Quantum Conundrum Kurztest: Fast Portal

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Quantum Conundrum“ schiebt sich schon mit seinem Namen absichtlich in eine Nische. Nehmen wir dann noch die eigenwillige Cartoon-Ästhetik, den Fokus auf physik-basierte Puzzle und die eingestreuten Geschicklichkeitseinlagen und schon stellen wir uns die Frage: Wer soll das spielen? Vor ein paar Jahren mag das ein berechtigter Einwand gewesen sein, seit „Portal“ sind solche Spiele Kult.

Kim Swift war der kreative Kopf hinter dem ersten „Portal“, hat bei „Left 4 Dead“ mitgearbeitet und 2009 schließlich Valve verlassen, um bei Airtight Games anzuheuern. Dort hat sie nun „Quantum Conundrum“ entwickelt, dem man die „Portal“-Wurzeln deutlich ansieht.

Da wäre die grundlegende Struktur, die uns von Raum zu Raum schickt, um in sich geschlossene Rätsel zu lösen. Dann der humoristische Ansatz mit einer Stimme aus dem Off – in dem Fall die unseres verschollenen Onkels Professor Fitz Quadwrangle. Da drängt sich der Vergleich einfach auf. Da es so intelligente Spiele wie „Portal“ noch viel zu selten gibt, begrüßen wir diese Ähnlichkeiten.

Während bei „Portal“ die namensgebenden Portale die Grundlage für alle Rätsel bildeten, ist es bei „Quantum Conundrum“ ein besonderer Handschuh, der uns erlaubt, zwischen verschiedenen Dimensionen zu wechseln. Die Plüsch-Dimension macht alle Gegenstände federleicht und kuschelig, in der schweren Dimension wird alles zu Metall, die langsame Dimension verändert den Verlauf der Zeit und die umgekehrte Schwerkrafts-Dimension schickt alle Objekte an die Decke.

Nach und nach werden die Dimensionen freigeschaltet – zu Beginn rätseln wir nur mit Plüsch-Sofas, dann dürfen wir sie im Wechsel in Metall verwandeln und so etwa einen fluffigen Safe auf einen Gewichts-sensiblen Schalter legen, den wir dann nur in der Metall-Dimension auch aktivieren können. Später wird's dann richtig knifflig, wenn uns alle vier Dimensionen gleichzeitig zur Verfügung gestellt werden.

Quantum Conundrum

Dann surfen wir etwa auf einem plüschigen Tisch angetrieben von einem Ventilator durch einen riesigen Korridor, wechseln im Takt die Schwerkraft, um totbringenden Lasern auszuweichen und verwandeln das Ding schließlich in Metall, damit es nicht von einem weiteren Laser zerbrutzelt wird und wir somit den Boden unter den Füßen verlieren.

Es ist nicht immer nur Hirnschmalz gefragt, oft zählen auch die Reflexe, denn „Quantum Conundrum“ geizt nicht mit Geschicklichkeitseinlagen. Das gefällt, bringt es doch Geschwindigkeit in ein sonst eher gemächliches Konzept. Die Rätseldichte ist dabei unheimlich hoch, durch viele Knobeleien brausen wir aber auch routiniert durch, da die Lösung offensichtlich ist. Auf ein paar dieser eher uninspirierten Rätsel folgt aber stets eine etwas knackigere Aufgabe, die uns länger beschäftigt und motiviert. Echte Kopfzerbrecher gibt es allerdings nicht, meist lassen sich die Rätsel auch durch Experimentieren lösen.

Die Geschichte um den verschollenen Professor rückt bei der ganzen Knobelei in den Hintergrund und dient generell nur als dünner Aufhänger für den Gang von Rätselraum zu Rätselraum. Dafür sitzt der Humor, gespickt mit Wortwitzen und popkulturellen Anspielungen, dafür aber nicht annähernd so bissig wie beim Vorbild „Portal“. Das Design von Professor Quadwrangles Villa ist herrlich verrückt, überall hängen Bilder von Monokel tragenden Katzen oder merkwürdigen Experimenten und die teils personalisierten Laborgerätschaften strecken uns die Zunge raus. Nur hätten wir uns etwas mehr Abwechslung und etwas weniger Recycling bei der Inneneinrichtung  gewünscht.
Fazit:

Quantum Conundrum“ macht fast alles richtig: Der einzigartige Ansatz mit den Dimensionen bietet knackiges Rätselpotential, der Humor trifft an allen wichtigen Stellen und die Präsentation weckt Erinnerungen an Samstag-Morgen-Cartoons. Trotzdem reicht die spaßige Knobelei nicht an „Portal“ heran, dazu fehlt der Biss, der letzte Schliff, der Funke, der GLaDOS war.

Das macht aber nichts, schließlich ist das ein extrem hohes Maß, an dem „Quantum Conundrum“ da gemessen wird – und immerhin hat es das fast erreicht.

Wertung: 85%

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