Pirates of the Caribbean:Fremde Gezeiten - Auf Halbmast in die Flaute

Tobias Heidemann
22

Jack is back. Ab Donnerstag sticht Kapitän Jack Sparrow mit seiner schwer bewaffneten Disney-Flotte wieder in See. Unter der neuen Flagge des Musical-Regisseurs Rob Marshall sollen die Kinokassen weltweit zum vierten Mal geplündert werden.

Pirates of the Caribbean:Fremde Gezeiten - Auf Halbmast in die Flaute

Der “Fluch der Karibik” fand am “Ende der Welt” seinen ebenso pompösen wie würdigen Abschluss. Die in der Not geborene Piratenallianz aus gammeligen Glücksrittern, faulen Halsabschneidern und besoffenen Schurken segelte 2007 ein letztes Mal gegen das Establishment der East India Trading Company. Der spektakuläre Showdown im Auge des Sturms – entfesselt von der Seegöttin Calypso – besiegelte nicht nur das Schicksal des kommerziellen Erzfeindes, er schloss auch die Geschichte um Will Turner, Elizabeth Swann und Tentakelbart Davy Jones ab.


Mit dem dritten Teil der krachigen Freibeutermär stellte der damalige Regisseur Gore Verbinski unter Beweis, dass er sehr genau verstanden hatte, warum die Menschen weltweit so zahlreich ins Kino strömten. Die Leute kamen nicht allein wegen Johnny Depp. Natürlich ist Depps grandios schrullige Zurschaustellung des Jack Sparrow das Herz dieser Filme. Seine Figur ist es, an die man sich auch in zwanzig Jahren noch erinnern wird.

Das Erfolgsrezept der Karibik-Reihe hat aber noch einen anderen, nicht minder essentiellen Zusatzstoff: Das romantisierte Piratenbrauchtum. Ohne die rum-getränkte Folklore der Piraterie, ohne ihr Versprechen von Freiheit, ohne das saftige Seemannsgarn hätten die “Pirates of the Caribbean”-Filme nur halb so viel Spaß gemacht. Schließlich wäre Indiana Jones ohne die abenteuerliche Archäologie auch nur ein Typ mit Hut und Peitsche gewesen. Dasselbe gilt für Kapitän Jack Sparrow. Er braucht die eigensinnige Standesmoral der Seeräuber, um funktionieren zu können.


Jemand hätte Rob Marshall, dem neu angeheuerten Regisseur von “Fremde Gezeiten”, dieses offene Geheimnis vor Drehbeginn zuflüstern sollen, denn die besagte Zutat fehlt dem vierten Teil über weite Strecken vollkommen. In Marschalls Händen – unter anderem verantwortlich für die Musicals “Nine” und “” – steht die stolze Piratenflagge leider nur auf Halbmast. Es ist zwar alles da – die Totenkopfflagge, das Säbelrasseln und die Augenklappen – doch anders als sein Vorgänger Verbinski, versteht sich der neue Regisseur nicht darauf, das draufgängerische Lebensgefühl der Piraterie auf die Leinwand zu bannen.

Weitere Themen: Fluch der Karibik 4

Neue Artikel von GIGA GAMES

GIGA Marktplatz