Im Kino: Der Fluch der Karibik - Der Fluch der Karibik - Am Ende der Welt

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(Daniel Wenn ein Film zu den zehn erfolgreichsten aller Zeiten gehört und sein Einspielergebnis sogar noch locker das seines Vorgängers übertrifft, dann gibt es, zumindest nach den Gesetzen des Marktes, normalerweise überhaupt keinen Grund auf Produzentenseite, plötzlich in Panik zu verfallen. Allerdings war das Gemurre selbst der größten Fans wohl einfach nicht zu überhören, denn auch wenn alle letztes Jahr erwartungsfroh in Fluch der Karibik 2 geströmt waren und die Kassen ordentlich klingeln ließen, so war doch kaum einer am Ende ähnlich begeistert wie noch nach dem ersten Abenteuer von Captain Jack und seinen Freunden. Als zu lang, zu überfrachtet, zu düster und zu angestrengt empfanden viele die Fortsetzung.

Im Kino: Der Fluch der Karibik - Der Fluch der Karibik - Am Ende der Welt

Grund genug offensichtlich, um sich auf Seiten der Macher noch einmal ausführlich an den eigentlich bereits simultan abgedrehten dritten Teil zu machen und daran so viele “Verbesserungen” vorzunehmen, dass es gerüchteweise sogar bis zuletzt fraglich war, ob denn der Film überhaupt zur geplanten Premiere fertig werden würde. Er ist es natürlich doch geworden und man darf nun also rätseln, wo denn im Einzelnen die Schraube angesetzt wurde. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass man die Kritik doch nicht so ganz richtig verstand (das wäre ja auch zu schön gewesen) und nun halt einfach ein paar zusätzliche Szenen gedreht hat, die dem Publikum eben einfach noch mehr bieten. Und somit haben wir also einen Film, der tatsächlich anders ist als sein Vorgänger: Nämlich noch länger und überfrachteter, noch viel ernster und anstrengender.

Dabei ist der Anfang von “Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt” (der “Fluch” ist nun also endgültig aus dem deutschen Titel verschwunden) ziemlich interessant und viel versprechend. Die ersten zwanzig Minuten schaffen mit der massenhaften Exekution von Gefangenen und der Ankunft der Freunde im Reich des Piratenkönigs Sao Feng ein bedrohliches Szenario, bei dem die Stimmung tatsächlich so bedrückt ist, dass man meint hier komme jetzt der obligatorische “düstere” Teil der Trilogie. Als dann die ersten Witzchen gemacht werden wirken diese daher auch fast unpassend und man muss zudem feststellen, dass diese in Abwesenheit des verschwundenen bzw. ziemlich toten Jack Sparrow auch recht bemüht ausfallen. Mit einem neuen Schiff und einer von Sao Feng zur Verfügung gestellten Crew gilt es für William (Orlando Bloom), Elisabeth (Keira Knightley) und Barbossa (Geoffrey Rush) dann zunächst also, ans “Ende der Welt” zu segeln, um Sparrow aus Davy Jones’ Reich zu befreien. Denn allen ist klar, dass der gute Jack sowohl für die geplante große Zusammenkunft der neun Piratenkönige, als auch für diesen Film unbedingt gebraucht wird. Der Plan gelingt und es kommt schließlich zum großen Showdown zwischen den Piraten und der vom fiesen Beckett angeführten Armada der “Trade Company”.

Wie ist es möglich eine Handlung, deren Grundzüge sich in zwei Sätzen zusammenfassen lassen, auf fast drei Stunden auszudehnen? Kein Problem, man lässt einfach jeden der Protagonisten gefühlte dreiundvierzigmal die Seiten wechseln, sorgt dafür, dass das Wort “Verräter” somit auf jeder zweiten Drehbuchseite auftaucht und ernennt im Schnitt alle acht Minuten jemand Neuen zum Kapitän. Dieses Prinzip verteilt man dann auf mehrere Schauplätze und das dadurch entstehende Hin und Her füllt fast mühelos zwei Drittel des Films.
Im Ernst: Es ist zwar durchaus möglich, den wechselnden Allianzen und Ränkespielen der Hauptfiguren zu folgen, es stellt sich nur die Frage, ob man daran nicht irgendwann die Lust und das Interesse verliert, um sich schließlich lieber nur noch über die Sprüche von Captain Jack zu amüsieren und von den aufwändigen Bildern und Effekten berauschen zu lassen. Wobei leider auch das gar nicht so ohne Weiteres möglich ist, denn einerseits hat man den Spaß-Faktor diesmal deutlich zurückgefahren, und Comedy-Highlights wie die Verfolgungsjagden auf Rädern oder mit Jack Sparrow am Spieß aus Teil Zwei sucht man diesmal vergebens. Und andererseits hat man sich auch am Bilderrausch wohl irgendwann satt gesehen. Gewaltige Actionszenen gibt es nämlich weniger, meist folgen wir nur der Kamera auf gewagten Fahrten, mit denen sie die zahlreichen Stürme und Wetterkapriolen sowie die massenhaft auftretenden Fabelwesen ins Bild rückt.
Denn während der originale “Fluch der Karibik” mit der untoten Mannschaft der “Black Pearl” eigentlich nur ein einziges wirklich übernatürliches Element parat hielt, entwickeln sich die beiden Fortsetzungen zu einem überbordenden Fantasy-Abenteuer, welches nur noch marginal in der Realität verhaftet bleibt. Am interessantesten kommen da noch die fast surrealen Szenen eines in der Totenwelt von absurden Halluzinationen geplagten Jack daher, die einen deutlichen Bruch zum Rest des Films darstellen und für sich genommen doch ziemlich gewagt sind.

Rund ein Dutzend Figuren wollen mittlerweile zu ihrem Recht kommen, und das hat natürlich Folgen. Denn während lediglich die Bedeutung der Magierin Tia Dalma deutlich ausgebaut wird, bleiben andere Charaktere entweder blass oder im Laufe des Films gleich ganz auf der Strecke, indem sie ihren letzten Atemzug aushauchen. Dem von Chow Yun-Fat verkörperten und groß beworbenen Sao Feng gelingt dabei übrigens gleich Beides auf einmal. Der vormals noch so herrlich fiese Captain Barbossa ist nun plötzlich gar nicht mehr böse und verkommt zum guten Onkel, lediglich der ebenfalls stark gehypte Kurzauftritt vom rollenden Stein Keith Richards darf schon als genauso schräg wie gelungen bezeichnet werden. Von der Romanze zwischen Will und Elizabeth ist bis kurz vor Schluss auch Nichts mehr zu spüren, da Keira Knightley viel zu sehr damit beschäftigt ist, grimmig zu gucken um als harte Kämpferin ernst genommen zu werden.

Das Finale selbst ist dann recht hübsch gelungen und hält auch noch eine wirklich mal überraschende Entwicklung bereit. Der Weg dorthin ist allerdings, wie beschrieben, ein sehr anstrengender und mühevoller. Es klingt grausam und es ist einfach auch sehr schade, aber: Die “Pirates of the Caribbean”-Reihe gehört letztendlich wohl doch in die schlimme Schublade mit der Aufschrift “Matrix”. Denn auch hier hätten wir eigentlich Nichts verpasst, wenn man es nach dem absolut gelungenen ersten Teil einfach hätte gut sein lassen.

Denn was nun nach all den zusätzlichen Bearbeitungen entstand, ist ein wahres Monstrum von Film, auf das der Stempel “too much” noch viel eindeutiger passt als auf den von dieser Seuche ebenfalls betroffenen, aber dabei immer noch unterhaltsamen dritten “Spider-Man”-Film. “Am Ende der Welt” ist dagegen über weite Strecken kaum noch zu goutieren. Dieses “Jahr der dritten Teile” scheint also ein sehr problematisches für die großen Blockbuster zu werden.

Was sagt Ihr zum “Fluch der Karibik”? Der Fluch der Trilogie oder alles Papperlapapp? Schreibt’s in die COMMENTS und diskutiert mit uns und anderen GIGAfriends!

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