Vorschau: Sacred 3 – Alles bleibt anders

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Als Ascaron im August 2009 nach langer Durststrecke letzten Endes doch die Segel streichen musste, war das für uns Spieler schlechte und gute Nachricht zugleich. Der Berliner Traditionsentwickler war nicht mehr, aber da man mit Deep Silver gleich einen neuen Rechteinhaber fand, schien zumindest die Marke „Sacred“ gesichert. „Sacred“ und sein schicker Nachfolger war eben eine der wenigen deutschen Spielemarken, die es über den großen Teich schafften und weltweit Erfolge feierten.

Vorschau: Sacred 3 – Alles bleibt anders

Jetzt, exakt drei Jahre später, erntet Koch Media die Früchte dieses Markendeals und präsentiert uns auf der Gamescom stolz, wie sie sich ein „Sacred“ im Jahr 2012 vorstellen. Und das, so müssen wir erschrocken feststellen, hat mit unserer Vorstellung davon nicht mehr allzu viel zu tun. Oder um es etwas konkreter zu sagen: Der Entwickler keen Games lässt bei der Neuinterpretation der Reihe keinen Stein auf dem anderen.

Was zunächst auffällt, ist die Optik. Quietschig bunt war sie ja schon immer, die Sacred-Grafik, aber ein erwarteter qualitativer Quantensprung gegenüber Teil zwei ist nicht zu erkennen. „Wir entwickeln für PC und Konsole“ erklärt man uns. Aha, da liegt der Hund begraben. Optisch erinnert „Sacred 3“ damit tatsächlich eher an „Dungeon Siege 3“, wobei dieser Eindruck auch täuschen könnte, da das letztjährige Konsolengemetzel im Grunde das halbe Spiel beisteuert.

Die einstige offene Spielwelt von „Sacred“ ist nicht mehr. Diese epische Weite der Spielwelt, die ich zum einen liebte, weil ich mich darin so schön verlieren konnte, die ich aber auch verfluchte, wenn die Laufwege mal wieder besonders schmerhaft waren, die ist nun einem Levelsystem gewichen. Will heißen: „Sacred 3“ ist in Levelareale unterteilt, die nicht direkt zusammenhängen. Stattdessen gibt es Abrechnungen am Ende, die euren Erfolg messen, als Belohnung gibt's Medaillen.

Ach und: „Sacred 3“ setzt voll auf 4-Spieler Koop, solltet ihr keine menschlichen Abenteurer zur Hand haben, übernimmt die KI. Das Spielprinzip wandelt sich entsprechend zu deutlich actiongeladeneren Dauergefechten, inklusive Kombo-Moves, Finishern, Team-Takedowns. Das umständliche Kampfsystem der Vorgänger muss damit also weichen, Teil drei legt den Fokus auf die Zusammenarbeit zwischen den Klassen.

Puh, erst einmal durchatmen. Ziemlich harter Tobak für „Sacred“-Fans, wie mich. Denn wenn man ehrlich ist: Mit den Vorgängern hat das hier nicht mehr wirklich was zu tun. Die Konzentration auf den Mehrspieleraspekt gefällt mir zwar, aber den Namen hat dieses Spiel dennoch nicht verdient. Wobei, das klingt zu harsch. Er ist eher falsch gewählt. Selbst die neuen spielbaren Klassen, von denen mit Safiri und Lancer erst zwei feststehen, sind Serienneulinge.

Die Faszination von „Sacred“ ergab sich für mich vor allem aus der Neugierde, eine in weiten Teilen offene Spielwelt zu erforschen, geheime Schätze zu finden und dabei auch mal auf Gegner zu treffen, die mich zu Staub zerbröseln. Ob sich das so in „Sacred 3“ finden wird, darf zumindest bezweifelt werden. Selbst auf die Frage, ob es noch einen Hub oder Städte geben wird, in denen Spieler handeln können, wollte man noch nicht konkret antworten.

Apropos: Zwar versprechen die Entwickler, dass man seinen Charakter nach Belieben an eigene Bedürfnisse anpassen könne, aber wie weit das geht, sprich: wie viele Waffen und Rüstungsteile man findet und wie gut die Item-Suchtspirale funktioniert, darüber kann ich bisher nur spekulieren. Was man dafür besser machen will, als die Vorgänger, ist die Geschichte: Die soll nicht nur spannend sein (sagen alle), sondern auch besser inszeniert werden, dank Skriptsequenzen.

Ausblick
Den anfänglichen Schock muss man erst einmal verdauen, wenn man mit „Sacred 3“ überhaupt warm werden möchte. Wenn man es ganz knallhart sagen möchte, darf man festhalten: Das ist kein Sacred mehr. Ist man bereit damit zu leben, offenbart sich allerdings neues Potential. Denn da „Dungeon Siege 3“ vergangenes Jahr als Action-RPG-Hoffnungsträger für die Konsolen gescheitert ist, könnte „Sacred 3“ diesen Platz übernehmen und somit eine neue Identität innerhalb der eigenen Reihe annehmen.

Schnelle, effektgeladene Koop-Kämpfe mit 4-Spielern klingen nach jeder Menge Spaß, die kurzen Levels mit ihren schnellen Belohnung und der kompetitiven Komponente sind auf der Konsole möglicherweise genau richtig aufgehoben. Warum man eine etablierte Marke, die mit völlig anderen Mechanismen assoziiert wird, für solch einen Kurswechsel nutzen muss, ist eine andere Frage. Eine, die das fertige Spiel 2013 hoffentlich mit genügend Argumenten beantworten kann.

Ersteindruck: Gut

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