Sniper Ghost Warrior 3 in der Vorschau: Alle guten Dinge sind drei?

Björn Rohwer

Ganz still und vorsichtig durfte ich vor einer Woche bei dem Vorschau-Event zu Sniper: Ghost Warrior 3 durch georgische Wälder schleichen. Wieso dieses Mal endlich der Funke überspringen könnte, verrate ich Dir in meiner Vorschau.

Unter Kritikern konnte die Sniper-Ghost-Warrior-Serie bisher keinen Blumentopf gewinnen – zu schlauchig, zu kurz, zu flach, zu öde. Die schlechten Wertungen waren den Schleich-Fans aber komplett egal. Das Spiel hat sich auch so blendend verkauft und rangiert mit bisher über 5,5 Millionen abgesetzten Exemplaren auf dem Niveau von Titanfall – für die Nischenausrichtung und die vergleichsweise geringen Produktionskosten eine erstaunliche Marke. Kein Wunder also, dass es im nächsten Jahr nun einen dritten Teil geben wird. Dieses Mal verspricht der polnische Entwickler CI Games allerdings ein „AAA-Erlebnis“, das vor allen Dingen durch eine freibegehbare Spielwelt gespeist werden soll.

Mehr als nur eine Marketing-Floskel

Gäbe es in der Gamesbranche die Wahl zum Unwort des Jahres – der Begriff „Open World“ wäre ohne Frage in der engeren Auswahl. Nachdem nach und nach immer mehr Serien mit freier Spielfläche glänzen wollten, bewies spätestens Mafia 3, dass eine Open World nicht automatischen Realismus und einen hohen Wiederspielwert bringt. Ohne gutes Konzept ist es einfach nur mehr Platz für mehr Langeweile. Sniper: Ghost Warrior 3 bringt solch ein Konzept zum Glück mit. Hier wurde die offene Spielwelt nicht einfach nur uninspiriert aufgesetzt, sondern das Spiel lebt geradezu von dieser Freiheit. Eigentlich ist es sogar genau das, was man von Anfang an von einem Sniper-Spiel erwartet hätte. Anders als für den Super-Soldaten aus actionreichen Blockbuster-Shootern wie Call of Duty und Battlefield geht es bei einem Scharfschützen schließlich um die gründliche Erkundung seiner Umgebung und die clevere Positionierung für den finalen Schuss.

Genau dies darfst Du nun im neusten Sniper-Ghost-Warrior-Teil erleben. Zwar spielst Du auf keiner komplett verbundenen Open-World-Karte, dafür fühlt sich jeder Abschnitt groß genug an, um sich darin längere Zeit zu verlieren. Zu Beginn darfst Du die Mining-Town-Karte erkunden und dort verschiedene Ziele ausschalten, Zivilisten retten und abgestürzte Drohnen bergen. Je nach Wetterlage wirken die grünen georgischen Wälder mal bedrohlich düster und wenige Momente später wieder ganz idyllisch. Die kleineren Fehler, die dabei in der Grafik und bei den Lichteffekten noch auftreten, sehe ich sehr gelassen – hier wird CI Games Sniper: Ghost Warrior 3 bis Ende April sicherlich noch etwas aufpolieren.

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Sniper? Ghost? Warrior?

In der Safehouse-Höhle legst Du Dich kurz schlafen, versorgst Dich mit der nötigen Munition und wählst schließlich Deine erste Mission. Los geht es in die Nähe des kritischen Gebietes. Du stellst den Wagen ab, schleichst zu einem sicheren Fleck und lässt als erstes Deine Drohne steigen. Ganz realistisch sind Gegner, Verbündete und Missionsziele zunächst mit der Kamera der Drohne zu entdecken. Erst nach dieser Erkundungsphase werden Dir die wichtigen Punkte auf der Karte angezeigt und Du kannst Dich in die Schlacht stürzen – oder Dich weiter bedeckt halten und einen Felsvorsprung mit freiem Schussfeld suchen.

Die Freiheit der Karten setzt sich nämlich auch bei den Spielstilen fort – je nachdem wie Du vorgehst, kletterst Du die drei Skill-Trees „Sniper“, „Ghost“ und „Warrior“ hinauf. Treffer aus besonders großer Distanz werden mit Sniper-Punkten belohnt, je seltener Du entdeckt wirst, desto mehr darfst Du Dich „Ghost“ nennen und für den Warrior-Stempel musst Du einfach nur sehr gnadenlos alle Feinde töten. So ist im Laufe des Spiels eine Spezialisierung möglich und der Titel auch ohne eine richtig vorsichtige Sniper-Spielweise spielbar. Allerdings liegt die Stärke von Sniper: Ghost Warrior 3 eindeutig in der ruhigen Präsentation des Scharfschützen-Alltags.

Ruhe darf dabei aber nicht mit fehlendem Nervenkitzel verwechselt werden. Wenn Du im dritten Stock eines verlassenen Hochhauses stehst, nach langer Suche Dein Ziel im gegenüberliegenden Gebäude gesichtet hast – wenn Du immer wieder in den Zielmodus gehst und wartest, bis der Kopf Deines Gegenübers hinter der offenen Scheibe auftaucht – wenn Du im letzten Moment auf die Windanzeige schaust, die Luft anhältst und abdrückst, dann ist das Wort Nervenkitzel noch untertrieben. Klar explodieren hier keine Helikopter, die Du mit Deiner handlichen Flak aus der Luft holst – das ungesehene Eliminieren und Verschwinden hat dafür seine ganz eigenen Qualitäten.

Windböen und Panzerglas

Über weite Strecken scheint CI Games die realistische Umsetzung des Scharfschützen-Gewehrs wirklich gelungen. Als ein Paradebeispiel hält dafür das dynamische Wettersystem her. Mehrmals ist es mir in meiner Testphase passiert, dass ich dank eines einsetzenden starken Regens plötzlich meine Taktik verändern musste. Da hat es ein Scharfschütze mit seinen kleinen Kugeln gar nicht so leicht, die hundert Meter entfernten Ziele zu treffen. Auch wenn es mich in dem Moment ärgerte – die Spielerfahrung macht solch eine Dynamik umso reicher. Gleichzeitig stand ich Minuten später allerdings auch verdutzt in meiner Schießscharte, als ich merkte, dass man durch die Glasscheibe einer baufälligen Ruine nicht einfach hindurch schießen konnte. Ob sich die Rebellen hier spezielles Panzerglas leisten konnten?

Nach der ausführlichen Erkundungstour durch Mining Town durfte ich auch einen kurzen Blick in das sogenannte Slaughterhouse werfen. Dieser kleine Abschnitt eines winterlich verschneiten Gebietes lässt Dir schon deutlich weniger Ruhe als das georgische Grün. Überwachungskameras müssen gehackt werden, die Gegner sind besser geschützt und Du musst viel geschickter vorgehen, um nicht doch entdeckt zu werden und plötzlich unter Raketenbeschuss zu stehen. Es war ein Ausblick auf den Stress, den wir auch als Scharfschützen im späteren Spiel erleben werden.

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Nach knapp zwei Stunden Spielzeit in Sniper: Ghost Warrior 3 bin ich mir mittlerweile sicher, dass sich die Serie weiterentwickelt hat. Die offene Welt ist wie geschaffen für Scharfschützen und sollte eigentlich eine Pflichtvoraussetzung für solche Spiele sein. So viel Spaß mir die Stunden vor Ort gemacht haben, bleiben aber auch jetzt noch Fragen offen. Wird die Story sich wie versprochen von den üblichen Militär-Klischees abheben können? Können die knapp 15 Stunden Story- und 20 Stunden Nebenmissions-Spielzeit abwechslungsreich gefüllt werden? Werden die vor Kurzem angekündigten Multiplayer-Modi den Sniper-Fokus sinnvoll aufnehmen? Lautet am 04. April 2017 auf mehrere dieser Fragen die Antwort „Ja“, dann erwartet uns mit Sniper: Ghost Warrior 3 ein richtiger Shooter-Hit.

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