im weiteren Verlauf des Spiels als ein dramatischer Kampf um Leben und Tod. Das tadellose Spielerlebnis bestand in seiner zweiten Hälfte plötzlich aus sehr viel mehr als dem bloßen Lösen von plattform- und physikbasierten Knobelaufgaben. Wer sich bis zum spannenden Showdown mit der sprichwörtlich durchgeknallten KI GLaDOS durchschlug, wurde zu guter Letzt auch noch mit den wahrscheinlich wundervollsten Credits in der Geschichte des digitalen Spiels belohnt. Was blieb, war das belebende Gefühl, das Computerspiel als solches endlich mal wieder aus einer neuen Perspektive erlebt zu haben. Ja, so gut war Portal.
Das Warten hat sich gelohnt
Nun gibt Valve uns also die Möglichkeit, in das Aperture Science Computer-Aided Enrichment Center zurückzukehren. Was sich bereits im Vorfeld
* platzt nur so vor interessanten Neuerungen und sinnvollen Erweiterung seines (damals schon genialen) Gameplays.
Valve bietet nicht einfach mehr vom Gleichen, sondern hat sich auch vollkommen neue Mittel und Wege einfallen lassen, mit deren Hilfe wir die gestellten Aufgaben lösen müssen. Wie selbstverständlich fließen diese frischen Elemente in das bekannte Spielprinzip ein und bereichern es in jeder nur erdenklichen Hinsicht. Allein dafür ziehen wir den Hut vor den Entwicklern. Es ist aber gar nicht mal so sehr die clevere Reformierung der grundlegenden Spielmechanik, die aus Portal 2 ein echtes Ereignis macht – vielmehr sind es das fantastische Storytelling, der einmalige Humor und die unvergesslichen Charaktere, die dieses Spiel aus dem Stand in die Aura eines Klassikers hüllen.
Leider ist es beinahe unmöglich über den Handlungsverlauf von Portal 2 zu schreiben, ohne dabei zu viel zu verraten. Das liegt in erster Linie daran, dass in diesem Spiel so viel passiert – das meiste davon übrigens überraschend. Anders als noch im Vorgänger drückt Valve gleich zu Beginn schon richtig auf die Unterhaltungs-Tube und führt mit dem Roboter Wheatley einen Charakter ein, der allen Videospiel-Figuren der letzten Jahre mal eben die Show stiehlt. In der englischen Originalfassung wird Wheatley überragend von Multitalent Stephen Merchant intoniert, doch auch Tobias Meister, bekannt als die deutsche Stimme von Jack Black, macht seine Sache ziemlich gut.
Es vergeht kaum eine Minute, in der man den idiotischen Charme der kleinen Blechkugel nicht mit einen sympathieerfüllten Schmunzeln quittiert oder sich vor Lachen den Bauch hält. Der Humor in Portal 2 ist einfach grandios: Er ist furztrocken, stets pointiert, tief schwarz und noch viel wichtiger: immer ein Teil der Figuren. Wenn man sieht, mit welch einfachen Mitteln Valve so großartig zu unterhalten weiß, dann kommt man nicht umhin, dem Rest der Entwicklerwelt diesbezüglich ein Armutszeugnis auszustellen. Von Valves Autoren kann sich jedes Studio eine ganz dicke Scheibe abschneiden.
Die große, weite Welt

Wie kaum ein anderes Studio versteht sich Valve dabei darauf, die Illusion einer haptischen Wahrnehmung der virtuellen Umgebung zu kreieren. Die Räume in Portal 2 sind physikalisch erfahrbare Spielgefährten mit denen wir absolut glaubhaft interagieren können. Darüber hinaus zeichnet sich auch die Fortsetzung wieder durch ein bestechend gutes und klares Art-Design aus. Jede noch so unbedeutende Ecke dieser reichen Spielwelt trägt deshalb den unverkennbaren Portal-Stempel. Unterstrichen wird das digitale Charisma von Portal 2 noch durch einen (wieder einmal) überaus gelungenen Soundtrack, der die verstörenden und zugleich faszinierenden Themen von Portal 2 sehr überzeugend einfängt. Das Ergebnis ist eine unglaublich dichte Atmosphäre, die den Spieler vom ersten bis zum letzten Schritt begleitet.
Wie eine gut geölte Maschine
Kommen wir zum Kern des Spiels: Den Rätseln. Die gute, alte GLaDOS – so viel (und das ist verdammt wenig) sei verraten, richtet der aus dem Tiefschlaf
Neuankömmlingen im Portal-Universum werden die Grundprinzipien des Spiels in der Anfangsphase sehr behutsam beigebracht, wenngleich die Komplexität der neuen Raumpuzzles im Vergleich zum Vorgänger merklich angestiegen ist. Allerdings bleibt Valve dabei immer fair. Die Rätsel sind zwar anspruchsvoll, aber stets logisch nachvollziehbar. Das Schöne an den Aufgaben aus Portal 2 ist, dass man sich, hat man sie erst einmal geknackt, immer irgendwie ein bisschen schlauer fühlt. Was einem zuvor schier unmöglich schien, ist durch ein Bisschen Kopfarbeit oder eine halsbrecherische Flugeinlage plötzlich erledigt und schon zieht man motiviert weiter zum nächsten Raum. Oft hält man nach getaner Rätselarbeit für einen schönen Besinnungsmoment inne und staunt über die soeben vollbrachten Denk-Großtaten. Portal 2 fühlt sich dabei wie eine gut geölte Maschine an, deren Motor wir selbst sind.
Surprise, Surprise
Natürlich hält auch Portal 2 wieder einen radikalen Bruch im Handlungs- und Spielverlauf bereit. Dieses Mal kommt er jedoch etwas früher als erwartet, ist noch folgenschwerer und zudem nur eine von mehreren Überraschungen, die im Verlauf der etwa zwölfstündigen Einzelspieler-Kampagne auf die Spieler warten. Im zweiten Akt beginnt Valve dann langsam damit, die zahlreichen neuen Spiel-Elemente einzuführen. Überaus geschickt wirft uns Valve immer dann, wenn das Gameplay sich zu wiederholen droht, ein neues, cooles Spielzeug vor die Füße. Ohne dies bewusst wahrzunehmen, lernen wir Stück für Stück mit den behutsam eingeführten Mechaniken zu denken und mit ihnen nach immer komplizierteren Lösungswegen zu suchen. Das Ganze spielt sich gänzlich frustfrei ab und bleibt in jeder Sekunde motivierend. Bis auf einige, wenige Ausnahmen im zweiten Akt kann die erstklassige Solokampage von Portal 2 über seine gesamte Strecke den maximalen Unterhaltungswert aufrecht halten.
Die Koop-Kampagne: Das eigentliche Highlight von Portal 2

Der Koop-Modus mag nicht so stark handlungsgetrieben und ereignisreich wie die Hauptkampagne sein, in puncto Spielspaß übertrumpft er diese aber locker. Denn zwei Spieler bedeutet auch zwei Portalkanonen, noch komplexere Lösungswege und die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit. Genauer gesagt: Es muss zusammen gedacht (und gelacht) werden. Damit das gelingt, kann man seinem Mitspieler mittels einer Markierungsfunktion das Geplante mitteilen. E-motes und aberwitzige Zerstörungsanimationen sorgen zudem für permanente Lachnummern. Ob online oder im lokalen Split-Screen: die Koop-Kampagne ist das eigentliche Highlight von Portal 2.
Fazit:
Es gibt so viele gute Gründe, Portal 2* zu spielen: Sein Gameplay ist brillant und unverbraucht, die Spielwelt ein Vielfaches reicher als zuvor, das Storytelling schlichtweg perfekt und der Humor seiner unvergesslichen Charaktere ist einfach einmalig. Am Ende gibt es aber nur einen einzigen Grund, der wirklich für Valves große Charmeoffensive spricht: Diese Spiel macht glücklich – und zwar jeden! Egal, ob man auf knallharte Shooter-Action oder gemächliche Wimmelbilder steht: In der smarten Wundertüte Portal 2 wartet auf alle ein tolles Spielerlebnis, denn jede Stunde, die man im Aperture Science Center verbringt, ist eine genossene Stunde. Wir haben fast nichts an diesem Spiel auszusetzten, außer vielleicht, dass es nach einer ungemein spannenden Solokampagne und nach den gehirn-akrobatischen Koop-Kammern keinen besonders hohen Wiederspielwert bietet. Aber hey, Einstein war auch nicht perfekt.
Vorteile
+ Grandioses Storytelling
+ Unverbrauchtes Gameplay
+ Einmaliger Humor
+ Unvergessliche Charaktere
+ Dichte Atmosphäre
+ Erstklassiges Leveldesign
+ Reichhaltige Spielwelt
+ Alleinstellendes Art-Design
+ Sehr gutes Voice –Acting (gut lokalisiert)
+ Genialer Koop-Modus mit Splitscreen-Option
Nachteile
- Geringer Wiederspielwert
- Kleinere Spannungsschwächen im zweiten Akt
macnews.de Wertung: 4,5 von 5 Sternen
Systemvoraussetzungen
- Mac OS 10.6.6 oder besser
- Intel Dual Core 2 GHz (oder höher)
- 2 Gigabyte Arbeitsspeicher
- 7,6 Gigabyte Festplattenspeicher
- ATI Radeon 2400 oder besser, NVIDIA 8600M oder besser
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