Prey im Test: Bioshock im Weltraum

Alexander Gehlsdorf
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Prey bedient sich großzügig an jeder Menge Shooter-Klassikern und verbindet die unterschiedlichen Vorlagen mit jeder Menge Klebstoff. Aber entsteht dabei auch automatisch ein gutes Spiel?

Keine Zeit für den gesamten Test? Ganz unten findest Du eine Zusammenfassung!

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Prey - Nur Yu kann die Welt retten
Prey, kam das nicht schon 2006 raus? Ja genau, damals erschien unter dem gleichen Namen schon einmal ein Science-Fiction-Shooter mit jeder Menge verrückter und origineller Ideen. Da wurde die Gravitation umgekehrt, Du konntest per Astral-Walk Deinen Körper verlassen und Portale gab es (ein ganzes Jahr vor Portal) auch schon. Ein zweiter Teil ist jedoch nie erschienen, stattdessen werkelten die Arkane Studios unter der Führung von Bethesda an einer Art Reboot. Mit der Story des Originals hat das nichts mehr zu tun, stattdessen bedienen sich die Entwickler bei einem ganz anderen Shooter.

Systemanforderungen und Grafikeinstellungen im Detail

Lieber gut geklaut als schlecht selbst ausgedacht

Wenn Du schon einmal in Rapture oder Columbia aus Bioshock unterwegs war, dann werden Dir diverse Elemente in Prey arg bekannt vorkommen: Erneut bewegst Du Dich durch Art-Deco-Architektur. Statt Plasmiden verleihen Dir Neuromods übermenschliche Kräfte und an jeder Ecke findest Du Audiologs, die das Schicksal der Besatzung der Raumstation Talos I erzählen. Schließlich wurden auf dieser jahrelang neuro-wissenschaftliche Experimente an den Typhons — einer mysteriösen Alienrasse — durchgeführt. So ist es dank der daraus resultierenden Neuromods etwa möglich, über Nacht das Klavierspielen zu erlernen. Klar, dass Prey ein ziemlich kurzes Spiel wäre, wenn das nicht gründlich schief gehen würde und es in der gesamten Raumstation in kürzester Zeit nur so von Typhons wimmelt. Und nein, am Klavierspielen haben die leider kein Interesse.

Eine Raumstation voller Aliens? Kein Problem, einfach die gesamte Station mitsamt den letzten Überlebenden in die Luft sprengen. Sollte nur eine einzige Alien-Zelle die Erde erreichen, wäre es um die Menschheit geschehen. Ganz so einfach geht es denn aber doch nicht. Dein Bruder Alex will die wertvolle Forschung retten und legt Dir daher jede Menge Steine in den Weg, um die Station vor der Zerstörung zu bewahren. Direkte Wege von A nach B fallen daher aus, stattdessen musst Du jede Menge Umwege gehen und lernst so im Laufe des Spiels jeden Winkel der riesigen Raumstation kennen. Auch Ausflüge ins Weltall sind dabei keine Ausnahme. Hast Du erst die gesamte Station erkundet, wirst Du in der zweiten Spielhälfte auch zahlreiche Abschnitte erneut besuchen, da das Spiel neben einer umfangreichen Story auch nicht mit jeder Menge Nebenquests geizt.

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Der Recycling-Simulator

Damit Dir bei deinen Ausflügen quer durch Talos I nicht langweilig wird, darfst Du Dich unterwegs gegen zahlreiche Aliens zur Wehr setzen. Dabei werden Dir vor allem die fiesen Mimics ins Auge fallen — oder auch nicht, denn die Biester können sich vom Bürostuhl bis zur Kaffeetasse in alles verwandeln, um sich vor Deinen Blicken zu schützen. Beim Betreten eines Levels also erstmal mit dem Schraubenschlüssel auf diverse Objekte einzuhämmern — nur zur Sicherheit — ist jedenfalls keine Seltenheit. Hast Du ein Alien erfolgreich identifiziert, bist aber für einen beherzten Überkopfschlag mit dem Eisen-Knigge zu weit entfernt, tun es auch ein paar Schüsse aus der Pistole oder Schrotflinte. An dieser Stelle endet die Auswahl konventioneller Waffen aber auch schon.

Der Großteil Deines Arsenals besteht aus ungewöhnlichen Science-Fiction-Knarren, allen voran die Klebstoff-Kanone. Die immobilisiert nicht nur kurzzeitig Gegner, sondern ermöglicht Dir auch, improvisierte Leitern zu bauen. Allerdings birgt die Waffe auch noch zahlreiche andere Geheimnisse, die Du im Lauf des Spiels nach und nach lüftest. Das Spiel zwingt Dich zur Kreativität, da die Munition stets knapp bemessen ist und Du Dich daher auch auf weniger konventionelle Art zur Wehr setzen musst. Frische Patronen findest Du außerdem nur selten im Level verteilt, stattdessen stellst Du diese an speziellen Recycling-Stationen selbst her. Alles was nicht niet- und nagelfest ist, wird darin in Rohmaterial verwandelt, aus dem Du per Knopfdruck allerlei nützliche Gegenstände wie Munition, Medipacks, Neuromods oder Selbstschussanlagen herstellst. Willst Du hingegen auf Schusswaffen verzichten, stehen Dir auch jede Menge Alien-Fähigkeiten zur Verfügung, mit denen Du Deinen Körper modifizieren kannst. So kannst zum Beispiel auch Du Dich in eine Kaffeetasse verwandeln und Deinen Gegnern so den Schreck ihres Lebens verpassen. Aber Vorsicht: Mit den übernatürlichen Kräften nimmst Du auch Alien-DNA in Dich auf. Und gerade auf diese reagieren die Selbstschussanlagen besonders empfindlich.

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Fazit und Zusammenfassung

Prey bedient sich großzügig an BioShock, die Handlung ist im Vergleich zum Vorbild aber etwas weniger komplex. Dafür ist das Leveldesign deutlich offener, die Raumstation Talos I bietet Dir jede Menge Freiheiten und auch die Atmosphäre, die an Sciene-Fiction-Klassiker wie Half-Life oder Deep Space erinnert,  kann durchweg überzeugen. Dazu kommen zahlreiche optionale Nebenquests, durch die Du bis zu 20 Stunden in Prey verbringen kannst. Das Waffenarsenal ist originell und ungewöhnlich, aufgrund der knapp bemessenen Munition bist Du gezwungen, jede Menge ungewöhnlicher Taktiken zu entwickeln. Die Klebstoffkanone hat jedenfalls einen Ehrenplatz neben der Gravity-Gun aus Half Life 2 und der Portal-Gun sicher. Wer BioShock gespielt hat, erwartet vermutlich auch eine verblüffende Story-Auflösung. Ausgerechnet in dem Aspekt kann Prey aber nicht ganz mit dem Vorbild mithalten. Geduldige Spieler erwartet nach dem Abspann trotzdem eine spannende Überraschung.

 

Prey wird Dir gefallen, wenn Du: BioShock mochtest, gern experimentierst, Dich gern in Kaffeetassen verwandelst, gewissenhaft Müll trennst.

Prey wird Dir nicht gefallen, wenn Du: Konflikte gern mit Dauerfeuer löst, lange Laufwege verabscheust, Gebiete nicht gern doppelt erkundest.

Wertung

8.5/10
Getestet von Alexander

Gelungener Gruseltrip ins Weltall mit jeder Menge bewährten Elementen und kreativiten Neuerungen.

Weitere Themen: Bethesda Softworks

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