Star Trek Test: Lizenz-Müll der alten Schule

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Star Trek“ verwirrt mich. Das Spiel war mehrere Jahre lang in Entwicklung, hat die volle Unterstützung des Filmstudios Paramount und eine ordentliche Trailer-Werbekampagne spendiert bekommen. Und doch fühlt es sich an, als wäre es eilig in acht Monaten zusammen gezimmert und auf den Markt geworfen worden.


„Star Trek“ ist ein unspektakulärer, technisch schwacher Third-Person-Shooter mit Deckungssystem. Das würde zwar von sich aus niemanden hinter dem Ofen hervorlocken, vermutlich aber trotzdem noch einigermaßen unterhaltsam sein. Zudem kommt das Spiel mit den Original-Sprechern aus dem Film und gibt uns die Gelegenheit, in einigen Szenen die Enterprise zu erkunden.

Die Authentizität hilft jedoch reichlich wenig, wenn das dahinter stehende Spiel keinen Spaß macht. „Star Trek“ scheint sich in diesem Bereich einiges von „Aliens: Colonial Marines“ abgeguckt zu haben. Entwickler Digital Extremes („The Darkness 2“, „Dark Sector“) scheint nämlich vergessen zu haben euren Gegnern – die aus einer Kult-Episode bekannten Echsenwesen namens Gorn – mit einer künstlichen Intelligenz auszustatten.  Und so verläuft jedes Gefecht gleich: Irgendwo spawnen drei bis dreißig Gorn, gehen in Deckung und...bleiben dort. Gelegentlich erscheint mal ein stärkerer Gegner mit Schrotflinte, der dann in gerader Linie auf euch zu läuft. Ich bin regelmäßig um die Deckung eines Gorn herumgelaufen und stand direkt hinter ihm, ohne dass er es für nötig gehalten hat, seine Deckung zu wechseln oder sich überhaupt zu wehren.

Ihr steuert Kirk oder Spock, während euer Gegenüber entweder von der Nicht-KI oder einem Co-Op-Partner übernommen wird. Keine der beiden Möglichkeiten funktioniert besonders gut. Die Partner-KI ist ist genauso wenig vorhanden wie die der Gorn und kam mir regelmäßig in die Quere: Insbesondere, wenn ich versuchte, die selten erscheinenden, optionalen Ziele zu erfüllen.

Dann muss man etwa ein Areal durchqueren, ohne entdeckt zu werden. Dank des Betäubungsschusses meines Phasers und dem dämlichen Verhalten der Gegner, sollte das eigentlich auch kein allzu großes Problem sein – wenn da nicht mein KI-Partner wäre. Auch wenn ich ihm befahl, an einer Stelle des Levels zu warten, ist dieser regelmäßig mitten in die Gegner hinein gerannt und hat mich zum erneuten Laden des letzten Checkpoints gezwungen. Manchmal war das denen aber auch ganz egal und sie ignorierten den Vulkanier, der gerade mitten im Raum stand.

Für einen Deckungs-Shooter funktioniert das Deckungssystem erstaunlich schlecht. Oft scheint es nur vom Glück abhängig zu sein, ob euer Charakter nun in die Deckung oder an ihr vorbeirollt. Wollt ihr von der einen Wand zu der anderen sprinten, müsst ihr den entsprechenden Knopf erst einige Zeit lang halten, statt dies sofort machen zu können. Das hat Digital Extremes bereits vor vier Jahren mit „Dark Sector“ besser gemacht.

Beschießt ihr gerade mal nicht die ständig gleichen Echsenwesen und zombifizierten Menschen, könnt ihr euren Tricorder auspacken und eure Umgebung scannen. Findet ihr Audiologs oder neue Gegner, Maschinen und Waffen, bekommt ihr dafür Erfahrungspunkte spendiert, die ihr in neue Fähigkeiten und Phaser-Upgrades stecken könnt. Dann wird es etwa möglich, auf Knopfdruck das Schild seines Partners regenerieren zu lassen oder mit dem Phaser in einen Schnellfeuermodus zu wechseln.

Zunächst einmal ist keine dieser Fertigkeiten wirklich nützlich oder sinnvoll, vor allen Dingen bremst dieses System das Spiel unnötig aus. Da es die Erfahrungspunkte ausschließlich für das Scannen von Gegenständen gibt, muss man jeden Raum doppelt und dreifach ablaufen, um die oftmals versteckten Erfahrungs-Boni zu finden. Spaß macht das nicht.

Auch bei den Waffen gibt es wenig spannendes zu vermelden. Es gibt die übliche Auswahl an Maschinengewehren, Pistolen und Schrotflinten – nur, dass hier halt keine Kugeln, sondern Energielaser  verschossen werden.

Immerhin erzählt „Star Trek“ eine unterhaltsame Geschichte, die zwar keine direkte Verbindung zu den beiden Filmen hat, jedoch nach einen sehr ähnlichen Muster funktioniert. Würde ein besseres Spiel dahinter stecken, wäre das für Fans des ersten Films vielleicht schon Grund genug, zuzugreifen.

Fazit:

„Star Trek“ ist ein komplett ideenloser Third-Person-Shooter mit desaströser KI, einem unsauberen Deckungssystem, langweiligen Waffen und vielen, vielen Bugs. Die nette Geschichte kann da leider nicht mehr viel herausholen.

Auch technisch hinkt die Lizenz-Umsetzung mehrere Jahre hinterher, vor allen Dingen die Gesichter der den Schauspielern nachempfundenen Charaktere variieren zwischen Albtraum-Material und Comedy.

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Wertung

4/10
Getestet von Robin

Ich mag das Star Trek-Universum von J. J. Abrams und habe mich deswegen auf diese Umsetzung gefreut. Könnte euch die nette Geschichte davon überzeugen, das miese Gameplay so gut es geht zu ignorieren und trotzdem zuzuschlagen?

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