Pro Evolution Soccer 2014 Test: Eine Arbeitsverweigerung

49

Machen Tests zu „PES“ und „FIFA“ überhaupt noch Sinn? Diese Frage stellen mir Außenstehende, die noch nie eine Fussball-Simulation gespielt haben, immer wieder. Auch in der GIGA-Redaktion bin ich von Kritikern umgeben, die die Sinnhaftigkeit der jährlichen Gegenüberstellung von „Pro Evolution Soccer“ und „FIFA“ stark anzweifeln. Wer sich öffentlich über das innovationsscheue Franchising der „Call of Dutys“ dieser Welt aufregt, der darf im Sportsegment nicht mit zweierlei Maß messen – so lautet die mir häufig unterstellte Doppelmoral. Bisher konnte ich diese uninformierte Gängelei mit einigem Trotz locker abschütteln. Immerhin bedeuten minimale Änderungen an der Spielmechanik für eingefleischte Fans maximale Aufregung. Doch dieses Jahr ist irgendwas anders. Plötzlich zweifele ich selbst.

 

Warum? Gute Frage. Eigentlich ist alles beim Alten. Ich habe soeben die zweite Trainer-Karriere in der Meisterliga erfolgreich beendet. Mit dem eigens editierten Zweitliga-Verein „Energie Pankow“  habe ich zuletzt sogar die Champions League gewonnen. Ich habe also wieder viel Zeit mit „PES 2014“ verbracht. Und das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

 

Ich habe mich auch mit neuen Features wie dem Emotionssystem auseinandergesetzt, die Torwart KI skeptisch beäugt und die grafischen Leistungen der viel umworbenen Fox-Engine entsprechend analysiert. Kurz: Ich bin eigentlich bereit, meine Erfahrungen mit dem neuen „Pro Evolution Soccer“ in einem klassischen Test mit euch zu teilen. Doch mich dünkt ein schrecklicher Verdacht. Ich werde wohl wieder exakt das Gleiche schreiben wie im Vorjahr. Und dabei wiederhole ich mich doch so ungern!

Ich werde mich zum Beispiel enttäuscht darüber zeigen, dass die Bundesliga – einschließlich Borussia Dortmund – wieder nicht lizensiert wurde. Wahrscheinlich werde ich mich in nahezu poetischen Lobeshymnen über den unerreichten Realismus, die hervorragende Ballphysik und die unglaublich lebensnahen Animationen verlieren. Aber natürlich werde ich auch die vergleichsweise trockene Präsentation und die umständliche Menüführung gängeln. Und ich werde die wenigen Änderungen am Spielgefühl und an der Steuerung in aller Ausführlichkeit zu bedenken geben.

PES 2014 Test: Und jährlich grüsst das Murmeltier

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber mich langweilen Wiederholungen sehr. Doch was tun, wenn die allseits bekannten Stärken und Schwächen der Serie nun einmal exakt die gleichen geblieben sind? Es hat sich diesbezüglich einfach nichts getan. Klar, ich könnte die wenigen Änderungen im Vergleich zum Vorjahr dennoch in den Mittelpunkt stellen und aus dieser oder jener Code-Mücke einen Elefanten machen. Irgendwie scheint mir das in diesem Jahr aber erstmals total unsinnig – und das nicht zuletzt auch deshalb, weil sich die meisten von euch längst anhand der Demos von „PES 2014“ und „FIFA 14“ ein eigenes Bild machen konnten.

Nur damit wir uns richtig verstehen: Ich praktiziere hier keine Arbeitsverweigerung. Ich versuche lediglich mit einer schwierigen Sachlage fertig zu werden. Wenn sich ein Spiel im Verhältnis zu seinem Vorgänger so geringfügig verändert, dass nur Experten und langjährige Vielspieler alle Unterschiede ausmachen und diskutieren können, dann gerät so ein Test einfach schnell zur Farce. Aber ohne mich! Ok, so gesehen, ist das hier tatsächlich eine Arbeitsverweigerung. Schande über mein Haupt.

Was also tun? Dieses Jahr mach ich es einfach mal anders. Ein kleines Experiment, wenn man so will. Eine erzwungene Konzentration auf's Wesentliche, auf das, was wirklich nach zwei Wochen “PES 2014″ bei mir hängen geblieben ist, auf das, was meiner Meinung nach gut, schlecht und scheiße ist am neuen „Pro Evolution Soccer 2014“. Keine Wertung, dafür ein Versprechen: Sollte sich in “PES 2015″ wieder wirklich etwas tun (und davon gehe ich ganz stark aus - Seabass, ich glaube an dich!), dann kehre ich reumütig zum klassischen Test zurück.

 

DAS GUTE

  • Spiel auf die Außenbahnen verlagert: Ein Hauch weniger Klein-Klein, dafür mehr aufregende Flankenläufe
  • My Body is ready: Zweikämpfe und Laufduelle sind physischer und erlauben mehr Kontrolle
  • Eng am Fuss: Ball wird länger gehalten, das verbessert das Passspiel und die Natürlichkeit der Spielzüge
  • Noob-Support: Ich mag die neuen Spielerhilfen bei Standards und den Trainingsmodus
  • Dauerdrücken der Sprinttaste wird endlich geahndet: Tempo-Dribblings und Dauersprints sind nun taktischere Elemente
  • Awesome Animationen: Spielerbewegungen sehen nochmal deutlich besser aus
  • Mehr Optionen für Taktiker: Ich kann Spezifische Kombinations-Anweisungen für jeden Spielfeldbereich geben
  • Stadion-Atmosphäre spürbar aufgemöbelt: Keine Geisterspiele vor Pappkulisse mehr.
  • Der Zufall bleibt König: Spielzüge und Tore ähneln sich weniger als bei der Konkurrenz

 

DAS SCHLECHTE

  • Nix Neues! Keine neuen Spielmodi, keine (interessanten) neuen Lizenzen, keine Innovation
  • Meine geliebte Meisterliga stagniert: FIFA macht es mittlerweile einfach besser
  • Default off: Man muss die grauenvollen Kommentaren tatsächlich noch selbst ausstellen
  • Spröde Menüs und nüchterne Präsentation – Aufstellungsmenü sogar schlechter als vorher
  • Neues Emotionssystem? In China fällt gleich ein Sack Reis um

 

DER MIST

  • Jenseits der Stars regieren die Hackfressen – hässliche 08/15 Gesichter zum Kopfschütteln
  • Soundtrack in der Meisterliga ist eine nachdrückliche Aufforderung  zu Selbstmord

 

 

Folge uns auf Facebook, Twitter oder Youtube. So bist du immer auf dem neuesten Stand.

Weitere Themen: Konami

Neue Artikel von GIGA GAMES

GIGA Marktplatz