Murdoch als iPad-Gift?

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Wenn es einen Hauptverantwortlichen für den Niedergang der Presse gibt, dann heißt dieser Rupert Murdoch. Wie kein anderer verknüpfte Murdoch Medien mit knallhartem Kommerz und unverblümter Propaganda als Mittel zum Zweck. Und wenn ausgerechnet dieser Murdoch mit großem Brimborium eine iPad-Zeitung startet, dann könnte dies der ganzen Plattform schaden.

Schon die ersten Reaktionen auf den Start von „The Daily“ polarisieren: „Ich bin seit dem 2c ein Apple Anwender, meine Familie und ich haben mindestens 25 Macs und eine Menge anderer Apple-Produkte besessen, aber ich denke, es ist nun an der Zeit, getrennte Wege zu gehen“, heißt es im Forum von AppleInsider. „Er ist die schlimmste Form eines Medienmoguls. Er benutzt Zeitungen und Fernsehsender zur Beeinflussung nationaler Wahlen und unterstützt unsere gewählten Politiker dann derart, dass sie ihm schließlich geben, was er will“, wird von anderer Seite aus ergänzt, bis sich schließlich mit dem Kommentar „Hoffentlich wird das ein willkommener frischer Wind, verglichen zur linken faschistischen Regierungspropaganda, die von so vielen Mainstream-Medien mitgetragen wird“ der erste Murdoch-Anhänger äußert.

Murdoch, Sohn eines australischen Verlegers, begann die Aktivitäten des elterlichen Unternehmens schon in den späten Sechzigern zu internationalisieren und schreckte dabei auch vor drastischen Schritten nicht zurück. Um möglichst schnell und ungehindert expandieren zu können, passte er die Inhalte seiner Medien jenen Politikern an, die ihm spätere Unterstützung zusagten und tat inmitten der australischen, britischen und US-amerikanischen Presselandschaft in etwa das, was Margaret Hilda Thatcher mit Großbritannien gemacht hatte. Zurück blieb eine Medienarmee, deren Waffen eine gefährliche Pulvermischung aus patriotischem Lärm und Missionarismus verwenden. Ausgerechnet dieser Murdoch möchte nun mit seinem iPad-Blatt „The Daily“ einen neuen Nebenkriegsschauplatz eröffnen.

Dass Murdoch über die entsprechenden Mittel verfügt, auch große und langwierige Verluste hinzunehmen, kann derzeit in Deutschland bei der Pay-TV-Geldvernichtungsmaschine DF1/Premiere/Sky beobachtet werden. Was Leo Kirch in den Ruin trieb, ist für Murdoch noch lange nicht abschreckend genug, um es nicht doch noch einmal zu versuchen. Und er kann einige Erfolge vorweisen, denn laut Businessweek dominieren seine Bezahlsender bislang Großbritannien, Italien, weite Teile Asiens und des Nahen Ostens. Er veröffentlicht weltweit 175 Zeitungen, darunter das britische Traditionsblatt „The Times“ sowie die rechtspopulistische Kampfpostille „New York Post“, ist Inhaber des Filmstudios Twentieth Century Fox und nach Erlangung der US-Staatsbürgerschaft im Jahre 1989 auch Fox Network und 35 TV-Sendern, die 40 Prozent der US-Bevölkerung erreichen. Dort verfolgt Murdoch, der in seinen jungen Jahren Mitglied der britischen Arbeiterpartei war, einen knallharten nationalkonservativen Kurs, was vor allem durch die unverblümt tendenziöse Berichterstattung seines Nachrichtensenders Fox News zur Schau getragen wird.

Ist es aber wirklich nötig, dass ausgerechnet Apple die Rolle des Botschafters in einer solchen Sache übernimmt? Murdoch repräsentiert Profitmaximierung unter Missachtung aller gesellschaftlichen Folgen, die Beispiele dafür sind zahlreich. Schon zuvor hatte dies keinerlei positive Auswirkung auf die Presselandschaft, nun könnte das zum Dumping-Preis von 79 Cent wöchentlich startende 21-Millionen-Euro-Projekt mit seinen 150 Mitarbeitern sämtlichen finanziell schwächeren Konkurrenten den Start ins neue Medium deutlich erschweren. Sollte der iPad zur weiteren Etappe von „Murdoch gegen den Rest der Welt“ werden, wäre niemandem geholfen, weder Apple noch einem experimentierfreudigen und vom Journalismus vernachlässigtem Publikum.

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