Soul Sacrifice Test: Beseelte Monsterjagd

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„Soul Sacrifice“ ist anders. Und das nicht immer auf die gute Art. Dafür ist es einzigartig dank seiner bizarren Spielstruktur, seinem eigenwilligen Kampfsystem und seinem absurden bis ekligen Monsterdesign. Es ist die Art Spiel, die Sonys PlayStation Vita braucht, um sich eine Identität zu erkämpfen. Aber ist es auch ein System-Seller?

Nach der ersten Spielstunde war ich von „Soul Sacrifice“ vor allem verwirrt. Als Gefangener des mächtigen Zauberers Magusar fällt dem Spieler in seiner Zelle ein Buch in die Hände. Das Ding sieht äußerst dämonisch aus und kann sprechen – in ihm steckt die Geschichte eines Zauberers. Liest man diese Geschichte, erhält man nach und nach die Fähigkeiten dieses Zauberwirkenden und kann so schließlich Magusar entgegentreten.

It’s a kind of magic

Das klingt doch schon mal vielversprechend: Eine finstere Dämonenwelt, ein mächtiger Magier, ein sprechendes Buch – „Soul Sacrifice“ weiß mein Interesse zu wecken. Zumal der gefangene Sklave, den man eigentlich spielt, in der Egoperspektive durch seine Zelle kraucht und eben wahlweise in das Buch schauen kann. Dort liest man sich durch Storykapitel oder durch Nebengeschichten. Seite für Seite werden kurze Textfetzen vorgelesen und mit leichten Animationen aufgehübscht. Das ist zwar atmosphärisch, macht aber nicht viel her.

Jedes Kapitel umfasst genau einen Kampf und damit kommen wir auch schon zum Kern von „Soul Sacrifice“. Die Gefechte finden in abgeschlossenen Arenen statt – die Erkundung einer Welt oder dergleichen gibt es nicht, hier geht es nur um den Kampf Zauberer gegen Monster.

Hat das Gebiet geladen, dauert es nur wenige Sekunden, bis die ersten Dämonen auftauchen. Das einzige Mittel zum Angriff sind Zauber – sechs davon kann man gleichzeitig ausrüsten. In „Soul Sacrifice“ gibt es zahllose Magiefertigkeiten verschiedenster Elemente, die sich meist auch noch aufladen lassen, um eine stärkere Wirkung zu erzielen.

Zu den Zaubern gehören große Blitzfäuste, die aus der Erde nach oben rammen; Feuerranken, die durch den Boden zum Gegner schießen; riesige Steingolems, die stationär das Gebiet verteidigen oder aber Waffenzauber, die den Arm des Protagonisten in eine Klinge oder eine gigantische Feuerfaust verwandeln. Auswahl gibt es genug – es gilt, die richtige Mischung aus Elementen wie Feuer, Eis und Blitz und seinen eigenen Spielstil zu finden.

Da „Soul Sacrifice“ zu großen Teilen auf Multiplayer-Gameplay ausgelegt ist, erfüllen manche Zauber bestimmte Klassenrollen. Ein Tank kann sich etwa eine zusätzliche Rüstung zaubern und eine Elementarwand vor sich entstehen lassen, was seine Angriffsmöglichkeiten allerdings einschränkt. Fast jeder Zauber hat nur eine bestimmte Anzahl von Aufladungen, die an manchen Stellen der Arena aufgeladen werden können. Generell gilt: Je mächtiger der Zauber, desto weniger Aufladungen hat er.

Stellt euch „Monster Hunter“ mit Zaubern und einer direkteren Steuerung vor und ihr versteht ungefähr das Kampfsystem von „Soul Sacrifice“. Bei mir hat es ein paar Kämpfe gedauert, bis ich mich da reingefuchst hatte. Dann hatte ich aber auch meinen Spaß mit meinen immer mächtiger werdenden Zaubern, die entsprechend spektakulär aussahen. Lediglich das Trefferfeedback könnte besser sein – oft blinken die Feinde nur kurz rot, wenn sie getroffen werden. Die Balance kann ebenfalls zum Problem werden: Nach den ersten paar Spielstunden zieht der Schwierigkeitsgrad in den Story-Kapiteln ordentlich an, spätestens dann empfiehlt es sich, in die optionalen Inhalte einzutauchen.

Auge um Auge

„Soul Sacrifice“ ist zwar kein klassisches Rollenspiel, trotzdem baut man sich seinen ganz individuellen Charakter auf. Klassische Erfahrungspunkte gibt es nicht, dafür bekommt man nach jedem erfolgreichen Kampf neue Zauber. Fusionieren kann man die Magie dann auch noch, die Anzahl der Fertigkeiten scheint in den dreistelligen Bereich zu gehen. Im Arm kann der Zauberer verschiedene Siegel tragen, die Statusveränderungen wie erhöhte Verteidigung oder verbesserten Schaden bewirken. Schließlich kann man noch aus diversen Kostümierungen wählen, die wunderbar extravagant aussehen, aber keine spielerischen Auswirkungen haben.

Und dann gibt es natürlich noch das namensgebende Opfer-System: Jedes Monster kann entweder gerettet oder geopfert werden, was das Spielerlevel in dem jeweiligen Bereich erhöht und entweder mehr Verteidigung und Leben oder mehr Magieschaden bringt. Etwas blöd ist, dass einem in der Story ein gewisses Moralsystem vermittelt wird: Demnach ist das Opfern von Monstern schlecht und korrumpiert den Magier. Entscheidet man sich nun, Dämonen ausschließlich zu retten, macht man schnell nicht mehr genug Schaden. Dann kann es helfen, ein Körperteil zu opfern, um eines der verbotenen Rituale zu vollführen. Das sind besonders starke Zauber, die enormen Schaden austeilen können, aber auch einen dauerhaften Malus mit sich bringen und etwa den Verteidigungswert halbieren. Ein schönes Risk/Reward-System.

Manchmal wird „Soul Sacrifice“ paradox: In einer Nebenmission hat mich ein NPC-Zauberer begleitet und mich im Kampf unterstützt. Im Gefecht gegen einen größeren Gegner hat er das Zeitliche gesegnet. Nun hatte ich die Möglichkeit, ihn zu retten (auf Kosten der Hälfte meines Lebens) oder ihn zu opfern, was ordentlich Flächenschaden verursacht. Ich habe mich für Letzteres entschieden und das Monster besiegt. Allerdings galt die Mission nicht als abgeschlossen, da es in dieser Nebengeschichte um meinen Begleiter geht, er war also Teil der Story. Folglich musste ich ihn erst im Menü wiederbeleben und die Mission neu beginnen. Da frage ich mich doch, warum ich – zumindest in der Story – überhaupt die Möglichkeit habe, mich zu entscheiden.

Leider kann „Soul Sacrifice“ nicht viel mehr als den Kampf. Die Geschichte plätschert vor sich hin, das eigentlich interessante Universum wird nur angeschnitten. Wer mehr erfahren will, muss sich durch seitenlange und nicht vertonte Lore-Kapitel lesen. Von Anfang an hat man die Möglichkeit, den Obermagier Magusar herauszufordern. Sich an dem Fiesling auszuprobieren, ist verlockend, aber auch verheerend, denn es dauert viele Spielstunden, bis man mal länger als zwei Minuten im Kampf überlebt. Dennoch hilft es dabei, die Bedrohung und Macht Magusars zu etablieren.

Ich will mehr von dieser Welt

Ich wünsche mir fast, „Soul Sacrifice“ wäre in mancherlei Hinsicht noch mehr wie sein entfernter Verwandter „Monster Hunter“. Es wäre super-interessant, diese bizarre Welt zu erforschen. Die Arenen allein sehen teilweise schon genial aus – da gibt es etwa eine Wüstenwelt mit einem riesigen Kamel im Hintergrund oder eine Wiese mit kleinen Hügeln, aus denen Engelsflügel ragen. Das Monsterdesign zieht da locker mit: Orcs sind hier mutierte Grinsekatzen, Goblins sind verformte Ratten. Zu den Bossgegnern zählen riesige Hühner mit dem Gesicht einer alten Frau oder ein mit Gold und Schmuck verzierter Schleimriese.

Da ist es schade, einen Großteil dieser faszinierenden Welt nur in Worten beschrieben zu bekommen. Jeder Dämon hat eine eigene Geschichte, schließlich war ein Orc auch mal eine normale Katze oder einer der Bosse einfach nur ein Zauberer. Um diese durchaus netten Stories zu erfahren, muss man sie allerdings erst nachschlagen.

„Soul Sacrifice“ bietet uns zwar eine Geschichte, es will aber hauptsächlich im Multiplayer gespielt werden. Nur im Zusammenspiel mit anderen Mitspielern entfaltet sich das wahre Potential hinter dem zauberbasierten Kampfsystem.

Dann nämlich kann sich ein Zauberer auf Verteidigung spezialisieren und Monster an sich binden, während ein anderer flächendeckend heilt und wieder ein anderer Schaden austeilt. Auch das Opfersystem wird dann interessanter: Fällt ein Spieler, kann er gerettet werden (auch das kostet die Hälfte des Lebens), oder er wird geopfert, was wiederum viel Schaden an den Dämonen macht. Der geopferte Spieler kann anschließend nur noch zuschauen, sieht dafür aber detailliertere Informationen über das Kampfgeschehen, etwa exakte Lebensanzeigen. Außerdem kann er via Touchscreen die Gegner schwächen oder seine Verbündeten stärken.

In “Soul Sacrifice” ist Friendly Fire aktiviert, was bereits im Singleplayer-Modus äußerst nervenzehrend sein kann, wenn ein NPC nicht präzise mit seinen Zaubern umgehen kann und mich bei meinen Angriffen unterbricht. Im Mehrspieler bedarf es zusätzlicher Koordination, tendiert aber auch eher zu nerven.

Fazit:

Als Singleplayer-Spiel ist „Soul Sacrifice“ nur solide. Die Story ist im Ansatz zwar interessant, wird aber zu seicht erzählt. Die Vielfalt von Zaubern und das Zusammenspiel selbiger im Kampf ist es, was mich an „Soul Sacrifice“ fesselt. Gerade im späteren Verlauf des Spiels ist das Machtgefühl unvergleichlich. Im Alleingang werden die auf Arenen basierten Kämpfe aber doch zu monoton. Wer sich dafür in den Mehrspielermodus traut, wird mit spannenden Großgefechten gegen teils riesige und fantastisch designte Monster belohnt.

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Wertung

7/10
Getestet von Thomas

Der moderne Magier ist flink und vor allem in Begleitung seiner Kollegen mächtig, nur leider hat er nicht viel zu erzählen.

Leserwertung
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