Saints Row 4 Test: Mein Vote für die Saints!

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In der Vergangenheit wurde die Saints Row-Reihe oft mit „GTA“ verglichen. Ist ja auch verständlich, beide sind Open World-Titel, die in einer Großstadt spielen und eine Gangster-Geschichte erzählen. Nur ist „Saints Row 4“ nicht länger eine Gangster-Geschichte – spätestens seit Teil 3 sind die Third Street Saints keine gewöhnlichen Kriminellen mehr, sie sind Superstars. Und was ist der logische Schritt nach der Prominenz? Naja, Präsident ist es nicht, aber das ist man jetzt trotzdem und es ist fucking awesome, um es mal mit Saints Row 4′s eigenen Worten zu beschreiben.

Saints Row 4“ baut auf der Absurdität des Vorgängers auf und versucht entsprechend, selbige zu toppen. Zum Beispiel durch die Alien-Invasion von Imperator Zinyak, der kurzerhand die Third Street Saints auf sein Mutterschiff entführt und den Boss – also den Spieler – in eine Simulation von Steelport steckt. Oder in anderen Worten: Es ist der Plot von Matrix, nur mit Aliens statt Robotern.

Murder Fun Time

Volitions Open-World-Wahnsinn ist sich dieser Tatsache natürlich bewusst und packt noch die eine oder andere Hollywood-Anspielung oben drauf. Der Humor der Saints dürfte The Third-Spielern bekannt sein, genau die gleiche Art von Lachern erntet auch „Saints Row 4“. Etwa, wenn das Spiel in einer Schleich-Passage das gesamte Stealth-Genre auf die Schippe nimmt, inklusive Papp-Kartons, unter denen man sich versteckt.

Moment, Schleich-Passagen? War nicht mal die Rede von Superkräften und Dubstep-Kanonen? Klar, die Gameplay-Grundlage von „Saints Row 4“ ist natürlich die offene Welt von Steelport, in der man dank Hacking der Alien-Simulation plötzlich Superkräfte bekommt, die sich durch das Sammeln von leuchtenden Kugeln immer weiter verbessern lassen – und ja, das macht genauso süchtig wie in „Crackdown“.

Und so sprintet man schneller als der Schall, kann meterhoch springen und sogar gleiten, Frost- und Feuerbälle verschießen, mit Telekinese Passanten und Autos durch die Gegend werfen und aus der Luft mit einem gewaltigen Dropkick eine Schockwelle auf die nichtsahnende Umgebung loslassen. Das fühlt sich alles sehr nach “Prototype” an, sieht teilweise sogar genauso aus, macht aber auch unheimlich viel Spaß.

Durch Upgrades geht es dann schneller, höher, weiter, stärker zur Sache; allein Chaos in Steelport anzurichten fühlt sich dank Superkräften deutlich anders an, als noch in „Saints Row: The Third“. Tatsächlich hat „Saints Row 4“ fast das Sub-Genre gewechselt und konkurriert nun eher mit „inFamous“ und Konsorten.

Mech-Mayham

Entsprechend abgedrehter sind dann auch die Aktivitäten in Steelport. Erneut gibt es die Mayham-Missionen, in denen man möglichst viel Schaden anrichten soll – nur jetzt auch mit Alien-Raumschiffen und Mechs. Wer es schnell mag, für den gibt es die Sprint-Events, in denen man mit seiner Superkraft blitzschnell eine Parkour-Strecke durchrasen muss. Professor Genki ist auch wieder am Start, nur dieses Mal mit einem Telekinese-Spielchen, in dem wehrlose Passanten durch Ringe geschmissen werden wollen.

Ein “klassisches” Waffenarsenal gibt es natürlich trotzdem. Gewöhnliche Knarren wie Shotguns oder Maschinengewehre können dieses Mal stärker individualisiert werden – die Schrotflinte kann dann etwa so aussehen wie eine olle Piraten-Büchse. Das Highlight sind aber natürlich die irrsinnigen Neuankömmlinge im Waffenschrank: Die Dubstep-Kanone macht in Aktion tatsächlich Spaß, sie spielt außerdem andere Songs, je weiter man sie verbessert. Mit anderen Schießeisen lässt man die Köpfe seiner Feinde anschwellen, bis die Augen wortwörtlich rausploppen, oder man schießt dann doch einfach schwarze Löcher auf den Feind.

Aber wo passen in dem Chaos Schleichpassagen rein? Ganz einfach: Im Laufe der Story ist es unsere Aufgabe, die anderen Mitglieder der Saints zu befreien, dabei stecken Shaundi, Piers und Co. jeweils in einer anderen Simulation, die ihren ganz persönlichen Albtraum wiederspiegeln. Asha, ihres Zeichens Super-Agentin und neuestes Mitglied der Saints, muss etwa immer wieder eine gescheiterte Mission wiederholen, in der sie eine böse Version des Spielercharakters besiegen muss. Und da muss man eben schleichen, Lichter ausballern usw. – tatsächlich wechseln die Hauptmissionen von „Saints Row 4“ gerne mal das Genre. Durchaus auch mal drei Jahrzehnte in die Vergangenheit, zum Text-Adventure.

Open-World Einerlei

Diese vorbildliche Abwechslung vermag „Saints Row 4“ aber nicht durchweg zu halten. Viele der Haupt- und Nebenmissionen laufen auf sehr ähnliche Gamedesign-Muster hinaus. Verteidige Punkt A für X Minuten, vernichte alle Gegner im Umkreis, vernichte, aktiviere oder deaktiviere drei Alien-Einrichtungen – kreatives Missionsdesign sieht dann doch anders aus.

Saints Row 4 hat trotz seines deutlich abgedrehteren Szenarios auch leider nicht so viele einprägsame Momente wie sein Vorgänger. Das liegt zum einen daran, dass es nicht so oft und nicht so gut Musik einsetzt wie The Third. Es liegt aber auch an der Marketing- und Trailer-Kampagne, die einige Überraschungen bereits vorweg nahm. Außerdem hat Saints Row 4 einige Twists, die es kaum ausspielt, kaum dramatisiert. Da passiert dann eine große Wendung in der Geschichte und das Spiel scheint sich dem kaum im klaren zu sein. Als Ausgleich dafür kriegen wir Keith David. Keith David!! Den Schauspieler und Synchronsprecher, der sich in Saints Row 4 einfach selbst spielt, dürfen wir auf der Brücke unseres eigenen Raumschiffes außerhalb der Simulation sogar “anmachen” – genau wie alle anderen Crewmitglieder. Ein deutlicher Seitenhieb auf Romanzen eines “Mass Effect”.

An einigen Stellen merkt man Saints Row 4 an, dass es mal als Add-on in die Entwicklung gestartet ist. Das technische Grundgerüst bleibt gleich, grafisch ist es nicht von Teil 3 zu unterscheiden. Dass Saints Row 4 wieder in Steelport spielt, stört allerdings kaum. Die Werbeschilder der Saints weichen Propaganda-Plakaten von Imperator Zinyak – der ganze Look der Stadt ist deutlich finsterer, nicht zuletzt dank der rot leuchtenden Raumschiffe, die über der Stadt schweben. Durch das vertikale Gameplay mit den Superkräften erlebt man Steelport zudem öfter von oben.

Leider gibt es auch ein paar Bugs (gespielt wurde auf dem PC). Dazu gehören KI-Aussetzer, bei denen meine Begleiter gern mal mitten in der Gegend stehen bleiben und sich nicht mehr regen. Auch bin ich ab und zu beim Fliegen durch Steelport in der Luft hängen geblieben und konnte mich nicht mehr bewegen. Ein paar Abstürze gab es auch, die ich durch Herunterregeln der Grafikeinstellungen aber umgehen konnte.

Fazit:

Politik ist langweilig? Von wegen! In „Saints Row 4“ macht Präsident sein noch Spaß – die einfallsreichen Hauptmissionen schicken euch quer durch verschiedenste Spielegenres, das abgedrehte Arsenal aus Dubstep-Gun, Superkräften und Mechs bereitet einfach nur Freude und das Upgrade-System ist bis zum Schluss motivierend. Leider gibt es zwischen all der Nonstop-Action auch viel Einheitsbrei aus Standard-Missionen und die Story zündet insgesamt nicht so sehr, wie im Vorgänger. Trotzdem ist „Saints Row 4“ ein irrwitziges und kompromissloses Spektakel, das sich Fans des Absurden nicht entgehen lassen sollten.

UPDATE: Wir haben jetzt auch eine umfangreiche Komplettlösung, in der wir euch viele nützliche Tipps geben, mit euch die Story bewältigen und euch erzählen, wie ihr mit Nebenmissionen zum Beispiel früh an die abgefahrenen Waffen und Upgrades kommt. Schaut vorbei!

Unsere Wertungsphilosophie 

Gewinnspiel:

Unter allen Kommentaren verlosen wir 1x Saints Row 4 für die Xbox 360! Also schreibt uns einfach eure Meinung zum Spiel, was ihr gestern zum Mittag hattet oder wofür diese kleinen Regler an der Dubstep-Kanone da sind.

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Wertung

8/10
Getestet von Thomas

Mit Superkräften in die Spielspaß-Matrix - Saints Row 4 ist kompromissloser Spaß!

Leserwertung
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