Risen 2 E3 Vorschau - Ein Königreich für eine gute Story

Tobias Heidemann
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"Risen" war ein tolles Rollenspiel. Mit dem Schiffbruch auf der Insel Faranga entließ uns Pyranha Bytes wieder einmal in eine wunderschöne, von Hand gebaute Spielwelt, deren Schauplätze sich tief in das kollektive Gedächtnis der anspruchsvollen Rollenspieler gruben. Um so ärgerlicher, dass die Handlung dafür ausgemachter Mist war, an den sich kaum jemand erinnert. Mit "Risen 2: Dark Waters" könnte sich das ändern, denn Piraten sind alles mögliche – nur nicht langweilig.

Risen 2 E3 Vorschau - Ein Königreich für eine gute Story

Auf der gigantischen Leinwand eines Berliner Nobelhotels laufen die letzten Sekunden des CGI-Trailers. “Risen 2: Dark Waters setzt die Handlung aus dem ersten Teil fort”, erklärt uns Projektleiter Björn Pankratz. Im sachlichen Schnelldurchlauf rekapituliert er für uns noch einmal die wichtigsten Geschehnisse, die die Spieler in Gestalt des Namenlosen auf der Insel Faranga bisher erleben konnten. Auch wenn seine Ausführungen zu der “Inquisition” und den “Titanen” bei uns den einen oder anderen Gedächtnisgroschen fallen lassen – einen Großteil der Story aus “Risen” haben wir schlicht und einfach vergessen. Der versteckte Schatz in der Hafenstadt, ok – an den können wir uns ohne Weiteres erinnern, aber die Handlung im vierten Akt? Fehlanzeige. Komisch.

Wenn man genauer darüber nachdenkt, dann gibt es allerdings gute Gründe für die Gedächtnislücken. Die Story von “Risen” war schwach inszeniert. Sie hinterließ kaum Spuren, bot keine großen Momente oder tragische Schicksalsentscheidungen. Im Vergleich zu der emotionalen Wucht eines “Dragon Age” oder den moralischen Heimtücken eines “Witchers”, war Pyranha Bytes’ Erzählung um den gestrandeten Nobody ein furztrocken serviertes Flickwerk aus altbackenen Quest-Mühlen und klischeehaften Charakteren.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Das Seltsame ist: Wir haben “Risen” trotzdem als ein sehr gutes Rollenspiel in Erinnerung. Woran liegt das? Wie kann ein Spiel, das seine hauchdünne Story so schlecht verpackt, trotzdem so gut funktionieren?

Vielleicht liegt es ja genau daran, dass wir problemlos den Schatz in der Hafenstadt ausbuddeln könnten. Würde man uns bitten eine Karte des Banditenlagers auf der Insel Faranga zu zeichnen, wäre sicher auch das kein Problem. Der schmale Holzsteg, das Sumpfgebiet, der hilfreiche Jäger Doug, der mürrische Riccardo am Eingang zum Camp – alles irgendwie noch da. Der finale Bosskampf mit dem Titanen ist wahrscheinlich für immer aus dem Spielegedächtnis gelöscht, aber die kleine Höhle im Sumpfgebiet würden wir sofort finden; und das Bemerkenswerte ist: Auch an die Schauplätze der “Gothic”-Reihe können wir uns noch gut erinnern.


Seit Jahren verzeihen wir den Machern des deutschen Vorzeige-Rollenspiels ihr narratives Unvermögen, weil wir dafür etwas anderes bekommen: Eine liebevoll von Hand designte Spielwelt, die für Entdeckungslustige auch in den abgelegensten Winkeln noch kleine Geheimnisse bereithält.

Es sind diese erinnerungswürdigen Details, die glaubwürdigen, offenen Landschaften, die fließend ineinander übergehen, die die Spielwelten von den Pyranha Bytes Entwicklern so einmalig machen und uns Spieler so nachsichtig. Doch für wie lange noch?

Die authentischen Natur- und Alltagswelten mögen den Fans in der Vergangenheit gereicht haben – die Konkurrenz schläft aber nicht. Rollenspiele werden immer kinoreiferer inszeniert, haben namhaften Autoren im Team und fesseln uns geschickt mit emotionalen Bindungen an NPCs und Spielercharaktere. Für “Risen 2″ sollte Pyranha Bytes also unbedingt die Handlungsschrauben nachziehen, sonst fällt das 2009 noch als “schön altmodisch” gelabelte Rollenspiel vollkommen aus der Zeit.


Wir achten also sehr genau darauf, was uns Björn Pankratz und der Deep Silver Brandmanager Daniel Oberlerchner beim Presseevent in Berlin diesbezüglich zu sagen haben. Oder besser gesagt, was sie uns nicht zu sagen haben, denn leider kommen uns die Begriffe Handlung und Inszenierung in der vorgestellten Verbesserungsliste noch etwas zu kurz. Verbesserte Animationen, überarbeitetes Rüstungssystem, plastischeres Bumpmapping – alles schön und gut. Aber was ist mit der Story?

Weitere Themen: E3, Risen 2: Dark Waters Demo, Risen, Deep Silver

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