Ratchet & Clank im Test: Ein Must-have für Jump‘n‘Run-Nostalgiker

Marvin Fuhrmann
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Nunmehr dreizehn Jahre ist es her, dass Insomniac Games das Duo Ratchet & Clank auf die versammelte Spielerschaft losgelassen hat. Mit dem exklusiven PS4-Ableger soll die Reihe wieder zu ihren Wurzeln finden. Warum das Ganze ein Must-have für alle Nostalgiker (und solche, die es werden wollen) ist, verraten wir euch im Test.

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Ratchet and Clank Gameplay Trailer

Ratchet & Clank im Test

Die großen Zeiten des Jump‘n‘Run -Genres sind vorbei. Die Helden meiner Kindheit mit Spyro, Jak and Daxter und Vexx sind schon lange morsch in den Gelenken und tauchen allerhöchstens noch in kindgerechten Adaptionen mit Figurensammelwahn auf. Wo sind die Zeiten hin, in denen ich durch bunte und sagenhafte Welten gesprungen bin, Schätze aufgesammelt habe und Bösewichten mit einem Arsenal aus verrückten Waffen das Fürchten gelehrt habe?

Sie sind wieder zurück! Denn mit Ratchet & Clank erscheint am 20. April PS4-exklusiv ein Jump ‘n‘ Run, das sich vollkommen auf die Tugenden seiner Erstlingswerke beruft. Ich habe mich für ein Wochenende in die wunderbare Alien-Galaxie begeben, mit Lombax und Roboter Fieslinge verdroschen, und am Ende… tja, am Ende blieb nur die Frage, warum es so ein Reboot nicht schon früher gegeben hat.

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Die Galaxie wird bedroht von den bösen Blark Industries, die hinter ihren Fabrik-Toren etwas Böses planen. Was genau, vermag aber nur der kleine Roboter Clank zu sagen, der als fehlgebauter Kampf-Bot von dort fliehen kann. Praktisch, dass er mit seinem Raumschiff direkt vor den Füßen von Ratchet auftaucht, der auf seinem Planeten von den großen Abenteuern als Teil der Galaktischen Schutztruppen träumt. Jetzt, wo das starke Duo vereint ist, beginnt die Reise zur Rettung der gesamten Galaxie.

Das „Reboot“ der Ratchet & Clank-Serie lehnt sich stark an den bald erscheinenden Kinofilm an. Dieser soll den Lombax und seinen Robo-Freund auch auf der großen Leinwand einem breiteren Publikum näher bringen. Im Spiel seht ihr deshalb einige Szenen, die direkt aus dem neuen Streifen stammen. Und diese sehen, genau wie der Rest des Jump ‘n‘ Runs, für das Games-Medium einfach atemberaubend schön aus. Mit einer Auflösung von 1080p und konstanten 30 Frames flimmern hier malerische Alien-Planeten, detaillierte Szenarien und actiongeladene Kämpfe über den Bildschirm. Doch Grafik ist natürlich nicht alles.

Wenn das Gameplay nicht passt, kann auch die beste Grafik nichts mehr rausreißen. Gut nur, dass dies bei Ratchet & Clank nicht annähernd der Fall ist. In altbekannter Manier schießt ihr euch mit dem gut gelaunten Lombax durch zahlreiche Feinde und sammelt dabei immer wieder neue Waffen ein. Während bei Ratchet die Post abgeht, kommt es bei dem kleinen Clank eher auf eure graue Muskelmasse an.

Da der kleine Roboter nicht besonders schlagkräftig ist, müsst ihr mit ihm Rätsel lösen. Diese sind nie zu schwierig, aber halten euch vor allem in den letzten Spielabschnitten gerne Mal ein paar Minuten auf Trab, bevor ihr die Lösung findet. Neben dem Wechsel zwischen Puzzle-Abschnitten und den actionreichen Feuergefechten, motiviert die Suche nach neuen Gadgets, mehr Bolts zum Erwerb von neuen Waffen und zahlreichen Upgrades für die Ballermänner, die euch noch stärker machen. Abseits davon gibt's noch Hoverboard-Rennen, versteckte Collectibles und Waffen, sowie einige Sammelkarten, die euch Boni verleihen. Unglaublich viel zu tun für einen einfachen Lombax.

Zurück zu den Bleispritzen: Die Waffen könnten direkt aus der kreativen Feder eines verrückten Wissenschaftlers stammen. Neben Granaten, Flammenwerfer und Co. finden sich mehr als ein Dutzend verschiedene Kriegsgeräte im Laufe des Spiels im Inventar ein. Meine persönlichen Favoriten: Der Groovitron, der alle Feinde zu dröhnender Diskomusik tanzen lässt, und der Schafinator. Mit dem verwandelt ihr Feinde in blökendes Nutzvieh. Noch ein paar Schüsse mehr auf die Schafe und schon gibt's eine große Paradoxexplosion, die weitere Gegner im Umkreis mit sich reißt. Ein großartiger und spaßiger Schwachsinn!

Das alles fühlt sich genau so an wie früher und erglänzt dank der modernen Technik im Hintergrund in neuer Pracht. All diejenigen, die vor vielen Jahren ihre „Zockerkarriere“ mit Jump ‘n‘ Runs begonnen haben, kommen hier voll auf ihre Nostalgie-Kosten. Zudem merkt man dem Spiel einfach die jahrelange Erfahrung der Entwickler an. Hier sitzt jeder Sprung dank hochpräziser Steuerung perfekt. Wären die Ausweichmanöver schwammig und ungenau, könnte man dem Kugelhagel der Feinde kaum entgehen und in den Sprung- und Flugeinlagen wäre Frust vorprogrammiert . An manchen Stellen komme ich mir sogar vor wie bei Bullet-Hell-Shootern. Das macht schon den normalen Schwierigkeitsgrad hin und wieder recht fordernd und vor allem spannend.

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Meckern auf höchstem Niveau

Ist Ratchet & Clank am Ende dieser Zeilen nun das allumfassende Paradebeispiel für einen gelungenen Reboot? Nicht ganz. Auch hier trüben ein paar Fehler den Gesamteindruck. Es sei aber gesagt, dass diese wirklich nur marginal ins Gewicht fallen oder sogar mit einem einfachen Update durch die Entwickler bei Insomniac Games wieder behoben werden könnten. Denn während meiner Spielzeit ist mir ein seltsamer Hall-Effekt bei manchen Stimmen aufgefallen. So spricht Ratchet völlig normal, während Clank neben ihm poltert, als stünde er in der größten Kathedrale der Welt. Und auch der zweite Makel findet sich bei der Sprachausgabe. Denn zumindest in der deutschen Synchronisation sind einige Dialoge nicht lippensynchron. Wer des Englischen mächtig ist, sollte also lieber die eigene PS4 umstellen.

Aber egal auf welcher Sprache gespielt wird: Die Dialoge zwischen den Helden und den vielen liebenswürdigen Nebencharakteren sind hervorragend. Hier haben die Entwickler genau den richtigen Grad zwischen herrlichen Albernheiten und Situationskomik gefunden. Wer dabei nicht zumindest ein Schmunzeln auf dem Gesicht hat, muss einen ganz miesen Tag haben. Ratchet & Clank ist wirklich ein Garant für gute Laune.

Mein Test-Fazit zu Ratchet & Clank

Ich bin ganz ehrlich: Als ich mit Ratchet & Clank losgelegt habe, war meine Laune alles andere als rosig. Es war wieder einer dieser Tage, an dem Nichts klappen wollte. SCHNITT! Einige Stunden später sitze ich immer noch vor dem Bildschirm, knoble mich durch Rätsel, ballere mich durch Gegnerhorden und habe dabei wieder ein Grinsen auf den Lippen.

Ratchet & Clank erweckt die wunderbaren Zeiten des 3D-Jump‘n‘Runs wieder und setzt sie auf moderne Weise um. Nach acht Stunden (und diese fast am Stück) habe ich den Abspann gesehen und mich gefreut über eine Reise, die mir viele schöne Momente beschert hat.

Wer wirklich alle Collectibles finden will und noch im Herausforderungsmodus einen Neustart mit den ergatterten Waffen beginnt, ist noch deutlich länger dabei – und wird, das verspreche ich euch, die komplette Zeit viel Spaß haben.

Die GIGA-GAMES-Wertungsphilosophie

Ratchet & Clank erscheint am 20. April 2016 für PlayStation 4. In unserem Trophäen-Guide sagen wir euch, welche Erfolge ihr wie freischalten könnt.

Wertung

9/10
Getestet von Marvin

Ratchet & Clank zeigt, aus welchem Stoff ein Reboot gemacht sein muss. Hier bekommt ihr ein Feuerwerk der Nostalgie, bei dem sich andere Titel eine Scheibe abschneiden dürfen.

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