Rayman Legends Test: Die Definition von Spielspaß

Wie definiert man eigentlich Spielspaß? Wir Spiele-Tester beantworten diese Frage in der Regel mit kryptischen Zahlenspielen und ausgefeilten Wertungssystemen. Wirklich befriedigend war das noch nie. Nehmen wir zum Beispiel „Rayman Legends“. Das macht richtig viel Spaß. Allerdings nicht weil sich grafische Gestaltung, musikalische Untermalung und spielerisches Design numerisch zu einem überzeugenden Gesamteindruck hochrechnen lassen. Der Spielspaß von „Rayman Legends“ ist ein magisches Bisschen mehr. Er liegt irgendwo in dem begeisterten Grinsen, das mir dieses Spiel auf die Lippen zaubert, in meinem kindlichen Staunen über seinen kunterbunten Spielwitz begründet. Aber ist so etwas überhaupt messbar?

Ubisoft Montpellier hat uns vor zwei Jahren alle verzaubert. Shooter-Fans, Rollenspieler, Strategie-Liebhaber – sie alle trafen sich, ungeachtet ihrer Genre-Herkunft, auf der bezaubernden Spielwiese von „Rayman Origins“, um dort simplen, unkomplizierten Spaß zu haben. „Rayman Origins“ war eine hyperaktive, farbenfrohe Frischzellenkur für ein Metier, in welchem sich traditionsgemäß nur Nintendo um den Fortschritt kümmert. So gesehen war die herausragende Qualität von „Rayman Origins“ eine echte Überraschung. Mit einem zeitlosen Jump& Run-Klassiker aus dem Hause Ubisoft hatte zu diesem Zeitpunkt einfach niemand wirklich gerechnet.

 

Rayman Legends Test
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Das viele Lob der Kritiker und der Spaß der Spieler stellt Ubisoft Montpellier nun vor die schwere Aufgabe, uns mit  „Rayman Legends“ ein zweites Mal zu beglücken. Nach Möglichkeit bitte auch mit echten Neuerungen und noch mal mehr von allem, was „Origins“ seinerzeit so groß machte. Dass den Entwicklern genau dieses Kunststück gelungen ist, darf als die nächste große Überraschung aus dem Hause Ubisoft Montpellier gelten. „Rayman Legends“ ist nämlich tatsächlich etwas besser als der Vorgänger. Hut ab!

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Rayman Legends Test: Besser als der Vorgänger? Ja, man!

Doch der Reihe nach. Neuerungen wurden gefordert. Auftritt Musiklevel. Diese stellen den Abschluss der insgesamt sechs Spielwelten dar und verbinden das „Guitar Hero“-Prinzip mit dem bekannten Rayman-Wahnsinn. Also bitte alle mal im Takt der Musik springen und mit einem Affenzahn über die abgefahren designte Strecken wetzen. Schon in der zweiten Welt ist das schwerer, als es klingt. Doch bevor sich Gevatter Frust meldet, wird man stets wieder vom Rhythmus der genial adaptierten Musikstücke zurück ins Land des Lächelns geholt. Die Musik-Stages machen so viel Spaß, dass man sie auch gerne noch ein zweites oder drittes Mal meistern will – dieses Mal dann vielleicht mit bis zu drei Freunden.

Ebenfalls neu ist Murphy, der sich ursprünglich Mal als passendes Feature für das Wii U-Gamepad empfohlen hatte. Aber auch auf der von mir gespielten PS3-Version funktioniert Murphy problemlos und fügt der aus „Origins“ bekannten Spiel-Mechanik noch eine weitere, clevere Ebene hinzu. Der kleine Helfer räumt nämlich in Null-Komma-Nix Hindernisse aus dem Weg, in dem er sich zum Beispiel durch die Level-Architektur knabbert, Objekte verschiebt oder übermächtige Gegner durchkitzelt, damit Rayman einen wohlplatzierten Treffen landen kann. Das Ganze passt sehr gut ins Spiel-Konzept und stört den Rayman-Flow in keiner Weise.

Die dritte nennenswerte Neuerung hätte ich zunächst fast übersehen, dabei verbirgt sich hinter  „Kung Foot“ genug Spaß für ein eigenständiges Spiel. Das Fussball-Minigame lässt die Rayman-Figuren in Zweier-Teams gegeneinander antreten. Der Ball muss ins Tor, das ist eigentlich schon alles, was das Minispiel von uns will. Doch wer „Kung Foot“ mit drei Freunden spielt, ohne dabei laut zu lachen, der sollte unbedingt mal zum Arzt und sein Zwerchfell untersuchen lassen.

Bleiben die alten Stärken aus „Origins“. Die künstlerische Gestaltung des Vorgängers war brillant und wurde zu Recht gefeiert. „Rayman Legends“ legt da noch einmal eine dicke Schippe Schönheit drauf. Der thematisch mitunter radikal variierende Artstyle der Spielwelten gehört zum Besten, was die auslaufende Konsolen-Generation gesehen hat.

Art Style Awesome: Schöner geht nicht!

Da fällt es wahrlich schwer, etwas als besonders gelungen herauszustellen. Mein persönliches Highlight wäre vielleicht die Unterwasserwelt „20.000 Lums unter dem Meer“, denn die stellt sich im Spielverlauf urplötzlich als eine Ansammlung von Schleich-Stages heraus. Rayman muss sich hier zu den coolen Tönen einer an James Bond angelegten Melodie an Minen vorbeimogeln. Gerät er in die sich bewegendenden Lichtkegel, wird’s schmerzhaft. Das ist spannend und unglaublich lässig aufgezogen.

Aber auch die als visueller Zuckershock aufgelegte und vom mexikanischen „Tag der Toten“ inspirierte Spielwelt war wunderschön. Oder die fast schon meditativ ruhigen, saftig grünen Sumpf-Welten, oder die lustige Rayman-Version der griechischen Sagenwelt, oder, oder, oder. „Rayman Legends“ feuert mehr kunstvolle Finessen pro Frame ab, als meine Großhirnrinde überhaupt aufnehmen kann. Dass sich die Welten dabei auch spielerisch immer wieder stark unterscheiden, kann als neue Stärke der Reihe angesehen werden. Abwechslung galore!

Der handgezeichnete, wieder einmal butterweich animierte 2D-Look überzeugt aber nicht nur durch die enorme Phantasie und Kreativität des Teams um Michel Ancel, auch technisch hatte das französische Studio dieses Mal ein paar mehr Farben im Kasten. Dynamische Beleuchtung und 3D-Effekte fügen sich als sichtbare Erweiterungen in dieses visuelle Meisterstück ein. Übrigens ohne Frame-Rate-Verluste.

Fazit

Was ist denn nun Spielspaß? Ist es das, was am Ende dabei herauskommt, wenn man das halsbrecherische Maß an Abwechslung in diesem Spiel, die grandiose künstlerische Gestaltung, den kolossal fantastischen Soundtrack, die episch lustigen Bosskämpfe, den fetten Umfang, die erstklassige Steuerung und das nostalgische Gespür dieses Platformers zusammenaddiert? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung. Aber wenn mich in Zukunft jemand fragt, was das eigentlich genau ist, Spielspaß, dann werde ich sagen: Das was ich beim Spielen von „Rayman Legends“ empfinde. Das muss dann erst einmal reichen.

Unsere Wertungsphilosophie 

 

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