Rango - Filmkritik: Mut zur Hässlichkeit

Leserbeitrag
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Regie: Gore Verbinski
Darsteller: Johnny Depp, Isla Fisher und Timothy Olyphant
USA; Start: 3. März 2011 "Deine Metapher hat mir die Milz zerrissen". Mit diesen Worten macht das hauptdarstellende Chamäleon aus Gore Verbinskis Animationsfilm "Rango" gleich zu Beginn klar, wo die Reise hingehen soll. Der computergenerierte Western ist doppelbödig, drastisch und zuweilen sogar ein bisschen gefährlich. Zu etwas Besonderem wird "Rango" aber erst durch seinen Mut zur Hässlichkeit.

Rango - Filmkritik: Mut zur Hässlichkeit

Das geht schon bei dem krummhalsigen Protagonisten des Films los. Johnny Depp verleiht dem Chamäleon mehr als nur seine Stimme. Als exzentrische Mischung aus Depps überdrehter Version von Hunter S. Thompson (“Fear and Loathing in Las Vegas”) und dem theatralischen Captain Jack Sparrow (“Pirates of the Caribbean”) ist der Hauptcharakter “Rango” eine schöne Verbeugung vor den besten Rollen des Schauspielers.

Die Titelfigur sieht aber nicht nur ziemlich scheiße aus – sie steckt zu allem Überfluss auch noch in einer schweren Identitätskrise. “Wer bin ich eigentlich?”, fragt sich das schrullige Reptil im Verlauf des Films immer wieder. Eine berechtigte Frage, ist “Rango” doch nur ein spontan erdachter Fantasiename mit dem sich der großmaulige Blender, den Bewohner der abgewrackten Wüstenstadt “Dirt” als berüchtigter Revolverheld vorstellt.

Im Drecksloch “Dirt” landet “Rango” nachdem er durch eine Bodenwelle des Schicksals aus der einsamen Sicherheit seines Terrariums geschleudert wurde. Die leichtgläubige Gemeinde der Stadt fällt auf seinen Schwindel herein und ernennt ihn kurzerhand zum Sheriff. Wenig später muss “Rango” jedoch erkennen, dass man sich die Anerkennung, die das erschlichene Amt mit sich bringt, auch tatsächlich verdienen muss.

Was folgt, ist ein versiert zusammengestellter Ritt durch alle klassischen Westernmotive an dessen Ende natürlich auch “Rangos” existenzialistische Fragen beantwortet werden. In puncto Handlung gibt es dabei im digitalen Westen wenig Neues: wenn nicht gerade “12 Uhr Mittags” zitiert wird, erinnert die Story etwas zu sehr an Pixars “Großes Krabbeln”. Auch hier war eine Gruppe von wenig heldenhaften Aufschneidern berufen, sich im Angesicht einer tödlichen Gefahr, ein paar Käfer-Eier wachsen zu lassen. Spaß hat man trotzdem immer in “Rango”. Die Gags sind wohlüberlegt platziert und kommen ohne größere Fehlzündungen aus.

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