Severed im Test: Eine einarmige Heldin im Kampf gegen die Unterwelt

Kristin Knillmann

In Severed töten wir Monster, trennen ihre Körperteile ab und verarbeiten sie zu unserer eigenen Rüstung, um im Kampf gegen das Böse einer merkwürdigen Unterwelt zu bestehen. Und das alles schaffen wir mit nur einem Hilfsmittel – unserem Zeigefinger. Im Test verraten wir, wie das funktioniert.

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Severed - Release Date Announcement Trailer

Severed ist der womöglich letzte „große“ Exklusivtitel für die PlayStation Vita. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, welch kreativen Konzepte und obskuren Geschichten sich kleine Studios oder japanische Hersteller immer wieder für den kleinen Handheld von Sony einfallen lassen. Und so ist auch Severed von Drinkbox Studios, die zuletzt Guacamelee! gemacht haben, eines dieser wunderbar seltsam-schönen Spiele.

Ihr seid Sasha, ein junges einarmiges Mädchen, deren Familie – Bruder, Vater, Mutter – verschollen ist. In Severed ist es ihre Aufgabe, sich durch drei tödliche Gebiete zu schlagen, um ihr Fleisch und Blut wiederzufinden. Auf ihrer Reise durch das Reich der Krähen, über einen Berg und durch eine Zitadelle, steht ihr ein lila-farbener, zweiköpfiger Vogel zur Seite, der ihr einige Weisheiten ins Ohr raunzt, um als Kontrast zum verzweifelten Setting der kunterbunten Unterwelt zu funktionieren. Zwischen dem dämonenartigen Wesen, das Sasha überhaupt erst dazu ermutigt, ihre Familie zu finden, und einer spitznasigen Hexe, welche für unsere einarmige Heldin eine Feindin und Verbündete zugleich darstellt, hilft eben wirklich alles, unser Wesen zu erleuchten.

Severed_Welt

Mit ihrem starren, leeren, gar verlorenen Blick stellt sich Sasha jedem Monster von Severed entgegen: Mischungen aus Pilzen und Bäumen, die wachsen und giftige Pollen verteilen; von Adern überzogene Totenköpfe, die im Takt ihr Maul öffnen, um eine bunte Stein-Kugel zu offenbaren – ein Fiesling bizarrer entworfen als der Nächste. Jede Art, deren zugrundeliegende Kern-Idee sich im Design wiederholt, steht für eine gewisse Attacke ein, die wir benötigen, um sie zu erledigen. Nur, wer die Muster aus Angriff und Verteidigung lernt, weiß sich auf lange Sicht zu helfen.

Das Kampfsystem ist ganz die Vita und gibt einem eigentlich recht klassischen Spielmechanik-Gedanken ein frisches Gewand: Mit dem linken Daumen bewegen wir den Analogstick weiter, um uns im Kreis zu drehen und das richtige Monster auf einer der vier Seiten zu fokussieren. Mit dem rechten Zeigefinger „schlagen“ wir dann auf dem Vita-Screen zu. Je nach Gegnertyp verändern wir Rhythmus, Winkel und Länge der Pausen – und haben bestenfalls unser Fokusmeter so weit aufgeladen, dass wir einem besiegten Monster die Körperteile abtrennen dürfen.

Severed_Zerteilen

In Severed benötigen wir die für unsere Rüstung: Ein besserer Kampf bringt mehr Arme, Beine, Kiefer – und damit auch brauchbare Boni für den nächsten Kampf oder den Boss eines Areals, welche wir besiegen müssen, um Sashas Familie zu befreien. Aber auch sonst ist ein besiegter Boss ganz praktisch, da er Sasha wichtige Fähigkeiten verleiht, wie die Möglichkeit, Gegner kurz kampfunfähig zu machen, ihnen Buffs zu klauen oder über Abhänge zu fliegen und neue Areale zu entdecken.

Das ist neben der Kampfmechanik auch der größte Teil an Severed: Das Spiel ist ein Mini-Metroidvania, das Sasha mit neuen Fähigkeiten auch neue Räume in einem alten Dungeon offenbart, in denen sie sich teilweise nur durch Lösen kleiner Puzzle-Elemente fortbewegen kann.

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Mein Test-Fazit zu Severed:

Die Ideen, die in Severed stecken, sind alle nicht neu. Und doch verbindet sie dieses Spielchen, das mich etwa 6 Stunden bei Laune gehalten hat, auf eine schöne Art und Weise. Manchmal fehlte es mir zwar etwas an Orientierung in den teils miteinander verknüpften Dungeons; das macht das Spiel aber wieder damit wett, dass jedes Areal durch distinktive Puzzles und Mechaniken identifizierbar ist.

Die Blüte des Spiels ist allerdings das Kampfsystem, das gut zur PlayStation Vita passt. Mit der einen Hand zwischen den Monstern hin und her zu schalten, während wir mit der anderen auf sie im zuvor gelernten Rhythmus einprügeln, bedarf einiger Koordination und Reaktion – und funktioniert auch nicht in jeder Sitzposition. Severed zocken, während ihr im Bett liegt? Könnte in Verzweiflung enden. Wobei das manchmal auch ganz gesund ist, um einen Kampf mit klarem Kopf anzugehen und den Überblick zwischen gegnerischen Angriffen, Buffs, Attacken und abtrennbaren Körperteilen zu behalten.

Und Verzweiflung passt auch sonst ganz gut zu Severed: Die Welt ist bunt, und doch düster. Das Design knallig, und doch bizarr. Sasha als Heldin ist knallhart, und doch zerbrechlich. Gemeinsam mit ihr erlebt ihr auf der Vita eine Geschichte, die richtig simpel ist – und doch irgendwie auf einer eigenen Meta-Ebene spielt.

Die GIGA-GAMES-Wertungsphilosophie

Wertung

8/10
Getestet von Kristin

Düsteres Abenteuer in bizarrem Gewand, das wenig Neues macht, aber bekannte Mechaniken auf eine frische Art miteinander verbindet. Ein schöner Abschluss für die PlayStation Vita!

Na, angefixt?
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