Resident Evil 7 in der Vorschau: Unheimlich und unheimlich gut

Kristin Knillmann
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In den fünf Stunden, die ich mit Resident Evil 7 verbringen durfte, habe ich mich gegruselt, überraschen und begeistern lassen. Warum das Horrorspiel wirklich so gut wird, wie wir alle gehofft haben, erzähle ich Dir jetzt in meiner Vorschau.

Heimlich und leise schleicht sich der im Januar angesetzte Release-Termin für Resident Evil 7 immer näher. Doch wirklich viel ist über den nächsten Teil der Horrorspiel-Reihe, der sich über zwei Jahre in Entwicklung befand, noch nicht bekannt. Besonders seit dem großen Erfolg der „Beginning Hour“-Demo sind lauter Fragen offen: Wie wird das neue Resi aussehen? Wie viel hat das Spiel mit der Demo gemein? Findet die Serie wirklich zu ihren gruseligen Grundsteinen zurück? Und was hat es mit den schattenartigen Wesen aus den Teaser-Videos auf sich?

Heute ist Dein Glückstag: Nach einer exklusiven fünfstündigen Session mit dem finalen Build von Resident Evil 7 darf ich Dir ausnahmslos alle dieser Fragen endlich beantworten, und Dir einen ersten richtigen Einblick in die Spielwelt und seine Figuren geben.

Lass es Dir schmecken, Ethan!

Mein Hands-on startet mit einer ungemütlichen Dinner-Szene, die nach etwa einem Drittel des Hauptspiels passiert. Die kennst Du bereits, wenn Du den Trailer gesehen hast, der die etwas, nunja, „unangenehme“ Baker-Familie mit Mutter Marguerite, Vater Jack und Sohn Lucas erstmals auf den Plan rief. Als Ethan wohne ich deren Abendessen aus Gedärmen und Körperteilen bei und beobachte, wie sie nacheinander austicken, weil ich den lecker zubereiteten Happen selbst dann doch lieber verwehre. Bevor mir Jack Baker aus Wut über meine Undankbarkeit ein Messer in den Hals stecken kann, kommen mir plötzliche Geräusche zur Hilfe. Womöglich schnüffeln erneut neugierige Polizisten auf dem in Louisiana angesiedelten Gelände der Familie herum, weshalb diese also wütend die Szene verlässt und mir damit die Chance gibt, mich zu befreien und mein elendiges Schicksal zu verändern.

Weil ich als Ethan wirklich kein Interesse habe, selbst zum Futter für die Baker-Familie zu werden, ist es als Spieler meine erste Aufgabe, aus ihrem „Main House“ zu entkommen. Dieses Haus dient als einer der großen mehrstöckigen, verwinkelten und mit Geheimgängen versehenen Schauplätze für Resident Evil 7 und ist direkt ein gutes Beispiel für die dichte Atmosphäre im Spiel. Hier ein Lichtschein, der beim Erkunden durchs Fenster einfällt. Dort ein total verwüstetes oder von seltsamen Pflanzen überwuchertes Zimmer. Viel des unheimlichen Szenarios im neuen Resi geht zurück auf die alltäglichen Dinge, die verfremdet oder in ein anderes Licht gerückt wurden, um mir effektiv ein mulmiges Gefühl zu geben. Das wirkt und setzt erste Akzente für klassischen, unheimlich spannenden Horror statt überzogenes Action-Jumpscare-Geballer.

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Hier, Piggy Piggy

Mein Fluchtversuch wird mir aber natürlich nicht ganz so leicht gemacht – und hier zeigt Resident Evil 7 große und gut balancierte Exzellenz, die das Horrorspiel von vielen Genre-Kollegen absetzt: Statt mich an jeder Ecke mit einem Monster zu bewerfen und irgendwann kalkulierbar zu werden, setzt das Spiel die unangenehmen Familienmitglieder der Bakers als wichtigste Gegner ein und weiß so dauerhaft unvorhersehbar – sprich: unheimlich – zu bleiben.

Alle Geheimnisse aus der Beginning-Hour-Demo!

Wenn Jack Baker durch das Haus schleift und mich mit lauten „Wo bist du?“- und „Hier, Piggy Piggy!“-Rufen im Südstaaten-Dialekt sucht, dann löst das ein (im positivsten Sinne) ekelhaftes Gefühl des Verfolgtwerdens aus. Weil oft aber gar nichts passiert, wenn ich um die Ecke eines verwinkelten Flurs biege, sind die Szenen, in denen Jack dann doch mit hämischem Grinsen und Schaufel plötzlich vor mir steht, umso intensiver. Zur Wehr setzen ist erlaubt und in Maßen hilfreich; da Jack aber bis zum Tod auf Ethan einprügelt, ist es manchmal sinnvoller, die Beine in die Hand zu nehmen und sich ein schattiges Plätzchen zu suchen, an dem Du nicht gefunden werden kannst.

Doch selbst im vermeintlichen Versteck wirst Du das aufgeregte Herzklopfen nur schwer los – denn die Baker-Familie ist schlauer als sie aussieht. Noch dazu hat sie eine gewisse Eigenheit, die den besonderen Terror von Resident Evil 7 verstärkt: Sie lässt sich nicht töten. Mit Waffenkraft oder Trickserei wirst Du die einzelnen Mitglieder außer Gefecht setzen können, klar. Nach einer kurzen Zeit werden sie aber wieder aufstehen und Dir das Entkommen und Entdecken erneut zur Hölle machen. Dieses „Katz und Maus“-Spiel, das teils in extrem blutigen Szenen endet, über die ganze Spielzeit bedrohlich bleibt und gutes Ressourcen-Management mit gecrafteten Gegenständen und begrenztem Inventarplatz voraussetzt, ist wahrlich unangenehmer Horror, der im Gedächtnis bleibt.

Kleine Erfolgsmomente gibt es für Ethan dennoch: Die Mitglieder der Baker-Familie dienen nicht nur als reguläre Gegner, sondern auch als ortsgebundene Boss-Gegner. Führt mich die Geschichte von einem in das nächste Haus, so wechselt auch das Familienmitglied und somit dessen Strategie, mich zu plätten. Zuvor treten wir der Person aber in einem umfangreichen und recht herausfordernden Kampf entgegen, in welchem wir sie jeweils final zur Strecke bringen. Ob sie danach wirklich nicht mehr aufstehen kann, ist jedoch fraglich. Das jeweilige Haus lässt sich nun zwar ohne Bedrohung erkunden; ob und inwiefern Jack und Marguerite (welche ich in der Demo beide „besiegt“ habe) wieder auftauchen, ist ungewiss.

Die neuen Gameplay-Videos zu Resi 7 von mir kommentiert:

Einen Daumen hoch gibt es an dieser Stelle auf jeden Fall auch für das gute Balancing, das für einen Kampf sorgt, der knackig ist, aber stets fair bleibt: Die Munition, die ich während des Bosskampfs in einer Kiste finde, richtet sich immer daran aus, was ich in den Kampf mitbringe oder nicht mitbringe. Außerdem darf ich die Situation auf meine eigene Weise angehen. Während mein Kollege Jo von Spieletipps eine ganz andere Strategie fuhr, duckte ich mich vor Jacks Attacken und messerte ihn anschließend einfach zu Boden. Dass dieser ungleiche Kampf funktionierte, war eine schöne Erkenntnis.

Ein variables Skript auf hohem Niveau

Was Resident Evil 7 besonders spielenswert und trotz klassischem Horror irgendwie frisch macht, ist vor allem sein semi-geskripteter Ansatz: Begegne ich Jack zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Ecke des Hauses, sehe ich Szenen, die mir sonst verwehrt bleiben. Brauche ich in einem Kampf zu lang für einen gewissen Lösungsweg, kommt mir Jack mit einem anderen Ausweg zuvor. Der nette Nebeneffekt: Das neue Resi schafft durch diese Trigger-Punkte, konstant ein spannendes Erzähltempo zu halten. Wichtiger noch: Auf diese Weise gestalte ich unbewusst meine ganz eigene Resident-Evil-Erfahrung, die sich in ihren Details von denen meiner Freunde unterscheiden wird.

Was sich natürlich nicht unterscheidet, ist die Rahmenhandlung von Resident Evil 7, die ich Dir hier gewiss nicht spoilern werde. Nur so viel: Die Mitglieder der Baker-Familie sind nicht bloß Deine schlimmsten Gegner, sondern dienen selbstredend auch als Hauptfiguren der Geschichte. Diverse Gegenstände, die im Haus zu finden sind – wie ein Foto der Familie mit zwei Kindern oder eine Notiz eines Arztes an Marguerite – machen neugierig auf den Grund, warum die Familie so ist wie sie Dir erscheint. Das ist allerdings eher Beiwerk für die, die auch wirklich jeden Winkel absuchen. Primär wirst Du nämlich anders durch die Story geführt: Immer wieder erreichen Dich Anrufe einer mysteriösen Person, die Dir wichtige Hinweise gibt und den Verlauf der Handlung maßgeblich antreibt.

Mysterien und Rätsel

Typisch Horrorspiel bleibt das nicht das einzige Mysterium. Im Laufe des Spiels stelle ich mir diverse Fragen: Warum ist Jack so fasziniert von meinem Arm, an dem ich die angeblich so wichtige Smartwatch (die übrigens auch meinen Gesundheitszustand vage anzeigt) trage? Warum taucht die alte Frau im Rollstuhl stetig an anderen Stellen des Hauses auf, an die sie offensichtlich ohne Hilfe nicht kommen konnte? Und warum sagt sie nie etwas?

Immerhin kann ich mir die Bedeutung einer anderen Sache erschließen, weil ich die Vorlage aus der Demo kenne: Die spielbaren Video-Kassetten sind zurück. Sie geben einen Einblick in kommende Areale und schalten den Zugang zu diesen frei. In der Hands-on-Sequenz finde ich eines dieser Videos, worin ich vor Mutter Marguerite flüchten muss, um anschließend Zugang zum „Old House“ samt Gärtnerei zu erhalten. Ein drittes Haus, das ich auf dem waldreichen Grundstück erkennen kann, bleibt in meiner Demo-Zeit jedoch verschlossen. Dafür darf ich allerdings einen Blick in den Wohnwagen werfen, der zwischen den drei Häusern steht und als einer von wenigen Speicherräumen gilt. Dort kann ich in der Regel – zusätzlich zu fair gesetzten automatischen Speicherpunkten – meinen Fortschritt sichern und nützliche Gegenstände finden. Der Wohnwagen verfügt hingegen noch über erweiterte Möglichkeiten: Er dient mir in diesem Teil der Geschichte als zentraler Hub, in dem ich gefundene Videos abspielen, sowie im Tausch gegen Antike Münzen Upgrades oder eine bessere Waffe kaufen kann.

Beides kann ich vor allem im direkten Treffen mit den anderen Fieslingen des Spiels gut gebrauchen: Dazu zählen unter anderem (teils wegversperrende) Insekten, wie auch die im Teaser-Video bereits sichtbaren Wesen namens „Molded“ (was im Deutschen „Geformte“ bedeutet). Was dort wie eine Schattengestalt aussah, ist in Wirklichkeit mehr von diesem mysteriösen Zeug, welches das Grundstück der Familie überwuchert, nur eben in lebendiger Form. Als Kontrapunkt zu den Bakers dürfen diese recht hartnäckigen (und storyrelevanten!) Gegner vollständig von Dir erledigt werden.

Verdammte Axt

Die Videos, den Wohnwagen, die hilfreichen Upgrades, einen neuen Telefonanruf... all das erreiche ich in Resident Evil 7 nur dann, wenn ich mir den Weg dahin gebahnt habe. Und da reicht es keineswegs, nur vor Jack und Marguerite zu fliehen. Die Türen in einem Resi-Game stehen niemals einfach offen. Um als Ethan den Fängen der Familie zu entkommen, die in den letzten zwei Jahren womöglich mehr als 20 Menschen auf dem Gewissen hat, muss ich diverse Gegenstände finden, Schattenrätsel lösen und Tierschlüssel nutzen, um die (geheimen) Bereiche des Hauses zu navigieren. Einige Türen bleiben länger verschlossen – den passenden Tierschlüssel finde ich erst später im Spiel.

Besonders bei den Puzzles ist Teil 7 wieder so klassisch wie es damals Teil 1 war: Das Spiel hält mir richtig gern die Karotte vor die Nase. Es zeigt mir was ich haben möchte, nur um es mir direkt wieder vor der Nase wegzuschnappen. Hier sind dann meine Fähigkeiten gefragt, mir aus der scheinbar aussichtslosen Situation herauszuhelfen.

Zur Freude aller Demo-Fans gibt es auch sonst viel zu entdecken, sei es in Form von zu zerstörenden Wackelkopf-Figuren namens Mr. Everywhere, oder durch zahllose Gegenstände, die Hinweise auf die Geschichte von Resident Evil 7 und den Kontext des Spiels innerhalb des Resi-Universums geben. Du kannst Dir also sicher sein, dass es nach Release des Spiels wieder einige Dummy-Finger-Momente geben wird, die in den Weiten des Internets besprochen werden wollen.

Resident Evil 7 für PlayStation VR: Was taugt's? Resident Evil 7 wird komplett in VR spielbar sein – bei der Umsetzung handelt es sich tatsächlich um eins zu eins das gleiche Spiel, das ohne die PlayStation-VR-Brille gezockt wird. Die Möglichkeit, die Kamera nicht nur smooth einzustellen, sondern auch im Winkel von wahlweise 30, 45 oder 90 Grad steuern zu können, half mir persönlich massiv gegen meine Motion Sickness. Etwas Vorsicht ist trotzdem angesagt: Resident Evil 7 ist teilweise massiv ekelhaft. Wenn sich Dir leicht der Magen umdreht, solltest Du lieber von der immersiven Erfahrung absehen.

Mein Vorschau-Fazit zu Resident Evil 7

Fünf Stunden mit Resident Evil 7 und ich großer Angsthase bin maßlos begeistert. Das liegt vor allem an dem ausgefeilten Leveldesign, das von der dichten Atmosphäre der gruseligen Häuser nur unterstützt wird. Die bewusste Entscheidung, mir die spannende Baker-Familie als Gegner vorzusetzen und sie gleichzeitig sinnvoll in die neugierig machende und gut erzählte Geschichte einzuweben, trägt ebenfalls maßgeblich dazu bei. Ganz zu schweigen von den semi-geskripteten Momenten, die überraschen und Vielfalt bieten.

Billige Jumpscares suchst Du im neuen Resi vergeblich – das Spiel macht alles richtig und vermittelt Dir lieber durchweg ein unangenehmes, bedrohliches Gefühl der Verzweiflung, weil Du Deine Verfolger einfach nicht ausschalten kannst.

Neue Screenshots zu Resident Evil 7:

Bildergalerie Resident Evil 7 - Neue Screenshots

Oben drauf gibt es viele viele schöne Details, die entdeckt werden wollen: Von Kleinigkeiten in der Charakteranimation, welche die Atmosphäre zusätzlich anheben, bis zu Gegenständen, die Geschichte und Setting in einen Kontext setzen. Hier stimmt alles, und die Fläche für wirkliche Kritikpunkte (MIR FÄLLT EHRLICH KEINER EIN!) ist mächtig dünn.

Lieber Resi-Fan: Wenn Du das fiese „Katz und Maus“-Spiel von einem Jack Baker bekommen kannst, der oft an Horror-Klassiker wie The Shining und The Texas Chainsaw Massacre erinnert, wirst Du bald nicht mehr um die Abwesenheit von einem Leon S. Kennedy weinen müssen. Vertrau mir: Resident Evil 7 ist genau das Horrorspiel, das wir gebraucht haben.

Resident Evil 7 erscheint am 24. Januar 2017 für Xbox One, PS4 und PC.

Weitere Themen: E3 2016, Capcom

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