Ico, Journey, The Witness, Brothers: Tale of Two Sons. Diese Titel sind es, mit denen RiME sich Vergleiche gefallen lassen musste, als es 2013 enthüllt wurde. Dabei besitzt das neue Spiel des spanischen Entwicklerstudios Tequila Works eine eigene Identität und weiß Dich mit Melancholie zu berühren, wie kaum ein anderes Spiel derzeit.

Keine Zeit für den gesamten Test? Ganz unten findest Du eine Zusammenfassung!

RiME - Launch Trailer | PS4
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Vom Meer an die Küste gespült. Umgeben vom harten Sand, gelb-gebleichten Grasfeldern, mächtigen Felsen und klarem Wasser ist wohl abgesehen von Möwen und Krebsen nichts und niemand auf dieser Insel, der mir helfen kann. Einsamkeit. Laufen. Schwimmen. Klettern. Ein Turm! Vier Statuen leuchten in den Himmel. Einsamkeit?

RiME zieht Dich sofort in den Bann. Es gibt keine Tutorials, keine ausufernde Exposition – Du wirst sofort ins kalte Wasser geworfen. Auf Deiner Reise bietet RiME immens viel Raum zur Interpretation, denn eine kontrete Auflösung erfährst Du erst zum Schluss. Die mysteriöse Geschichte wird ausschließlich durch Bilder, Laute und die Spielwelt selbst vermittelt. Wie nur wenige Spiele versteht es das kleine Studio, seine Spieler emotional zu berühren. Ohne Worte.

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Licht und Dunkelheit

Rätsel in RiME drehen sich oft um Perspektiven, Klänge und – besonders relevant – Licht und Dunkelheit. Der Junge kann singen und schreien, jedoch nicht sprechen. Diese Aktionen sind es, mit denen die Welt in Bewegung gesetzt wird. Die meisten Aktionsmöglichkeiten sind türkis markiert. Da diese Markierungen clever in der Umgebung verschwinden, stören sie allerdings nicht. So werden Statuen erleuchtet, Türen geöffnet, Schalter und Lichtquellen aktiviert.

Nachdem ich das erste große Rätsel löse, erscheint ein Fuchs. Ehe ich zu ihm gehen kann, verschwindet er wieder, indem die Plattform unter ihm in die Lüfte ragt. Ich folge ihm. Laufen. Klettern. Laufen. Gefunden! Woher kommt der Kleine? Ich taste mich vorsichtig heran. Er scheint wenig Scheu zu haben. Die Begegnung ist geglückt. Sie scheint kein Zufall zu sein. Ich spüre eine Verbindung zwischen uns. Von nun an zeigt mir der Fuchs den Weg, wenn ich in dieser fremden Welt nicht weiter weiß.

Perspektiv-Rätsel hingegen können nur durch spezielle Plattformen gelöst werden. So musst Du von dort aus Goldfragmente so positionieren, dass sie die Form der versiegelten Tür oder anderer Objekte entsprechen, die aktiviert werden müssen, um weiterzukommen.

Darüberhinaus begegnest Du Rätseln, in denen Du den Tag-und-Nacht-Zyklus umstellst, um Schatten richtig zu positionieren.

Ein weiteres Erwachen. Von der am Strand wärmenden Sonne ist nichts mehr zu spüren. Entlang den kalten, steinigen Plattformen führt der Fuchs mich durch dunkle, enge Wege. Im Tageslicht angekommen verschiebe ich die Kugel so, dass der Schatten die Torumrisse bedeckt. Zwei Zeichen leuchten an der Wand auf. Rätsel gelöst? Doch nicht! Plötzlich taucht ein riesiger Vogel auf, der an einen Flugsaurier erinnert. Hilfe! Diese von Windmühlen und Ruhe geprägte Insel ist also doch gefährlich. Ich laufe. Und laufe. Abgestürzt.

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Melancholie und magischer Flow

In RiME gibt es allerdings kein Kampfsystem (dadurch auch kein Levelsystem) und damit kein direktes Duell mit dem Gegner. Der Riesenvogel kann also nicht per Kampf besiegt werden. Stattdessen begibst Du Dich unter bedachte Felsformationen und im Wasser in Sicherheit, ehe die patrouillierende, jagende Bestie Dich ergreifen kann. Du verschiebst und ziehst Blöcke, denn um den Vogel zu überwältigen gilt es, die Umwelt gegen ihn einzusetzen.

Ich lebe noch. Als ich einen steinigen Block aus der Windmühle ziehe, wird sie von einer schwarzen Wolke umhüllt. Nicht nur Sonnenlicht, sondern auch der Vogel wird verdrängt. Endlich wieder Freiheit, denn jetzt kann die nun triste, dunkle Welt wieder frei erforscht werden. Plötzlich tauchen mysteriöse Figuren mit schwarzen Kapuzen auf. Doch sie ziehen sich in Angst zurück, sobald ich mich ihnen nähere. Sicher fühle ich mich trotzdem nicht.

RiME erzählt keine Geschichte zwischen Gut und Böse. Es stellt Dir stattdessen die Frage, in was für einer Welt Du Dich befindest und welche Regeln in ihr herrschen. Die Welt wird wie ein Kind erkundet. Woran orientierst Du Dich? Wie interagierst Du mit Elementen? Welchen Bezug haben Kreaturen und Gestalten, auf die Du triffst? Sobald Du denkst, die neuen Regeln gelernt zu haben, wirst Du mit neuen konfrontiert. Das geschieht so instinktiv, dass Du selten wirklich lange an einem Rätsel haderst.

Darüberhinaus sind Rückzugspunkte fair und Kletterpassagen dank guter Steuerung nicht sonderlich schwer zu meistern. Das ist wenig herausfordernd, schadet dem Spiel aber in keinster Weise, da Du infolgedessen eine magische Reise erlebst, die Dich stets mit der richtigen Geschwindigkeit treiben lässt. Diese Dramaturgie wird mit richtigem Timing durch den melancholischen, ausgezeichneten Soundtrack gesteigert. Wunderschöne Klänge untermalen die träumerische Atmosphäre, während bedeutsame Momente mit einem Crescendo verstärkt werden. Gepaart mit der passenden Geräuschkulisse wird die Musik eins mit der Spielwelt.

Fast perfekt

Schummrige Kavernen, überwucherte Ruinen, überflutete Bereiche, rätselhafte Windmühlen… Dank vielfältiger Elemente werden die vier Abschnitte in RiME nie langweilig. Auf Deinem Pfad entdeckst Du außerdem zahlreiche gut versteckte Wege und Räume mit Sammelgegenständen wie Puppen, Musikschnipsel oder Artworks, die Du Dir im Menü ansehen kannst. Jeglicher Schauplatz ist dank der abstrahierten Optik mit all seinen Farben und Formen sowie Lichtstimmung und Ausschmückung ein Genuss fürs Auge. Farbschemata und Stimmungen werden geschickt variiert. Ästhetisch ist RiME eines der stilstärksten Spiele der letzten Jahre.

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In der Inszenierung und Optik ist dem Spiel der spanischen Entwickler also wenig vorzuwerfen. Jedoch hat RiME an wenigen Stellen mit Framerate-Einbrüchen der sonst laufenden 30 Bildern pro Sekunde auf der PlayStation 4 zu kämpfen, durch die teilweise etwas Atmosphäre verloren geht. Wichtige Szenen wie Zwischensequenzen bleiben davon allerdings unberührt. Bist Du am Ende angelangt, hast Du eine einzigartige, von Melancholie angetriebene Reise erlebt.

Auf meiner Reise durch fremde Umgebungen rätselte ich über mysteriöse Fragmente und traf auf geheimnisvolle Gestalten. Einige wurden zu Verbündete, einige zu Feinden. Es ist Zeit, der Melancholie zu entkommen. Abschied.

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Zusammenfassung und Fazit

RiME reiht sich in die Geschichte der ganz besonderen Videospiele ein. Die Gestaltung der Spielwelt verbunden mit der stilisierten Grafik ist herausragend. Jeder der insgesamt vier großen Spielabschnitte bietet ein einzigartiges Setting und viel Abwechslung. Die zu Beginn offene Spielwelt wird zunehmend linearer, wodurch sowohl Dramaturgie, als auch das Gameplay nie träge werden. Du wirst wenig an die Hand genommen, Rätsel löst Du instinktiv. Die mysteriöse Geschichte bietet viel Raum zur Interpretation, ehe sie Dir erst in der Auflösung den Boden unter den Füßen wegzieht. Dabei kommt Entwickler Tequila Works nicht nur ohne Kampf- und Levelsystem, sondern auch ohne Worte aus. Eine Meisterleistung!

RiME wird Dir gefallen, wenn Du: Spiele wie ICO und Journey faszinierend findest, einzigartige Art Designs suchst, Dich auf eine verträumt-melancholische Stimmung einlassen kannst

RiME wird Dir nicht gefallen, wenn Du: spielerische Herausforderung suchst, nicht auf Dialoge verzichten kannst, auf die Auflösung einer kryptischen Handlung nicht bis zum Schluss warten kannst

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