Rio - Filmkritik: Like Ice Age in the sunshine

Leserbeitrag

Es war einmal…eine dreiteilige Animationsreihe namens “Ice Age”, die so viel Schotter einspielte, dass die dort zugrunde gelegte Erfolgsformel unbedingt wiederholt werden musste. Statt schlotterigen Minustemperaturen ist diesmal Badehosenwetter angesagt, die Eiszeit plus ihre Bewohner werden zu aktuellen Vögeln und ansonsten…bleibt eigentlich alles beim Alten. Das Motto bei “Rio” lautet unübersehbar “never change a winning team”, was letztendlich auch niemand wirklich möchte.

Rio - Filmkritik: Like Ice Age in the sunshine

Wenn ein Film so viel Spaß macht wie hier, verzeiht man ihm selbst die nach Schema F zusammengehämmerte Fertigbauweise. Ganz ähnlich wie bei “Madagaskar” steht auch hier ein domestiziertes Tier im Mittelpunkt, das auf einmal das “richtige” Leben kennenlernt. Der Vogel Blu (Nachname: Ray?) ist passionierter Nichtflieger und wird nach Rio gekarrt, um das letzte weibliche Exemplar seiner Art zu begatten. Natürlich können sich die beiden zunächst nicht ausstehen, natürlich müssen zusammen diverse Abenteuer bestanden werden und natürlich ist am Ende alles bereit für heißen Vogelsex. In Rio kommt man nun mal schneller zur Sache, weil doch gerade Karneval und alles so schön bunt ist. Das Samba-Happy End steigt hier zu Autotune-Gefiepe und die drolligen Sidekicks sorgen nochmal für ein allerletztes Hoppala.


Das komplette Handlungsgerüst von “Rio” ist so vorhersehbar wie Weihnachten und kopiert eine bewährte Mixtur, die sogar den Ablauf einzelner Szenen ehernen Animationsgesetzen unterwirft. Da gibt es die schusselige Hauptfigur mit einer Schwäche, die unter die Rubrik “glaub nur an dich, dann schaffst du es” fällt, die konträre, starke “Frau”, drollige Sidekicks, eine exotische Umgebung, das bemühte Zusammenschweissen der Protagonisten, das langsam einsetzende Näherkommen der beiden, atemlose Action (in 3D, gähn), pfiffige Dialoge plus Popkultur-Referenzen, und einen die Handlung antreibenden Bösewicht, von dem niemals wirkliche Gefahr ausgeht.

Kommt das alles bekannt vor? Aber natürlich tut es das. Weil diese Formel nämlich alle großen Animationsfilme eint, mit der Ausnahme von Pixar, und darüber dann gewisse Erwartungen erfüllt werden, die lediglich über die Art der Kleider und den Schwung der Umsetzung zu unterscheiden sind. Wie aufwendig ist die Animation, wie lustig sind die Sprüche und wie moralisierend ist die positive Botschaft? Der Grad der Unterhaltung basiert bei solchen Filmen immer auf einer berieselnden Vertrautheit, die dann im besten Fall zu einer unterhaltsamen Sause wird, deren positive Vibes auch noch in der nächsten Spielzeugabteilung nachwirken können.

So ganz ohne Zynismus kann man “Rio” eigentlich unmöglich gegenüber treten, doch letztendlich läuft hier glücklicherweise der Film als Sieger vom Feld. Regisseur Carlos Saldanha, der zuvor alle drei “Ice Age” Filme betreut hat, ist einfach ein erprobtes Ass, was die richtige Dosierung der einzelnen Elemente angeht, und mixt daraus formidable Unterhaltung, die dem Mythos “Familienfilm” tatsächlich ziemlich nahe kommt. “Rio” ist witzig und schwungvoll, hat liebenswerte Charaktere und knallige Farben, und wird selbst am Ende nicht allzu belehrend. Die 3D-Effekte sind natürlich mal wieder entbehrlich, doch ansonsten ist schlechte Laune überhaupt keine Option. Genau so wird ein Hit geplant, und selbst wenn man das alles sowas von durchschaut, ist man trotzdem ständig am Kichern. Okay okay, Hollywood, du hast gewonnen – für dieses Mal.

Fazit
“Rio” ist ein durch und durch formelhafter Reißbrett-Film, der mal wieder vermenschlichte Tiere auf ein großes Abenteuer schickt und trotz allem Genöle über unoriginelle Konditionierung als super Unterhaltung durchgeht. Die Mischung der erprobten Zutaten trifft genau die richtige Dosierung, so dass am Ende unweigerlich ein breites Grinsen im Gesicht steht. “Rio” ist auf jeden Fall auf Augenhöhe mit “Ice Age” und “Madagaskar”, und schneidet auch besser ab als die aktuelle Konkurrenz namens “Rango” (zu schräg) und “Hop” (zu lahm). Auf auf ins Kino, denn da wartet eine super produzierte Ostersause mit knuffigen Tieren, die große Augen und ein lockeres Mundwerk haben!

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