Resident Evil 6 Video-Vorschau: Wer braucht schon Horror?

Ich war mir sicher, dass mir “Resident Evil 6” nicht gefallen würde. Den fünften Teil empfand ich als einzige Enttäuschung und die Demo ließ mich ein geskriptetes Quick-Time-Spektakel befürchten. In der Preview-Version bekam ich jedoch die Gelegenheit, alle drei Kampagnen mehrere Stunden anzuspielen und musste überrascht feststellen, wie viel Spaß ich mit Capcoms Aushängeschild hatte.

Resident Evil 6 Video-Vorschau: Wer braucht schon Horror?

Die größte Stärke von “Resident Evil 6″ ist, dass sich jede der drei Kampagnen komplett unterschiedlich spielt. Leons Geschichte erinnert mit ihrem konstanten Munitionsmangel und der immer weiter ins Chaos abdriftenden Stadt sehr stark an “Resident Evil 2″ und “3″. Autos rasen die Straßen entlang und bauen spektakuläre Unfälle, Gebäude brennen und Überlebende verzweifeln angesichts der Übermacht an Zombies. Zudem tauchen hier tatsächlich wieder die altbekannten, langsam schlurfenden Zombies aus den Anfangstagen der Serie auf. Damit es nicht zu langweilig wird, gibt es jedoch natürlich auch zahlreiche Mutanten mit besonderen Fähigkeiten.  Bei denen heißt es, die Beine in die Hand nehmen. So lebt Leons Kampagne davon, dass ich zu jeder Zeit abwägen muss, ob ich mich den Zombiehorden stelle, flüchte oder vielleicht sogar in den Nahkampf wechsle.

Chris‘ Kampagne ist dagegen das komplette Gegenteil. Seine erste Mission ist es, im zombieverseuchten China eine Gruppe von UN-Mitarbeitern aus einem Gebäude zu befreien – dort werden sie von Infizierten als Geiseln gehalten. Moment: Zombies, die Geiseln nehmen? Hört sich seltsam ist, wird aber durch den neuen C-Virus begründet, der den Infizierten ihre Intelligenz lässt. Deshalb tragen diese Zombies Waffen, benutzen Fahrzeuge, koordinieren ihre Angriffe und gehen in Deckung. Das Deckungssystem wurde deshalb im Vergleich zum Vorgänger ausgebaut und Chris kann sich nun hinter jede Wand hechten, um gegnerischem Feuer zu entgehen.  Die Zombies sind nicht nur intelligenter, sondern auch wesentlich ekliger. Wie im fünften Teil wachsen ihnen gelegentlich tentakelähnliche Auswüchse oder verwandeln sie in komplett andere Wesen. Dann kämpft man plötzlich gegen an Wänden krabbelnde Skorpione oder durch die Luft fliegende, abgetrennte Oberkörper. Insgesamt ist das Spielgefühl jedoch sehr ähnlich zu dem vom fünften Teil und könnte deshalb am schnellsten langweilig werden.

Zuletzt ist der neue Charakter Jake spielbar. Als Sohn von Albert Wesker ist sein Blut immun gegen den C-Virus und wird deswegen dringend gebraucht. Die böse Untergrund-Organisation, die den Ausbruch verursacht hat – sehr einfallsreich „Neo-Umbrella“ genannt – hat natürlich etwas dagegen und hetzt Jake und seiner Begleitung Sherry Birkin den sogenannten Ustanak auf die Fersen. Wie in “Resident Evil 3: Nemesis” befinden sich die beiden so ständig auf der Flucht und das überträgt sich auch direkt aufs Gameplay. Jakes Kampagne ist die mit Abstand filmischste, mit vielen Quick-Time-Events und Kamerafahrten. Tatsächlich erinnert Resident Evil 6 hier mehr an Uncharted als an seine Vorgänger. Zudem lässt Capcom jeden Anflug von Realismus verschwinden. Jake springt Saltos schlagend durch die Gegend, kämpft gegen Helikopter und lässt Dante-würdige Sprüche ab. Das Ganze ist komplett lächerlich, macht genau deswegen aber auch so viel Spaß.

Laut Capcom warten hier rund 30 Stunden Spielspaß auf uns, die, sollte das Niveau der ersten beiden Kapitel eingehalten werden, einiges an Abwechslung bieten werden. Auch der Coop-Modus funktioniert besser als im fünften Teil dank eines flexibleren Nahkampfsystems (so können einfacher Team-Combos gestartet werden)  und offeneren Arealen. Während ein Charakter mit einem Quick-Time-Event beschäftigt ist, kann der andere ihn zudem daraus befreien.

Lediglich die Story macht mir noch ein bisschen Sorgen. Die war bei “Resident Evil” noch nie wichtig, jedoch dauern die Cutscenes in Resident Evil 6 zusammen gezählt ganze 4 Stunden – da muss dann schon etwas geboten werden. Nach den ersten Spielstunden in jeder Kampagne habe ich jedoch immer noch keine Ahnung, was nun eigentlich der Plot ist. Alle drei Charaktere befinden sich zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten, Flashbacks erschweren das Verständnis weiterhin.

Ausblick

“Resident Evil 6″ bewahrt mit Leons Kampagne noch etwas vom Grundgedanken der ersten Teile, entwickelt sich ansonsten aber konsequent weiter – weg vom Horror, hin zum Spektakel. Kann man sich damit abfinden, wartet eine Action-Granate sondergleichen auf euch, die dank Coop-Modus wohl auch noch reichlich Wiederspielwert bieten wird.

Ersteindruck: Sehr gut

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Weitere Themen: gamescom 2013: Vorverkauf für 2014 hat begonnen, Capcom

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