Ist Resident Evil wirklich noch Survival-Horror oder nur noch Action-Shooter? Der Trailer zum sechsten Teil hat diese Diskussion erneut angestoßen. Eine Frage, die sich  bei Operation Raccoon City allerdings recht schnell erübrigt, denn Capcom hat das Studio „Slant Six Games“ mit der Entwicklung beauftragt und die könnten mit ihrer Vergangenheit als Entwickler dreier SOCOM-Spiele nicht weiter vom Horror-Genre entfernt sein.

Resident Evil - Operation Raccoon City Vorschau: Erschreckend 08/15

„Operation Raccoon City“ spielt zeitlich während des Virenausbruchs in „Resident Evil 2 & 3“. Ihr dürft euch also auf ein Wiedersehen mit altbekannten Helden freuen, die sich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch in der Stadt aufhalten.  Dieses Mal sollt ihr sie allerdings nicht beschützen oder mit ihnen eine etwaige Verschwörung aufdecken. Stattdessen seid ihr auf der Seite der bösen Jungs und wählt  zwischen sechs verschiedenen Soldaten, die als Teil des Umbrella Security Service Beweise und Überlebende gleichermaßen „verschwinden“ lassen sollen.

Jede der sechs Figuren hat ihre eigenen Stärken und Schwächen – manche halten mehr aus und bewegen sich dafür nur sehr träge, andere sind flink und liegen dafür schneller am Boden. Die Kampagne lässt sich mit bis zu vier Spielern gleichzeitig spielen. Im Idealfall stimmt ihr eure Charakterwahl also so aufeinander ab, dass für jede Spiel-Situation die richtige Figur parat steht.

Ihr habt es nämlich nicht nur mit Zombies zu tun, sondern liefert euch obendrein noch heftige Gefechte mit den Überlebenden und der Polizei von Raccoon City. Mit einem reduzierten und bisweilen recht gemächlichen Steuerungskonzept, wie es uns von Capcom noch in Resident Evil 5 vorgelegt wurde, kommt man im Shooter-Segment natürlich nicht sehr weit. Deshalb steuert ihr euren Soldaten nun wie in jedem anderen Third-Person-Shooter auch – inklusive Deckungssystem.

Diesbezüglich hatte ich bei der Preview-Version allerdings noch mit einigen Problemen zu kämpfen. Ihr duckt euch automatisch hinter eine Mauer, wenn ihr den Stick kurze Zeit dorthin haltet, so wie es etwa auch beim ersten Teil der Mass Effect-Reihe war. Das führt sehr oft dazu, dass euer Charakter in Deckung geht, obwohl ihr eigentlich nur daran vorbeilaufen wolltet. Andere Wände wollten mir trotz meiner Steuerungseingaben partout  keinen Schutz gewähren. Schaffte ich es dann doch mal so in Deckung zu gehen, wie ich es eigentlich geplant hatte, wurde ich bisweilen dennoch getroffen, weil der Kopf des Charakters noch leicht über die Deckung hinausragte. Hier muss „Slant Six Games“ definitiv noch Hand anlegen.

Zusätzlich zu den Zombies und Soldaten stellen sich euch dann noch altbekannte Mutanten wie die Hunter, Tyrants und hin und wieder sogar Nemesis in den Weg. Im schlechtesten Falle treffen alle Fraktionen gleichzeitig aufeinander und es gilt die Situation richtig auszunutzen. Hilfreich dabei sind die Spezialfähigkeiten der einzelnen Figuren, mit denen sie etwa einen Zombie oder Mutanten kontrollieren und auf ihre Gegner hetzen oder ihre Waffe mit explodierender Munition befüllen können.

Das sind alles Features, die sich auf dem Papier sehr spannend anhören, in meinen Probestunden aber kaum überzeugen konnten. Zu schwammig war das Ziel-, zu unsauber das Deckungssystem. Dazu kommt noch, dass die Überlebenden und Polizisten nicht über viel mehr Intelligenz als die dämlichen Untoten zu verfügen scheinen, bleiben sie doch auch unter Dauerbeschuss einfach stur auf ihrer Position sitzen.

„Operation Raccoon City“ leidet darunter, dass  es außer dem Namen und der ein oder anderen Erwähnung und Mitwirkung der Helden vergangener Spiele nichts mehr mit „Resident Evil“ gemein hat. Die Abkehr von der Serien-Tradition muss erst einmal nichts Schlechtes bedeuten, doch für ein selbstbewusstes Spin-off fehlt es dem Titel derzeit schlichtweg an Qualität und eigenen Merkmalen.  Selbst das wohlbekannte Raccoon City wirkt aufgrund der eintönigen Farbgebung sehr beliebig und lässt Wiedererkennungsmerkmale vermissen. Währenddessen spielt es sich wie ein ungelenkes „Gears of War“ mit trister Grafik und eingebauten Schlüsselkartenrätseln (auf die wollten die Kanadier dann doch nicht verzichten).

„Operation Raccon City“ setzt sich zielgenau zwischen die Stühle. Ein Horrorspiel versucht es gar nicht erst zu sein, mit den Großen im Genre der Third-Person-Shooter kann es aber auch nicht so recht mithalten. So bleibt als schlagendes Verkaufsargument vor allen Dingen die Versprechung, dass ihr die verpixelten 2D-Landschaften aus Playstation-Zeiten nun hochaufgelöst und in 3D zu sehen bekommt.

Fazit:

Für die Marke „Resident Evil“ wird „Operation Raccoon City“ ganz sicher nicht der große Wurf. Mit ein paar Verbesserungen bei der Steuerung und dem Deckungssystem könnte aber immerhin ein gefälliger Shooter für all diejenigen rausspringen, die unbedingt neues Resi-Futter brauchen. „Resident Evil“-Fans, die „Gears of War“ und co. nicht ganz abgeneigt sind, dürfen sich den Releasetermin am 23. März auf Xbox 360 und Playstation 3 also durchaus vormerken – der Rest darf dieses halbherzige Unterfangen getrost von der Watchlist streichen. Viel verpassen wird man hier vermutlich nicht.

Ersteindruck: Geht so

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