Prototype 2 Vorschau: Ein Blutbad im Open-World-Spektakel

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Eure Wahl von „Prototype“ unter die 100 besten Spiele aller Zeiten stieß in der Redaktion vor allem auf eines: Kopfschütteln. Ein Spiel, das sein mittelmäßiges und bisweilen sogar frustrierendes Gameplay mit der Blutspritze zu verkleistern gedachte, hatte unserer Meinung nach in der erlesenen Top 100 Liste nicht viel zu suchen. Die wirre Verschwörungsstory, der farblose Anti-Held und das maue Missions-Design machten aus Radicals gewaltiger Sandkasten-Sauerei kaum mehr als ein nettes Spiel für den digitalen Frustabbau. Doch knapp zwei Millionen verkaufte Exemplare sprechen eine ganz eigene Sprache.

Prototype 2 Vorschau: Ein Blutbad im Open-World-Spektakel

Eine Sprache, die vor allem Publisher Activision sehr gut verstanden hat. Ausgestattet mit mehr Freiheiten und einer brandneuen Grafik-Engine gab man Radical Entertainment ein zweites Mal grünes Licht für die Freisetzung ihres gefährlichen Mutagens.

Das Studio nahm dankend an und versprach mit „Prototype 2“ ein Open-World-Spiel abzuliefern, das es in jeder Hinsicht mit den ganz großen Namen im Genre aufnehmen kann. Beim ausführlichen „Prototype 2“ Hands-on in München hatte GIGA nun Gelegenheit, dieses Versprechen zu überprüfen.

Schon nach wenigen Minuten ist klar: Radical Entertainment gedenkt seine Versprechen zu halten. „Prototype 2“ wurde optisch mächtig aufgebohrt, erzählt sich sehr viel geradliniger und wartet mit einem Mehr an spielerischer Abwechslung auf. Das infizierte New York – nun unterteilt in drei unterschiedliche Sperrgebiete  – wirkt bei unseren ersten Streifzügen sehr viel lebhafter und weckt sofort jenen speziellen Entdeckerdrang, den ein gutes Open-World-Spiel einfach braucht. Auf unseren Stadttouren treffen wir auf Passanten und Sicherheitskräfte, die sehr viel passender auf unser (Fehl)Verhalten reagieren.

Viel Kritik – noch mehr Versprechungen

Radical hat in belebtere Straßenzüge, mehr Umgebungsdetails und eine spürbar verbesserte Physik investiert. Das zahlt sich aus. Das Spezialkräfte-Chaos, das wir in „Prototype 2“ wieder anrichten dürfen, erhält dadurch nämlich ein sehr viel befriedigenderes Feedback.  Der Vorgänger verstand sich bereits sehr darauf, dem Spieler ein enormes Machtgefühl zu vermitteln. Die matschig aufgelöste Spielwelt und die graue NPC-Masse, die man uns als New Yorker Bevölkerung verkaufen wollte, waren jedoch echte Spaßverderber. Das wird sich in „Prototype 2“ ändern. Wenn wir es hier knallen lassen, gibt´s auch ein schönes Echo aus Zerstörung und Panik. So muss das!

Zufällig stattfindende Geplänkel zwischen streunenden Monstrositäten und Soldaten unterstreichen den besseren Gesamteindruck von der „Prototype 2“ Spielwelt. Immer wieder kommt es auch ohne unser Zutun zu Gewaltausbrüchen. Das erhöht die Glaubwürdigkeit des belagerten Big Apple und lässt die potemkinschen Dörfer des Vorgängers weit hinter sich.

Das alles gefällt uns sehr gut, ist allerdings unter heutigen Gesichtspunkten mehr Standard, als Errungenschaft. Uns kommt es vor allem auf eine packende Geschichte und deren hollywoodreife Inszenierung an. Wie steht es also damit?

Die Idee, aus Vorgänger-Protagonist Alex Mercer nun den Bösewicht zu machen, ist schon mal sehr vielsprechend. Auch wenn Mercer sich aufgrund seiner vielen moralischen Fehltritte und seiner unappetitlichen Vorliebe für Menschensalat  so gar nicht zum Helden eignen wollte – über eine dramatische Geschichte über Mercers Abkehr vom rechtem Pfad hätte durchaus ihren Reiz. Wir hoffen also auf zahlreiche und erzählerisch geschickt eingefädelte Aufeinandertreffen zwischen Alex Mercer und Sergeant James Heller, dem neuen „Helden“ in „Prototype 2“.

Hoffnungen, die sich während unseren Spielzeit leider noch nicht bestätigen wollten. Mercer bleibt ein Irrer mit Superkräften und für Hellers Motivation muss wieder einmal die olle Rachekeule herhalten. In den zahlreichen und solide verpackten Zwischensequenzen stellt sich Heller dann auch noch als sprichwörtlicher Prototyp eines „ehrenhaften US-Marines“ heraus. Die Nummer war schon in den 90ern langweilig – warum nicht mal was Neues versuchen Radical?

So ganz wollen wir die Handlung von „Prototype 2“ zwar noch nicht abschreiben – dafür haben einfach zu wenig gesehen – ein narratives Meisterwerk  sollte man aber trotz der besseren Inszenierung nicht erwarten.  Vielleicht erwarten wir aber von einem Spiel, in dem das pittoreske Zerschneiden und Verdreschen infizierter Zombiehorden und Elitesoldaten die Hauptattraktion darstellt, etwas zu viel. Was „Prototype 2“ an Charisma und Cleverness fehlt, macht es durch den Spaß an der Zerstörung wieder wett.

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